CO 2 – Kapitel 2: Begründete Zuversicht

„Täglich und oft unbemerkt findet weltweit die Boden-Verschlechterung statt als Versiegelung, Wind- und Wasser-Erosion, Verdichtung und Verschlämmung … zunehmend und sehr rasant durch den Verlust an organischer Substanz und die Verringerung der biologischen Vielfalt im und auf den Böden.“¹  Die FAO, die Ernährungs- und Landwirtschafts-Organisation der Vereinten Nationen, schätzt den Humusgehalt fast aller Acker- und Weidelandböden weltweit auf ein bis zwei Prozent. „Ein Humusaufbau von nur 1 Prozentpunkt dieser Flächen könnte 500 Gigatonnen CO2 (500 Milliarden Tonnen!) aus der Atmosphäre holen, was diese auf weitgehend ungefährliche 366 ppm brächte.“ Längst gibt es aber Vorstellungen, wie man 1. die Böden regenerieren, zugleich dabei 2. die Agrikultur plus 3. das Klima verbessern kann. Das Rodale Institute, Pennsylvania (USA), stellte in einem Langzeitversuch fest, dass Ökoernten in Trockenzeiten deutlich höher ausfallen als die der konventionell arbeitenden Betriebe, beim Bio-Mais sogar fast ein Drittel mehr.²

Aus der Heimat statt aus aller Welt
Also künftig keine globalen Futter- und Nahrungsströme mehr. Und die Tierhaltung nur auf Wiesen und Weiden einschließlich Savannen. Notwendig ist eine möglichst weitgehende relokalisierte Agrikultur. Denn bei regenerativer Landwirtschaft – sie verbessert kontinuierlich Böden, Wasserkreisläufe, Vegetation und Produktivität – passen sich die Pflanzen den Standortbedingungen an. Hinzu kommen muss allerdings auch eine kontinuierliche Bedeckung des Bodens durch Begrünung zum Schutz des gigantische Mengen Kohlenstoff (chem: C) speichernden Humus vor dem Fortspülen, dem Wegblasen und dem schnellen Oxidieren des C zu klimaschädlichem CO2.²

CO2 vermindern
Das Kohlendioxyd CO2 wuchs in der Atmosphäre seit 1750 von 260 auf 400 ppm durch menschliche Aktivitäten. Dadurch steigerte sich die Wärmabstrahlung der Erdoberfläche global um ca. 0,9 Grad: der menschengemachte Treibhauseffekt³. Unter 2 Grad bleiben ist das globale Ziel bis 2050, was nichts anderes heißt, als a) es wird leider noch viel heißer werden und b) mit dem Vermindern riesiger Mengen CO2 ist schnellstens zu beginnen. Pläne dafür gibt es. Nur getan muss es werden. So schätzt „der UN-Klimarat IPCC das jährliche globale Speicherpotential von Kohlenstoff (C) in Böden auf 0,8 – 1,2 Gigatonnen (IPCC Mitigation Report 2014). Frankreich mit seiner 4p1000-Initiative meint, letztere Zahl mit einem Humusaufbau von 4 Promille/Jahr zu erreichen. Die FAO schätzt das Potential auf jährlich 3 Gigatonnen = 50 ppm weniger bis 2100. Fast Gleiches könnte lt. FAO erreicht werden, würden alle Kleinbauern auf Öko-Anbau umstellen.³ Ebenso sehen eine ganze Reihe von Wissenschaftlern und Instituten allerlei Möglichkeiten, durch Rekarbonisierung der Böden deren Fruchtbarkeit deutlich zu erhöhen und zugleich die Atmosphäre kühler werden zu lassen – wenn global einheitlich gehandelt werden würde. In der Tat: all das wäre möglich – aber in welcher Zeit? Zumal die industriellen Goliaths und die Agroindustrie starken Widerstand leisten und die Regierungen ihnen immer noch folgen. Den aktuellsten Regierungsunsinn las ich kürzlich in einer regionalen Zeitung: Ein Biobauer verbessert seine Böden mit extrem viel Stickstoff bindenden Leguminosen – Klee und Luzerne, gewachsen zuvor auf den eigenen Feldern, „was er nach der neuesten Düngeverordnung nicht mehr dürfe; unterlasse er das, würde verstärkt Humus im Boden abgebaut, was dazu führe dass mehr (klimaschädliches) CO2 abgebaut werden würde.“

Schlussfolgerung
Solange Regierungen nicht wirklich eine Wende wollen, eine wirkliche Wende mit all den Problemen, die dabei zu erwarten sind bei einem existenten Paradigma, das da heißt Wachstum, Wachstum, Wachstum…, so lange ist zu fürchten, dass es weder aureichend nachhaltige und starke Verbesserungen des Klimas gibt, noch der Bodenfruchtbarkeit, des Wassermangels, des Artensterbens an Land und im Wasser, des Wäldersterbens usw…. Dennoch darf das nicht entmutigen. Jeder und jede Einzelne kann agieren und einen praktischen Beitrag zur Verbesserung leisten: beim Einkaufen der Lebensmittel. Was daraus werden kann, zeigte sich 2019: Die schwedische Schülerin Greta Thunberg bewegte sogar die Welt.

Hans-Werner Bunz                               Foto: Blühende Obstbäume = Hoffnung © Helga Bunz

¹) Bund Naturschutz Mecklenburg-Vorpommern (5.10.2018)   ²) Ute Scheub/Stefan Schwarzer: Die Humusrevolution, oekom verlag, München, Seiten 63 – 65, ³) Seite 69,
*¹) Seite 76; *²) Mainpost, 13.11.2019

Siehe auch Unser wichtigstes Kapital: der Boden! sowie Bitte mehr Mutterboden!

 

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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