Vegan – weil Pflanzen nix fühlen?

Es ist schon erstaunlich, was sich Menschen so einfallen lassen. Noch erstaunlicher freilich ist, worauf Menschen reinfallen. Da ist die Mär von der tierfreien Ernährung, genannt vegane Ernährung: Kein Produkt von einem Tier! Ganz egal ob es Milch oder Honig ist. Vom Fleisch ganz zu schweigen. Das Motiv ist nur scheinbar edel: Ein Protest gegen die Massentierhaltung. Ein Protest gegen das Töten von Lebewesen.

Die Veganer vergessen: Auch Pflanzen sind Lebewesen. Und sie haben sogar ein Gedächtnis, wie erst jüngst die Wissenschaft fand: Pflanzen können fühlen, sehen, hören und kommunizieren. Biologen sprechen von einer „kopernikanischen Wende“. Unser Bild vom Grünzeug ist falsch: Pflanzen sind empfindende Lebewesen wie wir. Zwar besitzen sie keine Nervenzellen. Aber sie produzieren Hormone, mit denen sie Sinnesreize durch ein feines Adergeflecht zu ihren eigenen Organen übermitteln – auf diese Weise fühlen, sehen, hören und kommunizieren sie. Sie hätten noch mehr Sinne als wir, so der Neurobiologe Stefano Manusco, Universität Florenz, „für Magnetfelder zum Beispiel oder für Chemikalien. Heute wissen wir: Pflanzen sprechen miteinander, erkennen ihre Verwandten und zeigen ganz unterschiedliche, individuelle Charaktere“, sagt Mancuso.¹ ²

Veganer töten also ebenso Lebewesen, um zu leben. Deshalb sind sie weder moralisch besser noch mitweltfreundlicher als Esser von Tierprodukten. Richtig ist: Die Massentierhaltung ist unmoralisch. Doch man hat die Wahl, sich Fleischwaren aus tiergerechter Haltung zu besorgen. Das ist deutlich teurer, der Genuss aber ebenso größer. Und man isst weniger Fleisch, Wurst, Schinken – und seltener. Genau das mache ich. Der Veganer hingegen leidet. Denn seine Ernährung erfüllt nicht seine natürlichen Bedürfnisse; denn im Fleisch, im Fisch und in Tierprodukten steckt jede Menge Lebenskraft. So sucht er Ersatz für Vitamin D, das Fische bieten, in einer technisch erzeugten Pille oder in der Sonne, doch diese scheint nicht immer, ganz besonders wenig im Winter, wo man sie nur aus dem Büro- oder Werkstattfenster sieht. Das Vitamin B12 fehlt ihm gänzlich, weil es nur in Tieren entsteht – und so bleibt auch hier nur die Pille. Die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA finden sich vor allem in Fischen – und in Algen, was allerlei Technik erfordert (vom Schiff bis zum Ernten, Trocknen, Vermahlen) bis man das Algenpulver, verpackt in einer Kapsel, schluckt. Und noch mehr Algenpräparate muss man schlucken oder technisch erzeugtes Jod-Salz, um den Jod-Haushalt zu stabilisieren. Eisen ist auch ein wichtiger Lebensstoff, den rotes Fleisch bietet: der Veganer genießt dafür viele Haferflocken, Sojabohnen, Nüsse oder Heidelbeeren; die beiden letzteren schmecken auch mir. Proteine, Eiweiße also, sind ein wichtiger Lebensstoff: bis 25 Prozent sollte der Anteil sein – und den liefern Getreideprodukte und schwer verdauliche Hülsenfrüchte³. Eine vegane Ernährung ist möglich, aber weder besser noch moralischer als eine Ernährung, bei der auch Produkte von Tieren inkl. deren Fleisch dazu gehören, sofern diese artgerecht gehalten sind.

Wir sollten ehrlich sein: Der Löwe schlägt das Gnu, der Wolf das Reh, das Reh genießt – verbeißt sagt der Förster – die Sprößlinge junger Bäumchen, der Fuchs frisst die Maus, das Wildschwein frisst Pilze, Schnecken und Maispfanzen, der Falke den Singvogel, der Otter den Fisch, der große Fisch den kleineren, der kleine…. Tiere töten, um zu überleben. Alles lebt vom Leben eines anderen. So auch der Mensch, der Homo sapiens, der vor ca. 800.000 Jahren entstand als Mutation eines aufrecht gehenden Homo erectus, einem hochentwickelten Hominiden, einem Menschenaffen, in Afrika*.         

(©)   Hans-Werner Bunz                                            Foto: Erntedank © Alexandra Herterich

¹) https://www.nationalgeographic.de/umwelt/die-sinne-der-pflanzen (National Graphic, Nr. 8/2015, Seiten 88 – 111)
²) https://www.hauenstein-rafz.ch/de/pflanzenwelt/sammelsurium/Pflanzen-fast-wie-Menschen.php
³) https://www.foodspring.de
*) https://de.wikipedia.org/wiki/Stammesgeschichte_des_Menschen

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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