Geistvolle Genüsse – hochprozentig!

Ende Juli 2019 war ich eingeladen nach Schlüsselfeld zum 25. Jubliläum von Rosenhut, der Vereinigung Fränkischer Edelbrenner e.V.. Seit fast 20 Jahren kenne ich Rosenhut und bin seitdem auch gelegentlicher Kunde des einen oder anderen Mitglieds. Doch an diesem Tag erlebte ich Ungewöhnliches: Statt den mir vom Seniorchef der Adrian Edelbrennerei GmbH, Großheubach, angebotenen Edelbrand von der Traubenkirsche zu verkosten, konnte ich nicht von dessen betörendem Duft lassen – er beglückte mich so, dass ich einfach nur riechen wollte. Natürlich genoss ich ihn letztlich auch mit Zunge, Mund und Gaumen. Inzwischen bin ich für € 59 Besitzer einer 1/2-Liter-Flasche dieses wundervollen Brandes.  

Was gibt es nicht alles für Wörter zu dieser Produktkategorie: Schnaps, Hochprozentiges, Klarer, Feuerwasser, Sprit, Schnäpschen, Geist, Wasser, Lebenswasser, Rachenputzer, Seelenwärmer, Brantwein, Fusel, Feinsprit, Brände – lauter Synonyme für Gebranntes Wasser, wie der Fachmann sagt. In Franken, wo Alkoholisches sowieso eine lange Tradition hat, man denke nur an den Wein im Unterfränkischen und an das vorzügliche Bier im Oberfränkischen, gehört auch Hochprozentiges zur Trinkkultur. Und so wundert nicht, dass es im Fränkischen zahlreiche Brennereien gibt; viele von ihnen vereinen die Erfahrung vieler Generationen. War es bei den Winzern im Unterfränkischen üblich, aus Weintrauben Weinbrände zu destillieren, so nutzten in den Obstregionen Oberfrankens – vor allem der fränkischen Schweiz – sowie im Steigerwald und in der Rhön die Obstbauern ihre hochstämmigen, sich ans Dorf schmiegenden Streuobstwiesen fürs Destillieren von Obstbränden und -geisten. Neuerdings sind auch Wisky und Gin fränkische Produkte.

Waren einst die Schnäpse und Liköre begehrtes „Zubrot“ für des Brenners eigenen Haushalt und fürs Einkommen, gilt dies vielfach auch heute noch. Als Abfindungsbrenner dürfen sie max. 300 Liter reinen Alkohol produzieren. Das klingt nach wenig. Aber es kann deutlich mehr werden: Die Messgröße ist die Steuer nach Art und Menge des angemeldeten „Materials“ (siehe Rohstoffliste mit Steuersatz); denn die Ausbeute ist größer:  um ca. 40 % bringt der sogenannte „Überbrand“ – und der ist steuerfrei. Verschlussbrenner hingegen kennen keine Mengenbegrenzung. Sie heißen so, weil ihre Brennanlage unter zollbehördlichem Verschluss steht; sie versteuern jeden Liter Alkohol.

Einen guten Schnaps zu brennen ist nicht einfach und erfordert neben erstklassigem Obst viel Erfahrung. Das fängt an beim Maischen der Früchte und endet nicht bei der Brennblase und der Art ihrer Befeuerung. Alles hat Einfluss: das Tempo des Rührwerks, ob Verstärkereinheit oder Rektifikationskolonne, deren und des kondensierenden Dephlegmators Einstellung und zuletzt das gekonnte Trennen von Vor- und Nachlauf vom Feinbrand. Nicht zu vergessen die Kunst der brandgerechten Lagerung: der Luftsauerstoff verstärkt die Aromastoffe und kann sogar neue bilden.

Viele Spirituosen-Messen in Deutschland
Besonders beliebt sind hierzulande Messen für Wiskys, Rum und Gin – rund 13 zählte ich für den Rest des Jahres 2019 auf diesem Messe-Portal. Hinzu kommen dann noch jene Messen, die sich allen geistvollen Getränken widmen. Für Franken ist wohl die Desta in Volkach (09.-10.11.2019) die nächstliegende: hier sind alle Arten von Spirituosen vertreten.

Persönlich kenne ich eine Reihe von – meiner Meinung nach – empfehlenswerten fränkischen Edelbrennern, deren Schnäpse, so weit ich sie verkostete, vorzüglich waren. Und so wundert es nicht, dass diese Produzenten auch mit Prämierungen beeindrucken – und alle mit Slow Food verbunden sind:
– Gutshofbrennerei Andres von Bernd Andres, Kirchlauter-Pettstadt, Nr. 1, www.gutshof-andres.de,
– Naturland-Betrieb von Lothar Bold, Wartmannsroth-Neuwirtshaus, Fuldaer Str. 14, www.bolds-schnapsideen.de,
– Demeter-Weinbaubetrieb von Helmut Christ, Nordheim/Main, Volkacher Str. 6, www.weingut-helmut-christ.de,
– Bioland Obst- & Weinbau Rothe von Manfred und Christine Rothe, Nordheim/Main, Heerweg 6, www.wein-rothe.de,
– Holunderzauberer Bernulf Schlauch, Langenburg-Bächlingen, Alte Steige 14, Tel: 07905-477 (seltene Birnensorte),
– Rhöner Schaubrennerei von Claus Vorndran, Bischofsheim, Josefstr. 9, www.rhoener-schaubrennerei.de,
– Hohenloher Schaumweine von Hans-Jörg Wilhelm, Langenburg-Unterregenbach, Mühlgasse 4, www.hohenloher-schaumweine.de, vier Obstbrände (2 seltene Birnensorten),
– Restaurant, Weingut, Edelbrennerei Zur Schwane*, Volkach, Hauptstr. 12, www.schwane.de,
Schwarzbrennerei Schwarz* in Schlüsselfeld, Sudetenstr. 22, www.schwarzbrennerei.com,      

(©)   Hans-Werner Bunz                     Foto: Fränkische Zwetschgen © Marius Wittur

* Mitglieder auch bei Rosenhut

 

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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