Günstig, gelb, gut – aber …

…jawohl – mitweltfeindlich, weil über 85 % mitweltfeindlich angebaut werden. Die Banane, genauer: die Dessertbanane (Musa x paradisiaca)1 essen wir Deutschen so gern wie niemand sonst – etwa die Hälfte aller nach Europa gelieferten verspeisen wir. 2018 insgesamt rund 1,25 Millionen Tonnen2, minimal weniger als 2017. Drei Länder vereinen 5/6 dieser Lieferungen auf sich: Ecuador, Kolumbien, Costa Rica, das restliche Sechstel liefern fünf mittel- und südamerikanische Länder plus – marginal – zwei afrikanische. Diese gewaltige Bananenmenge, wohl so viel, wie der Rest Europas konsumiert, verzehren die rund 83 Millionen Esser in Deutschland: vom Baby bis zum Greis ein jeder knapp 15,2 kg Bananen im Jahr.

Insgesamt sind 13,5 Prozent aller nach Deutschland gelieferten Bananen fair gehandelt3; 86,5 Prozent freilich unfair. Und nur 15 % der fair gehandelten sind Bio-Bananen, die zu 70 % Fairtrade (fairer Handel) zertifiziert sind4. Bio ist freilich nicht gleich Bio. Die meisten Bio-Bananen tragen nur das gelbgrüne EU-Siegel mit dem weißen Sternenblatt. Zweifelsfrei eine deutliche Verbesserung gegenüber nichtzertifizierten Bananen, zumindest hinsichtlich ihrer Erzeugung: No Chemie-Pestizide & Kunstdünger – Yes Handarbeit, Nützlinge, Leguminoseneinsaat, häufigere Fruchtwechselfolge und anderes mehr. Auch profitieren da und dort Plantagenarbeiter bei den Arbeitsbedingungen, beim Einkommen und anderem. Wesentlich strenger freilich und damit nachhaltiger sind die von Demeter-, Bioland- und Naturland zertifizierten Plantagen; fast immer ist bei ihnen der faire Handel integriert.

Geiz ist nicht geil,
etwas frohen Herzens zu genießen, was Ausgebeutete – Menschen und Mitwelt – erschufen: Es ist – sofern man nicht sehr arm ist – schäbig, sehr egoistisch und deshalb auch irgendwie unmoralisch, sich die Niedrigstpreis-Bananen der großen Handelsketten einzuverleiben. Wenigstens EU-Bio-Bananen sollten es schon sein, fair gehandelte wären noch besser, da weiß man, dass Mensch und Mitwelt profitieren. Für beide noch besser freilich – und deshalb noch teurer – ist die Banane mit dem kleinsten ökologischen Fußabdruck, also von Demeter, Bioland und Naturland zertifiziert. Gewöhnlich findet man sie nur in Bio-Fachgeschäften. Gelobt seien alle, die Bio-Bananen essen, sehr gelobt jene, die dem kleinsten ökologischen Fußabdruck die Ehre geben. Beides ist ein echtes Plus für die Mitwelt: für die Plantagenarbeiter, für die Böden und Pflanzen der Plantagen, für deren tierische Bewohner, für die Naturräume überhaupt, die lokalen Klimata und dem der ganzen Welt.

(©)   Hans-Werner Bunz                                                          Foto: http://www.pixaby.com

1) https://de.wikipedia.org/wiki/Bananen,  2) https://de.statista.com/statistik/daten/studie/328355/umfrage/wichtigste-herkunftslaender-von-bananen-in-deutschland-nach-importmenge/,
3) www.fairtrade-deutschland.de/produkte-de/bananen/hintergrund-fairtrade-bananen.html
4
) www.oekolandbau.de/handel/marktinformationen/der-biomarkt/marktberichte/biobananen/

Buchtipp: Sahra Zierul, Billig, Billiger, Banane – wie unsere Supermärkte die Welt verramschen, oekom Verlag, München, € 19,50

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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