Unser wichtigstes Kapital: der Boden!

Der Boden – ist die Basis unserer Existenz. Ohne ihn gäbe es – nichts. Er ist die Quelle des Lebens für Pflanze, Tier und Mensch. Allerdings: Den Boden gibt es nicht, sondern davon viele Arten. Sogar beim Meeresboden. Die Grundlage dessen, was wir Boden nennen, sind Gesteine, bestehend vor allem aus Mineralien: den Silikaten (Feldspate, Quarze, Glimmer u.a.) und Karbonaten wie z.B. Calzit und Dolomit. Je nach ihrem Entstehen sind sie magmatische Gesteine (erkaltetes Magma), metamorphe Gesteine (durch Druck verfestigte, geschichtete organische und/oder mineralische Lockersedimente) oder Sedimentgesteine (verwitterte oder erodierte Gesteinsablagerungen plus weiteren Verwitterterungsprodukten durch Wind, Wasser, Eis).¹ Alles, was über diesen Gesteinen liegt, heißt Boden (Pedosphäre). Er ist in Schichten gegliedert (Fachleute sagen Horizonte und unterscheiden 17, deren Dicke in cm gemessen werden) und er ist mit Wasser, Luft und Lebewesen durchsetzt: entstanden durch Energie, auch jener der Atmosphäre, als umgewandelte anorganische und organische Stoffe in einem kontinuierlich fortdauernden Prozess.²

Der Boden – eine dünne Haut
Diese lebensnotwendige, relativ dünne Ressource beschützt in Deutschland das Bodenschutzgesetz³ (seit 1999) plus jenen unserer 16 Länder. Es fordert den nachhaltigen Schutz der Bodenfunktionen und verwehrt – auch vorsorglich – Beschädigungen, Erosion und Versiegelung; zugleich verpflichtet es, Gewässerverunreinigungen zu sanieren und Altlasten abzubauen. Wie empfindlich und dünn diese lebenswichtige Haut ist, zeigt, dass es Jahrhunderte braucht für einen wenige Millimeter-Zuwachs. Und dennoch beeindruckend, was so ein guter Boden aufweist: pro Hektar 5 Tonnen Lebewesen! Das meiste davon Mikroorganismen, aber auch Pilze und Pflanzen und allerlei Kleinsttierarten, darunter eine große Würmervielfalt, wobei die Regenwürmer besonders wichtig sind für den Aufbau von Humus.* Dieser Boden bindet eine große Menge CO2. Doch setzen Bakterien und Pilze beim Abbau der organischen Kohlenstoffverbindungen im Laufe der Zeit Kohlenstoff als gasförmiges CO2 wieder frei – eine der Grundlagen natürlichen Treibhausgases.°

Bodenvielfalt
In der Bodensystematik unterscheidet man zwischen terristrischen und hydromorphen Böden; letztere prägt der Einfluss von Wasser. Da es keine internationale einheitliche Liste der Bodenvielfalt gibt, wird hier nur die deutsche erwähnt: Es gibt 26 unterschiedliche terristische und 21 hydromorphe – also 47 verschiedene Bodenarten!Wer hätte das gedacht! Und alle diese Böden sind allerlei Zerstörungen ausgesetzt: Durch Wind und Niederschlag, durch schwere Maschinen, ja, auch durch Mountainbiker, durch Eintrag von Schadstoffen, durch Versigelung und Verdichtung, durch Humus- und tierischem Artenverlust, durch Versalzung, Rutschungen und Überflutungen. Wind und Wasser sind dabei eine der größten Bodenräuber. Und bedenkt man, dass 2 mm Oberbodenzuwachs bei guten Bedingungen mindestens 250 Jahre dauert, wird klar, dass alles getan werden muss, jeglichen Abtrag zu vermeiden. Doch auch die anderen Bedrohungen sind hoch problematisch.

Humus, das Gold des Bauers
Besonders wichtig ist der Schutz und Aufbau von Humus: er ist der Hauptträger des Bodenwasser- und Nährstoffhaushalts. Mist und Kompost sind dafür die besten Aufbauer. Und genau das ist, was die Bio-Landwirte gelernt haben und praktizieren, sicher auch so mancher sogenannte konventionelle Landwirt. Doch ihm unterstellt man genau das nicht. Und so hat dieser ein Problem in der Akzeptanz seiner Arbeit. Da hilft es nicht, nur grüne Kreuze aufzustellen. Besser wäre eine sachbezogene Information, wie beispielsweise jene des Initiators dieser Kampagne, der Bauer Willi alias Dr. Willi Kremer-Schillings (40 ha mit Zuckerrüben, Raps und Getreide), dies engagiert auf seiner Webseite betreibt. Noch besser scheint mir, so unkonventionell zu handeln wie der konventionelle Bauer Helmut Kleinschroth aus Reichenberg (60 ha Fläche) südlich Würzburg: Er setzt auf Vielfalt – in der Tierhaltung wie im Pflanzenbau. Dazu wächst bei bei ihm nur alle 5 Jahre – sehr ungewöhnlich – eine Frucht erneut auf dem gleichen Acker – eine besonders bodenschonende Fruchtwechselfolge! Das Foto zeigt beispielhaft eine seiner Aktivitäten: Mais mit Bohnen auf einem Acker, wobei der Mais als Stützplanze der Bohne fungiert.

(©)  Hans-Werner Bunz                                                                     Foto: © HW Bunz

¹) https://de.wikipedia.org/wiki/Gestein: „Zusammensetzung, Gefüge, Struktur“; „Gesteinsklassen und Entstehung“  ²) https://de.wikipedia.org/wiki/Bodenkunde    ³) Bodenschutzgesetze
*) Othmar Nestroy: Den Boden verstehen, Leopold Stockerverlag, S. 43, *¹) S. 102 – 105, *²) S. 78 – 105
°) https://www.scinexx.de/dossierartikel/organisches-rein-und-co2-raus

Siehe auch (Kategorie Politik): „Bitte mehr Mutterboden!“ (01.09.2019), und Muttererde – oder der Schoß des Lebens (02.06.2015)

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

3 Kommentare zu „Unser wichtigstes Kapital: der Boden!

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