Eine Chance für die Frankenziege?

Traditionsreiche, köstlich schmeckende Lebensmittel, Pflanzen und Tiere vor dem Vergessen zu bewahren und zugleich zu fördern ist Sinn der Slow Food Arche des Geschmacks. So war es auch gedacht für die Frankenziege; 2014 hatte ich zusammen mit Burkhard von Kannen, ebenfalls Slow Food Mitglied und Experte für diese Rasse, einen entsprechenden Antrag ausgearbeitet und der deutschen Slow Food Arche-Kommission zugeleitet. Doch die Frankenziege wurde nicht aufgenommen: es gäbe keinen Reinzuchtbock und auch reinrassig weibliche Tiere seien inzwischen selten, so der Ablehnungsbescheid.

Aufgenommen hingegen wurden inzwischen Tiere, die einst fast ausgestorben waren, wie das Coburger Fuchsschaf oder das Schwäbisch-Hällische Landschwein. Als erfolgreicher Rückzüchter startete beim Coburger Fuchsschaf vor knapp 80 Jahren der schwäbische Otto Strietzel: Er züchtete ab 1943 mit 30 nicht reinblütigen Tieren auf seinem Hof im oberfränkischen Bug bei Münchberg diese so zurück, bis die Reinrassigkeit stabil war. Heute gibt es sie wieder so zahlreich, sogar in zwei Linien, dass sie nicht mehr akut gefährdet sind. Ähnliches geschah mit dem Schwäbisch-Hällischen Landschwein: 1982 körte man aus den wenigen noch übrig gebliebenen Tieren sieben als Zuchtsauen – und heute gibt es als Vererber ca. 350 reinrassige Sauen plus mehrere reinrassige Eberlinien.

Was bei diesen beiden Rassen gelang, soll nun auch bei der Frankenziege gelingen. Denn es gibt noch hochprozentig reinrassige Ziegen und ebenso einige Böcke. Allerdings bedarf es einiger Geduld und auch züchterisches Geschick für die reinrassige Rückzüchtung. Dafür werden möglichst nicht nur genetisch, sondern auch äußerlich dem Ideal nahe kommende Tiere gepaart. Und dies in vielen Schritten, wobei eine gewisse Inzucht unvermeidbar ist. Hoffnung macht, dass es interessierte Frankenziegenhalter gibt mit im Blut hochrangigen und in der Optik als reinrassig anzusehenden Tieren. Und es sieht so aus, dass sie auch willens sind mitzuwirken, die Rasse wieder reinrassig zu machen – keineswegs eine Selbstverständlichkeit.

Wir, ein Freund (Burkhardt von Kannen, studierter Landwirt und Frankenziegen-Experte) und ich, wollen nun eine Initiative starten zur Züchtung reinrassiger Frankenziegen. Über die Fortschritte lesen Sie in diesem Blog.

(©)   Hans-Werner Bunz                                     Foto: Frankenziege © Jürgen Holzhausen

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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