Was du nicht willst, dass man dir tu,

das füg auch keinem andern zu!
Diesen Satz habe ich bereits in meiner Kindheit gehört – und das ist schon eine ganze Weile her -, wenn ich etwas getan habe, das ich nicht hätte tun sollen. Dieser einleuchtende Satz – der so etwas wie ein sittlicher Nordpol ist, wie Nils Köbel¹ sagt – ist gewissermaßen die volkstümliche Version des „Kategorischen Imperativs“ von Imanuel Kant (1724 – 1804)² „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.“¹

In Deutschland gibt es eine wachsende Zahl von Menschen, die Menschen verfolgen, die vor Verfolgung zu uns kamen und Schutz bei uns suchen. Doch eine erschreckend große Zahl unserer Mitbürger verübte Anschläge  auf sie: Laut BKA³ (Bundeskriminalamt) im vergangenen Jahr (2016) fast 1.000 Anschläge auf Flüchtlingsheime,  2.545 Straftaten gegen Flüchtlinge außerhalb der Flüchtlingsunterkünfte, verletzt wurden 560 Flüchtlinge, 385 tätliche Angriffe auf Einzelpersonen (AAS)³. Hinzu kommt eine politische Szene, die von einer Geschichtsvergessenheit strotzt, dass man verzweifeln möchte: Diese Hasardeure haben nichts gelernt aus der Geschichte, die gerade einmal 65 Jahre zurück liegt und zig-Millionen Tote forderte.

Endlich hat Europa es geschafft, die Grenzen niederzureißen, da kommen diese Ewig-Gestrigen, die geschichtsvergessenen Phrasendrescher und dümmlichen Vereinfacher mit ihren angeblich einfachen Lösungen: Wie dämlich muss man sein, zu glauben, die Probleme seien einfach zu lösen? Der größte Lautsprecher, der amerikanische Präsident Trump, eingebildet und selbstverliebt wie alle dieser Art, blamiert sich täglich und ist der Witzereißer Liebling. Sein „America first“ möchten sie alle mit ihrem Land nachahmen, Frankreich first, Holland first, Polen first, Deutschland first: die extremen Rechten vor allem. Jeder für „sein“ Land natürlich, mit ihm natürlich an den Helbeln der Macht und des Geldes, egal, was es das Land und die Welt kostet: immer einer gegen alle. Denn „Ich zuerst“ ist nichts anderes als „Du bist mein Gegner, dich bekämpfe ich“. Mehr Unvernunft geht nicht!

Sie alle handeln gegen alle Vernunft, wollen anderen zufügen, was keiner von ihnen will, dass man es ihm zufüge. Das ist mehr als Unvernunft: es ist unsägliche Dummheit und im höchsten Maße unmoralisch.

(©)    Hans-Werner Bunz

¹) Patrick Breitenbach, Nils Köbel: Wie ich wurde, wer ich bin, und was wir einmal sein werden, S. 163, Bastei Lübbe AG, Köln; ²) Deutscher Philosoph der Aufklärung, einer der bedeutendsten Europas; seine Themen waren Vernunft und Moral; ³) Flüchtlingsfeindliche Angriffe in Deutschland

 

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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