Alter Fränkischer Satz: schon Goethe liebte ihn!

Johann Wolfgang von Goethe war nicht nur ein großer Dichter, sondern auch ein Feinschmecker. Und der Frankenwein hatte es ihm angetan, wie Dokumente bezeugen. Genauer gesagt: es war wohl der fränkische „Frentsch“. Frentsch ist gewissermaßen fränkisch für Französisch. Denn seinerzeit produzierten die fränkischen Winzer zwei Weine: den vinum hunicum (Huntsch) und den vinum francium (Frentsch). Der Huntsch, das war der Wein, den der Winzer selber trank und den er, weitgehend von Abgaben befreit, auch selbst vermarkten konnte. Der Frentsch hingegen war ein feiner Wein, ein Wein aus höherwertigen Rebsorten wie Silvanervarietäten, Gewürztraminer, Riesling, Gelber und Roter Gutedel, Gelber Muskateller, Weißer Burgunder, Spätburgunder – er war so gut, dass er sogar nach Frankreich an den Königshof exportiert wurde. Auf ihn erhob der fränkische Landesherr, der Fürstbischof, den Zehnt.

Die Weinbauern pflanzten früher ihre wurzelechten Sorten ganz durcheinander, also nicht sortengetrennt. Dadurch gibt es zwischen ihnen einen sie stärkenden Austausch über die Wurzeln und die Bodenpilze. Und mit der Sortenvielfalt sicherten die Winzer sich ab gegen die Unbilden der Witterung: Am Lesetermin konnten sie aus Aroma- und Säureträgern plus ertragssicheren Reben mit Trauben unterschiedlicher Reifegrade einen trink- und haltbaren Wein keltern. Typisch für Franken war die Kopferziehung: Nur des Rebstocks Kopf lugte aus dem Boden – und die Triebe selbstverständlich. Drei Holzpfähle (Stickel) pro Rebstockkopf (unter- und oberhalb sowie daneben) stützten die Triebe mit ihren Früchten. Im Spätherbst entfernte man die Stickel, schnitt die Triebe ganz zurück und bedeckte den Rebenkopf mit Laub und Erde zum Schutz vor Frost. Die Stickel lagerten im Winter im Trockenen, im Frühjahr rammte man sie wieder in den Boden – Schwerarbeit!

Jüngst wiederentdeckt: der Alte Fränkische Satz
Im Laufe des 19. Jahrhunderts verdrängte in Deutschland der sortenreine Anbau mehr und mehr nicht nur den Huntsch in Franken, sondern auch den Frentsch. Am Ende überlebte dieser Frentsch – heute Alter Fränkischer Satz genannt – nur in den von der Flurbereinigung unberührten landwirtschaftlichen Nischen – in Franken auf ca. 7,5 Hektar, also ein gutes Tausendstel des fränkischen Weinbaugebiets (6.253 ha)*. Immerhin gibt es in Franken noch eine stattliche Zahl von Winzern, die diesen einzigartigen Wein kultivieren und vermarkten, darunter sehr renommierte Betriebe. Denn dieser Wein bietet dem Kenner Jahr für Jahr ein neues Geschmacks- und Sinneserlebnis: reagieren doch die einzelnen Rebsorten immer ganz unterschiedlich auf das jeweilige Klima, die mehr oder weniger Sonnenstunden und Niederschläge.

Im Zusammenhang mit der Aufnahme dieses Weines als „Alter Fränkischer Satz“ in die Slow Food Arche des Geschmacks bildete sich eine Interessengemeinschaft http://alter-fraenkischer-satz.de, aktiv gefördert von der regionalen Slow Food Gruppe „Mainfranken Hohenlohe“ und der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. Gemeinsam wurden Mindestprofile festgelegt für die Bezeichnung „Alter fränkischer Satz“:
– Der Wein muss aus einem Weingarten stammen mit gemischter Rebenpflanzung nur klassischer und historischer fränkischer Sorten: mindestens fünf mit mindestens 20 % historischen Sorten, alle gemeinsam zum gleichen Zeitpunkt gelesen.
– „Deutsch-Trocken“ muss der Wein daraus sein. Sind die Reben älter als 70 Jahre darf das Etikett „Historischer Alter Fränkischer Satz“ vermelden

Fränkische historische Sorten
Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Veitshöchheim, die sich seit Ende 1999 für diese alten Weinberge aktiv interessiert, hat neun historische fränkische Rebsorten identifiziert und zu neuem Leben aktiviert: Bukettrebe1, Adelfränkisch1, Vogelfränkisch1, Roter Silvaner1, Weißer Lagler1, Blauer Kölner2, Hartblau2, Mohrenkönigin2, Tauberschwarz2. 1) Weißweine, 2) Rotweine

(©)   Hans-Werner Bunz               Foto: Historische Rebsorte „Adelfränkisch“ © Bay. LA Weinbau & Gartenbau                                    

*) Jahr 2017 – https://de.wikipedia.org/wiki/Franken_(Weinanbaugebiet)

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

2 Kommentare zu „Alter Fränkischer Satz: schon Goethe liebte ihn!

  1. Jetzt verstehe ich, warum man Tauberschwarz nicht „sortenrein“ trinken kann. Er wurde nie dafür angebaut. Heute macht man ihm mit Dornfelder genusstauglich

    1. Es gibt im Taubertal zumindest zwei Winzer, beide mit Slow Food verbunden, die diese autochthone Rebsorte Tauberschwarz (ein Passagier der Slow Food Arche des Geschmacks) sortenrein ausbauen. Ihre Weine sind dicht, dunkelrot, im Holzfass ausgebaut und zeigen im Rachen den Zartbittergeschmack. Diese beiden Winzer, das Weingut Benz in Lauda-Königshofen, OT Beckstein, Im Walterstal 1, und das Weingut A. & J. Hofmann in Röttingen, Strüther Str. 7, pflegen besonders ihre Böden, reduzieren die Trauben und lassen die Maische vergären.

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