Nichts gelernt in über 200 Jahren?

Die Erkenntnis, die Natur sei ein weltumspannendes Gewebe, ist über 200 Jahre alt: Es war Alexander von Humboldt*, der als Erster dies erkannte, bewies und formulierte: „In der großen Verkettung der Ursachen und Wirkungen darf kein Stoff, keine Thätigkeit isoliert betrachtet werden.“ Damit erfand er das „Netz des Lebens“, den Begriff der Natur, wie wir ihn heute verstehen*¹: In einem Netz ist alles miteinander verbunden, bricht eine Verbindung, verändert sich das Ganze. Doch die Welt verhält sich offenbar bis heute, als gäbe es viele Naturen: Jeder Staat sieht „seine“ Natur als Eigentum, unabhängig von anderen. Und mit der er – und seine Bürger – machen kann, was er will. Ganz besonders deutlich praktiziert dies gerade der brasilianische Präsident Bolsonaro: Obwohl er weiß, dass das Amazonas-Waldgebiet fürs Klima der Welt eine sehr große Bedeutung hat, propagiert er die Abholzung von gewaltigen Flächen zugunsten von Rinderhaltung: weil angeblich Europa und die Welt nach diesem Rindfleisch verlangen. Und verbittet sich jede Einmischung in brasilianische Angelegenheiten.

Noch mehr Waldvernichter
Doch Bolsonaro ist nicht der einzige Waldvernichter: „Riesenflächen Wald fallen jährlich Säge oder Feuer (Brandrodung) zum Opfer: Im Kongobecken verschwinden jährlich 1,5 Millionen Hektar Wald, in Indonesien 2,8 Millionen Hektar; Birma vernichtete zwanzig Prozent seines Waldbestandes“.¹ Doch auch in Europa werden in vielen Ländern Wälder geschädigt durch Abholzungen – und das nicht zu knapp – oftmals illegal. Und genau dieser illegale Holzeinschlag ist wohl inzwischen weltweit eine der größten Bedrohungen für die Wälder. In Russland mit den drittgrößten Urwaldflächen schätzt man 50 % des Holzes als illegal geschlagen, in den Tropen läge der illegale Anteil noch höher: in Indonesien bei 75 %, im Amazonasgebiet bei ca. 80%.² Ein Fünftel des weltweit illegalen Holzes, 30.000.000 (30 Millionen) Kubikmeter, findet wohl in Europa seine Abnehmer, darunter auch sehr große Mengen in Deutschland.¹

Insgesamt gibt es lt. Wikipedia weltweit – inkl. der Urwälder – fast 40 Millionen qkm Waldflächen (Stand 2015: 39.991.336,2 qkm): das sind 30,8 % der weltweiten Landfläche (ohne Antarktis). 194 Länder teilen sich diese 40 Millionen qkm Wald: Russland bringt mit über 8 Millionen qkm mit Abstand die größte Waldfläche ein: fast 50 % des Landes, Malta als wohl kleinstes Land mit Wald nur 4 qkm (1,1 % seiner Landfläche). Brasilien als Nr. 2 weist zwar fast 5 Millionen qkm Waldfläche aus, doch entspricht dies 59 % seiner Landfläche. War Deutschland einst vorwiegend von Wald bedeckt, sind es heute noch immerhin 114.190 qkm oder 32,7 % unserer Landfläche.³ Und liegt damit immerhin an 47. Stelle – durchaus respektabel bei 83 Millionen Einwohnern auf nur rund 357.678 qkm Gesamtfläche.

(©)   Hans-Werner Bunz

Foto: Helga Bunz – Teil des Buchschutzumschlags „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ von Andrea Wulf © Verlag C. Bertelsmann


*
Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldt (1769 – 1859), geb. in Berlin, war ein Naturforscher mit weltweitem Wirkungsfeld und weltweiter Bedeutung – bis heute.
Andrea Wulf: Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur, S. 24

¹) www.natur-und-umwelt.org/content/abholzung-russland
²) https://mobil.wwf.de/themen-projekte/waelder/waldvernichtung/illegaler-holzeinschlag/
³) https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Länder_nach_Waldfläche

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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