CO 2 – Kapitel 3: Das Drama unseres Globus

Die planetarischen Grenzen unseres Globus sind in vielen Bereichen überschritten. Heuer – 2019 – war der so genannte Overshoot-Day der 29. Juli. Bis zu diesem Tag verbrauchte die Menschheit rechnerisch die gesamte Menge natürlicher Ressourcen, die ihr an Biokapazität in diesem Jahr zustehen. Deutschland freilich war dramatisch verschwenderischer: unseren Ressourcen-Anteil hatten wir schon am 3. Mai¹ verbraucht. Weltweit war 2016 der Overshoot-Day noch der 05. August² – doch in Deutschland noch früher als 2019: nämlich der 29. April!³ Deutschland – das belegen diese Daten – ist einer der großen Schädiger unseres Erdballs. Eine Tatsache, die wir – jeder einzelne Deutsche – verstehen sollten als Aufforderung zu verstärkter Mäßigung unserer Ansprüche.

Die Belastungsarten
unseres Globus und ihre Grenzen stellte Johann Rockström et al. 2009 in einem Exposé dar, den „Planetary Boundaries“, den Erdüberlastungen. Es sind 10:
– Klimakrise, – Ozeanversauerung, – Ozonloch, – Stickstoffkreislauf, – Phosphorkreislauf,
– Süßwasserverbrauch, – Abholzung & andere Landnutzungsänderungen, – Artensterben,
– Partikelverschmutzung der Atmosphäre, – Verschmutzung durch Chemikalien

Drei dieser Belastungsarten überschreiten bereits die planetarischen Grenzen: Exorbitant das Artensterben, ebenso der Stickstoff-Kreislauf, gigantisch das Klima. Noch grenzwertig ist der Phosphat-Kreislauf. Bedenklich nahe der Belastungsgrenze, aber noch innerhalb, ist die Ozeanversauerung. Nur wenig günstiger sind Abholzung & andere Landnutzungen. Wohl noch als akzeptabel gelten Süßwasserverbrauch und Ozonloch. Keine Berechnungen gibt`s zur Partikelverschmutzung der Atmosphäre und Verschmutzung durch Chemikalien.

Seit 2009, als dieses Modell entstand, sind 10 Jahre vergangen. Und Jahr für Jahr hat der Overshoot-Day sich immer weiter vorgeschoben – in Deutschland noch dramatischer als global. Weltweit ist die Situation nun ziemlich problematisch geworden. Vor allem für unsere Kinder und Kindeskinder. Politisch engagieren sie sich bereits mit ihren Friday-for-Future-Protesten, die freilich – angesichts obiger Bedrohungen – „nur“ das Klima und seine bedrohliche Veränderung thematisieren. Was geschieht, wenn Sie die ganze Wahrheit erfahren?

Die fruchtbare Kruste unseres Globus
Es ist die Landfläche. Und ihre fruchtbare Schicht ist die obere: Sie misst 15 bis max. 50 Zentimeter. Doch sie wurde global dramatisch beschädigt – degradiert sagt man – auf allen Kontinenten auf vielerlei Arten. Stabile Böden gibt es auch, aber sie sind vergleichsweise sehr selten, lässt man Alaska, den größten Teil Kanadas und Russlands außer Betracht. Der weit überwiegende Teil der 149,4 Millionen qkm Landfläche unseres Globus zeigt degradierte – also geschädigte und deshalb weniger fruchtbare – Böden plus eine erschreckende Menge stark degradierter Landflächen. Wissenschaftler der Universität Bonn und des Washingtoner International Food Policy Research Institute stellten fest: In den letzten 30 Jahren verschlechterte sich weltweit die Bodenqualität drastisch: um 33 % beim Weideland, um 25 % beim Ackerland und um 23 % in den Wäldern – also in rund 30 % der weltweiten Landflächen !* „Bodendegradation ist zu einem enormen Problem geworden: Jedes Jahr wird weltweit eine Fläche degradiert, 67 mal so groß wie Belgien (also um  2,1 Mill. qkm), wobei Afrika und Asien am stärksten betroffenen sind.“, so der Weltagrarbericht 2018.

Katastrophale Situation
Fast die Hälfte der globalen Landfläche von 149,4 Millionen qkm ist unfruchtbar: Gut 71 Millionen qkm beanspruchen die vereisten Pole und die Wüsten. Und die Böden der anderen Hälfte sind weitgehend degradiert oder gar stark degradiert. Verantwortlich für die Degradierung ist vieles: 1. Die rasant wachsende Weltbevölkerung – inzwischen wohl um die 7,5 Milliarden Menschen; damit verbunden ist auch die enorm gewachsene Versiegelung der Böden durch Bebauung aller Art. 2. Die industrielle, sogenannte „konventionelle“ Landwirtschaft in Verbindung mit der Agroindustrie (getrieben von den global agierenden Vermarktungsriesen) mit ihren Monokulturen, Kunstdüngern, Pestiziden und schweren, bodenverdichtenden Maschinen. Sie sind weltweit auf dem Vormarsch, vernichten kleinbäuerliche Existenzen und degradieren die Böden bis zur Unfruchtbarkeit, also mehr oder weniger tot, weil „ein Großteil des lebenspendenden Kohlenstoffs (CO2) in die Atmosphäre entwich, wo wir ihn nicht brauchen können“.*¹ Dennoch wächst immer noch etwas: weil der Kunstdünger nur die Pflanze nährt, doch den Boden und das so wichtige Bodenleben schädigt, also degradiert. Der Beweis dazu ist eine wissenschaftliche Studie: sie verglich 1800 konventionelle Höfe und Ökohöfe: Die konventionellen Höfe erlitten zwei- bis dreimal höhere Ernteverluste als die Ökohöfe.

Stehen wir auch vor einer Wasserkrise?
Ohne Wasser können weder wir noch Pflanzen noch Tiere leben, nicht Pilze noch Mikroorganismen. Bei der Neubildung von Grund- und Trinkwasser sind Böden unersetzlich. Doch degradierte Erde nimmt weit weniger Wasser auf und kann es speichern als humusreiche. Je degradierter die Böden, desto geringer die Wasseraufnahme. So entstehen erst Verwüstungen – mit der Zeit werden sie zu Wüsten. Doch auch das Gegenteil ist der Fall: „Feuchtere Böden können mehr Wasser aufnehmen als ausgetrocknete.“ Unter diesem Gesichtspunkt ist beispielsweise das Ableiten von Regenwasser in die Kanalisation statt in den Boden kontraproduktiv.

(©)    Hans-Werner Bunz                                                                              Foto: © pixaby.com

¹) www.umweltbundesamt.de    ²) en.wikipedia.org     ³) www.germanwatch.org
Die Humusrevolution, Ute Scheub/Stefan Schwarzer, oekom verlag: *) Seiten 44/45, ) Seite 12, ) Seite 46, *³) Seiten 48 – 50

Siehe auch Kapitel 1: Selbstlügen und Wahrheiten
Fortsetzung: Kapitel 3:

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

Ein Kommentar zu “CO 2 – Kapitel 3: Das Drama unseres Globus

  1. – dieser Tage las ich, dass endlich auch die Spritzmittel für Zitronen und Orangenschalen verboten sind. Ja es ist schon so die Politik ist sehr abhängig von diesen Playern!

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