Lust auf Welt verbessern? Einfach richtig gut essen!

Was ist ein gutes Essen? Womit beginnt es?
Ganz einfach: mit erstklassigen Lebensmitteln. Und was macht diese erstklassig?
1. Ihre naturgerechte Erzeugung. Das ist a) bei Pflanzen ein wachsen auf gesundem, humusreichen Boden ohne Kunstdünger und Pestiziden, b) bei Tieren eine artgerechte Haltung in Gemeinschaften – und soweit möglich – auf Weiden, wenn sie Rinder, Schafe, Ziegen sind; auch Schweine sollten große Auslaufflächen haben, wo sie tollen und wühlen können. Stärkt das Weiden und das Wühlen die Muskeln der Tiere, regt es bei den Wiederkäuern auch das Wiederkauen an und bei den Schweinen die Lebenslust, zumal sie sich noch eine kleine Zusatzkost aus der Erde angeln.

Warum Freilandhaltung der Tiere?
Bewegung und in Gemeinschaft leben ist typisch für diese Paarhufer. Und ihr Kot ist  kostbarer natürlicher Dünger für die Wiesen und Weiden und fördert den Humusgehalt des Bodens, der dann noch mehr Wasser speichert und mehr CO2 bindet. Weil alle diese Tiere – sie lagern gern auf Gras und Stroh – durchaus kühle Temperaturen lieben, sind Offenställe vorteilhaft, bei Frost freilich sollten sie einen geschützten Raum haben. Während Schweine sehr gern Raufutter mögen (von Stroh über Maissilage bis zu Luzernengrünmehl und Rüben), sollten Rinder, Schafe und Ziegen keine wie auch immer geartete Silage erhalten, da deren Vergärung die Fresslust hemmt und wenig geignet ist für Rohmilchkäse. Außerdem ist für Silage der beste Schnittzeitpunkt der Gräser kurz vor Blüte¹ – schädlich für Bienen und Insekten.

2. Ideal ist, wenn das alles noch getoppt wird durch eine ökologische Zeritifizierung, möglichst durch eine dieser kritischen und anspruchvollen Organisationen: Bioland, Biokreis, Biopark, Demeter, Ecoland, Ecovin, Gäa e.V., Naturland.² So zertifizierte Produkte sind nicht die billigsten. Aber sie sind die besten für das Ökosystem und schmecken gewöhnlich besser als konventionell Erzeugtes. Großvermarkterläden bieten inzwischen auch das eine oder andere Lebensmittel in Bio-Qualität an, mitunter sogar zertifiziert von manchen dieser Zertifizierern. Da diese Ketten große Mengen benötigen, sind ihre Zulieferer meist Großbetriebe. Und deren Produkte oftmals Neuzüchtungen im Gegensatz zu kleinbäuerlichen oder gärtnerischen Betrieben, die oft auch inhaltlich wertvollere alte Sorten pflegen. Sorten, die auch deshalb wertvoll sind, weil sie die biologische Vielfalt erhalten – ein für die menschliche Gesundheit wichtiger Aspekt.

3. Weitgehend heimisch sollten die Produkte sein. Und möglichst von handwerklichen Erzeugern geschaffen: Von Gärtnern und Bauern, von Genusshandwerkern wie Metzger und Bäcker, Winzer und Brenner, Brauer und Versafter, Müller und … und… – es sind die kleineren Betriebe, die sich mehr Mühe geben – auch mit eigenständigen Spezialitäten abseits des kommerziellen Mainstreams. Denn ohne diese Handwerker verlieren wir Kultur, Wissen und Produktqualität, da im instrustiellen Stil Erzeugtes weder die wertvollen Inhaltsstoffe aufweist, noch so gut schmeckt. Ein wirklich gutes Produkt muss a) wirklich gut schmecken, b) Natur schonend erzeugt und c) fair im Preis sein, damit alle am Werden Beteiligten fair entlohnt werden – leicht überprüfbar beim Kauf vom Erzeuger. Sehr preisgünstige Lebensmittel entstehen immer unfair – sei es durch nicht artgerechte Tierhaltung, sei es durch unnatürliche Pflanzenproduktion (Nährlösungen statt Boden), sei es durch zu geringe Bezahlung von Mitarbeitern. Und meist kommt beim Billigen alles zusammen.

4. Keine Importe braucht’s für Brokkoli, Grünkohl, Hokaido-Kürbis, Zucchini, Auberginen, Paprika, Artischocken beispielsweise – dank höherer Temperaturen wachsen sie inzwischen auch in unserer näheren oder weiteren Umgebung und sorgen für Abwechslung in den Jahreszeiten. Gleiches gilt für Stein-, Kern- und Beerenobst, vor allem wenn man selbst einkocht. Ebenso heimisch im weiten Sinne sind Milch und Milchprodukte, wobei es nur eine wirklich gute Milch gibt: Heumilch heißt sie heute, was früher die frische Milch vom Bauern war. Heute entsteht sie meist in Gebirgsregionen von ökologisch produzierenden Bergbauern. Ihre Tiere weiden auf artenreichen Bergwiesen, im Winter genießen sie deren Maht als Heu. Und wir Konsumenten genießen sie auch als exzellenten Bergkäse, Butter, Sahne, Joghurt. Unumgänglich dabei sind leider die LKW-Transporte. Ebenso wie bei allerlei Südfrüchten: wählen Sie europäische und möglichst ökologisch produzierte – das spart erheblich CO2 ein. Auch nicht verzichten müssen Sie auf Kakao, Schokolade, Kaffee und andere Exoten: ökologisch produziert und fair gehandelt sollten sie aber schon sein.

Geiz ist (nicht) geil
Auch wenn dieser von einer Hamburger Werbeagentur geprägte Slogan nicht mehr „en vogue“ ist, so ist er doch  in unserer Gesellschaft bei Lebensmitteln durchaus alltäglich. Nicht umsonst zählen die Diskounter zu den beliebtesten Einkaufsquellen: Ihrer extrem günstigen Verkaufspreise wegen sind sie marktbeherrschend. Spricht man mit Erzeugern machen da auch Edeka und REWE kaum einen Unterschied – auch bei Bio-Produkten. Es hat Gründe, dass heute viele Bauern Angst ums Überleben haben: Sie erzielen nicht die Preise, die sie eigentlich bräuchten. Ebenso Fakt ist: Die Deutschen als reiches Land sind in Europa jene mit mit den zweitniedrigsten Ausgaben für Nahrungsmittel/Getränke/Tabak, nur Großbrittanien ist geiziger.³

©   Hans-Werner Bunz                                              Foto: Lammragout © Gerhard Nerowski

¹) Silage – nicht immer ideal          ²) BUND e.V.          ³) Deutschland: gut 10 % fürs Essen

Siehe auch: Gutes Essen, was ist das?          Was ist ein gutes Lebensmittel?

 

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: