CO 2 – Kapitel 1: Selbstlügen und Wahrheiten

Kennen Sie auch jemanden, der meint, wir Deutschen sollten das bisschen CO2, das Deutschland verursache, nicht so wichtig nehmen, es wären ja nur gute 2 Prozent am gesamten Austoß aller Länder? Laut dem Wikipedia-Bericht¹ (Jahr 2016) steht Deutschland an 6. Stelle weltweit mit 890 Millionen Tonnen CO2, das sind 2,3 % der weltweit verursachten Emissionen. Insgesamt freilich sind es 34,8 Milliarden Tonnen (34 800 000 000 t). China ist inzwischen mit weitem Abstand der größte Emittent mit 10,2 Milliarden Tonnen (10 200 000 000 t) oder 29,3 %, USA als Nr. 2 stieß 5,36 Milliarden Tonnen aus (5 360 000 000 t) oder 15,4%, danach folgt – bezogen auf Einwohner – das fast mit China vergleichbare Indien mit 2,2 Milliarden Tonnen (6,3 %), Russland mit 1,69 Milliarden Tonnen (4,9 %), Japan mit 1,2 Mlliarden Tonnen (3,5 %); Nr. 6 sind wir Deutschen. Und das mit weitem Abstand vor dem nächsten Europäer, Großbritannien (Platz 15) mit 405 Millionen Tonnen – also deutlich weniger als die Hälfte von uns. Auf den Plätzen 18 und 19 folgen Italien, das noch weniger emittiert: nur 1 % = 354 Millionen Tonnen; Frankreich folgt knapp dahinter mit 349 Millionen Tonnen. Anders ausgedrückt: Die ersten 6 Staaten sind verantwortlich für fast 2/3 der gesamten CO2-Emissionen weltweit.

Deutschland: Europas größte CO2-Schleuder
Positiv ist, dass wir bereits eine Menge zur Reduktion unserer CO2-Emissionen getan haben: Immerhin emittierten wir 2016 rund 40 Millionen Tonnen weniger als im Jahr 1960. Doch 2015 lagen wir bereits 400 000 Tonnen tiefer, nämlich bei 8,5 Millionen Tonnen. Tatsache ist auch, dass die fünf vor uns Deutschen liegenden Staaten rund 60% des weltweiten CO2-Ausstoßes verursachen: nämlich 20,65 Milliarden Tonnen (Jahr 2016)! Daraus zu schließen, es erfordere von uns keine großen Anstrengungen, CO2 zu reduzieren, ist kurzsichtig: Die Chinesen emittieren pro Person im Jahr 3,84 Tonnen CO2, jeder Inder/Inderin 1,64 Tonnen CO2, ein Japaner/eine Japanerin 9,5 Tonnen CO2: Jeder deutsche Bürger aber 10,72 Tonnen! Also rund das 2,6-fache CO2 pro Nase mehr als ein Chinese, gut das 6-fache mehr als ein Inder. Wahr ist allerdings auch, dass die USA pro Person mit Abstand – mit 15,9 Tonnen – am meisten unser Klima negativ beeinflussen, gefolgt von den Russen mit 11,11 Tonnen pro Person und uns Deutschen mit 10,7 Tonnen pro Person! Wir sind also – das heißt: jeder von uns –  bezogen auf die Emissionen die Nr. 3 der stärksten CO2 Erzeuger und damit ist jeder von uns  – egal ob reich oder arm – an vorderer Stelle für die menschengemachte Klimaerwärmung mitverantwortlich.

Bescheidenheit lernen
Innerhalb weniger Jahrzehnte hat sich unser lokales Klima in Deutschland massiv verändert. Und die Prognosen sind recht unerfreulich. Das fängt bei wochenlang andauernden Hitzeperioden an mit vielen Tagen über 40°C und endet nicht beim wachsenden Mangel an Regen mit dramatischen Folgen nicht nur für unsere Mitwelt, sondern auch für jeden Menschen im Lande. Und die Einbildung, wir Deutschen seien keine großen CO2 Erzeuger, ist eine Selbstlüge und zugleich eine unethische, miserable Scheinheiligkeit: Wir 83 Millionen Deutschen, zusammen mit 327 Millionen Amerikanern, 144 Millionen Russen und vielleicht auch den 126 Millionen Japanern – insgesamt also 680 Millionen Menschen – sind die treibenden Kräfte für die menschengemachte Klimaveränderung durch unseren Luxus, unsere Verschwendung, unsere Maßlosigkeit. Die weit verbreitete Selbstgerechtigkeit nach dem Motto „Hannemann, geh du voran“ – siehe ganz oben Zeile 1 – ist zwar verständlich, weil die andere Sichtweise Unbequemlichkeit und Verzicht erwarten lässt, aber dennoch nicht länger sagbar. Es ist die Zeit gekommen, deutlich bescheidener zu werden im Alltag wie in unseren Ansprüchen.

(©)  Hans-Werner Bunz                    Foto: Gemüse/Obst vom Erzeuger-Markt  © Helga Bunz

¹) Größte CO 2-Emittenten weltweit

Fortsetzung: Kapitel 2: CO 2 – Das Drama unseres Globus

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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