Mitwelt-Feind Nr. 1: Plastik

Vor rund 70 Jahren startete die Massenproduktion von Kunststoffen – allgemein als Plastik bezeichnet. „Bis 2017“, so Forscher der University of California, wurden 8,3 Milliarden Tonnen (8 300 000 000 t) produziert. Meist nach kurzer Verwendung lagern 79 % = 6,5 Milliarden Tonnen (6 557 000 000 t) in der Mitwelt – an Land wie in Gewässern und Meeren. Denn nur 600 Mio. Tonnen (600 000 000 t) wurden wiederverwertet.1

Dieses Plastik, Kunststoffe aller Art, hat eine fantastische Karriere hinter sich: Es ist längst buchstäblich allgegenwärtig. Und seine Allgegenwärtigkeit ist zu einer Bedrohung geworden für die Existenz vieler Spezies unserer Mitwelt – und damit auch für uns Menschen. Begonnen hat es ganz natürlich: mit Kautschuk. Das erste Kunstprodukt daraus war der Radiergummi, 1770 in England entwickelt.2 Charles Goodyear erfand die Vulkanisation mit der er elastisches Gummi erzeugte2. Der erste wirkliche Kunststoff war der Methylkautschuk, erfunden von dem deutschen Chemiker Fritz Hofmann 1909, der dafür den Nobelpreis bekam1.Das erste Patent auf Polyvinylchlorid (PVC) erhielt 1912 der deutsche Chemiker Fritz Klatte1. Aber als Vater der Polymerchemie gilt Hermann Staudinger1, ebenfalls ein deutscher Chemiker, dafür ausgezeichnet 1953 mit dem Nobelpreis.

Schon ab 1950 wuchs die Produktion der Polymerkunststoffe rasant durch die Thermoplaste und deren besonders kostengünstige Verarbeitung. Weltmeister in der Kunststoffproduktion heutzutage ist Asien, das ums Jahr 2010 Europa und die Amerikas überholten. Inzwischen ist nicht recyceltes Plastik zu einer allgemeinen Bedrohung geworden, denn die Recycling-Quote ist vergleichsweise winzig. Plastik hat inzwischen nicht nur die Meere verseucht, sondern auch Landschaften und Lebensräume. Geradezu berühmt geworden sind die riesigen fünf Plastikmüllstrudel in den Weltmeeren nahe des Äquators, zwei im Pazifik, zwei im Atlantik, einer im Indischen Ozean. Der größte kreist im Nordpazifik zwischen Nordamerika und Asien, seine Größe wird auf die Größe von Mitteleuropa geschätzt mit ca. 1.000 bis 2.500 g Plastikmüll je qkm3. In der Summe: eine 3 Millionen Tonnen (3 000 000 t) schwere „Plastikinsel“.4  

Plastikmüll als Geschäft
56 Prozent des Kunststoffmülls verschiffte die Welt bis Ende 2017 nach China. China war so daran interessiert, dass man sogar 20 € pro Tonne mehr bezahlte. Deshalb entsorgten via China die EU-Staaten 87 Prozent ihres Plastikmülls, darunter Deutschland rund 760.000 Tonnen jährlich. Doch Anfang 2018 war Schluss damit: China nahm nur noch saubere Lieferungen an. Denn die meisten hatten einen Anteil von 40 % verschmutztem Plastik – und dieses häufte sich inzwischen im Land überall. Allerdings hatte China inzwischen in anderen Ländern wie Indonesien, Thailand, Malaysia und Vietnam geholfen, Fabriken für diese Plastikabfälle aufzubauen; nun müssen diese sehen, wie sie damit zurecht kommen5.

Wer kennt nicht die Bilder von Orten in Afrika und Fernost, die im Plastikmüll zu ersticken drohen. Wo Menschen, Erwachsene und Kinder, Deponien durchwühlen nach Brauchbarem, um zu überleben. Auch der Wind bedient sich bei den Halden und weht die leichten Plastikteile in die Meere, spülen die Flüsse sie ins Meer, saugt sie das Meer von verschmutzten Stränden. Ausgediente Fischernetze werden oft absichtlich im Meer entsorgt, unabsichtlich durch Sturm auch ganze Container. Microplastik – feinste Kunststoffpartikel – schwemmen unsere Abwässer in Flüsse, Seen und Meer. Zu 80 % sind es wohl all diese Abfälle überall auf der Welt, die das Meer zumüllen und die Meerestiere aller Art sterben lassen, oft qualvoll4. Laut Naturschutzbund verenden dadurch jedes Jahr bis zu 100.000 Meeressäuger und 1 Million (1 000 000) Vögel.6

Höchste Zeit, etwas dagegen zu tun!
Jeder von uns kann das! Ganz einfach: ab jetzt Verpackungsplastik meiden – auch bei Getränken, nur noch mikroplastikfreie Kosmetika, Zahnpasta und Peelings kaufen, Kunstfaserwäsche und -kleidung ablehnen. Und überhaupt: Plastik höchstens für Langlebiges akzeptieren, ansonsten weitest möglich darauf verzichten – der Mitwelt zuliebe.

(©)   Hans-Werner Bunz

1) https://de.wikipedia.org/wiki/Kunststoff, 2) https://de.wikipedia.org/wiki/Naturkautschuk, 3) www.careelite.de/muellstrudel-im-meer/, 4) www.geo.de/geolino/natur-und-umwelt/16513-vdo-umweltverschmutzung-die-fuenf-muellstrudel-der-ozeane,  5) www.zeit.de/wirtschaft/2018-07/recycling-deutschland-china-plastikmuell-grenzen-industrie-boom,  6) www.careelite.de/plastikmuell-umwelt-meer

Foto: Plastikmüll am Meeresstrand, Quelle: Pixabay

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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