Landwirtschaft heute: David und Goliaths

Pflanzenbau hat schon viele Unternehmen groß und reich gemacht: Vor allem jene, die mit Gentechnik bzw. mit chemischem Pflanzenschutz sich befassen als Hersteller und Vertreiber. Sie versprechen immer viel: Gentechnisch optimierte Produkte seien gesunde und trockenresistente Pflanzen! Und Pflanzenschutzmittel unerlässlich für sichere Ernten! Doch die gentechnischen Produkte machen die Pflanzen nur herbizid- bzw. fungizidresistent. Mit anderen Worten: Die gentechnisch „optimierten“ Pflanzen sind giftverträglich. 753 Pflanzen-Schutzmittel sind in Deutschland zugelassen – bis zu 35.000 Tonnen jährlich werden auf deutschen Feldern ausgebracht. 40 % davon sind Herbizide wie das umstrittene Roundup (Wirkstoff Glyphosat). Und wozu braucht man die Gifte? Zum Töten unerwünschter Beikräuter und – aus Landwirtssicht – Schädlinge.¹

Bedrohliche Nebenwirkungen
„Die meisten dieser Herbizide bieten ein breites Wirkungsspektrum“, so das Umwelt Bundesamt. Und diese Nebenwirkungen bedrohen auch Tiere und Pflanzen, die keine Schädlinge sind – sehr gefährlich für die Natur, die Artenvielfalt, das Grundwasser. Aber das hören die Bauern nicht gerne. Auch nicht, dass schon beim (Zitat) „Ausbringen der Gifte durch Verdriftung, späteres Abschwemmen von den Ackerflächen in benachbarte Saumbiotope oder Gewässer die Mitwelt geschädigt werden könnte“. Herbi- und Fungizide können sogar damit behandelte Flächen schädigen: durch geringere Fruchtbarkeit mangels ausreichender Bodenorganismen.¹

Ökologische Landwirtschaft ernährt ihren Landwirt
Die heutige Durchschnittsgröße eines bayerischen Hofes sind 60 ha – und 100 ha keine Seltenheit. Da ist Pflanzenschutz nicht mehr händisch bewältigbar wie vielleicht noch Ende der 1940er Jahre bei Höfen mit durchschnittlich 9 Hektar. Und doch gelingt es heutigen Bio-Landwirten mit ihren durchaus vergleichbar großen Höfen ohne Gift und Genmanipulation auskömmliche Ernten einzufahren. Gewöhnlich ernten sie zwar weniger als die konventionellen Landwirte – trotz der Behauptung der Gentechnik- & Pflanzenschutzindustrie „chemikalienfreie und trotzdem ertragreiche Landwirtschaft sei eine Utopie.“² Richtig ist, die Durchschnitts-Erträge ökologischer Landwirtschaft sind niedriger: Es gibt Bio-Bauern mit recht hohen Erträgen bis 90 % der konventionell erzeugten, aber auch andere, die vergleichsweise – je nach Pflanzenart – nur 50 % ernten.³ 2018/19 klagten Ökobauern wegen der großen Trockenheit allerdings deutlich weniger als konventionell produzierende: weil Öko-Böden humusreicher sind, speichern sie viel mehr Wasser als konventionell genutzte.

Fortschritt – verstanden als ökologische Rücksichtnahme – verstehen heute offensichtlich sehr viele konventionelle Landwirte als Existenzbedrohung. Sie wehren sich aktuell mit allen Mitteln gegen jegliche Veränderung des Status quo. Sie bestreiten pauschal, dass sie für die Nitratbelastung des Grundwasser verantwortlich seien, lehnen die neue Düngeverordnung rundum ab. Die „Mainpost“ veröffentlichte Ende des Vorjahres eine ganze Seite, in der man 13 Behauptungen/Unterstellungen der konventionellen Landwirtschaft hinsichtlich Nitratbelastung des Trinkwassers auf ihre Realität untersuchte – der Bezug war die Region: 10 waren falsch und sind nichts anderes gezielte Stimmungsmache (so die Zeitung). Die drei richtigen Behauptungen waren:
1. Der Dünger der Landwirte ist die Hauptursache zu hoher Nitratbelastung.
2. Andere EU-Länder haben Durchschnitts-Nitratwerte gemeldet.
3. Es gibt kaum Trinkwasser-Störfälle wegen zu hoher Nitratwerte.
Dass nun die Bayerische Landesregierung in dieser Sache ohne vorherige Prüfung die Argumentation der Bauern aufnimmt, zeigt die große Nähe der CSU/Freie-Wähler-Regierung zur konventionellen Landwirtschaft.

Gentechnische Pflanzen sind keine Option
Sie gefährden die Artenvielfalt. Ein Großversuch mit herbizidresistenten Pflanzen (Raps, Zucker, Mais) in Großbrittanien ergab: Die Artenvielfalt von Wildkräutern und der davon abhängigen Insektenwelt wurde massiv reduziert: bei Raps die Blütenpflanzen um 44 %, die Samen um 39 %, und bei Zuckerrüben um 34 % die Blütenpflanzen, die Samen um 39 %. Bei Mais hingegen stellte man ein Ansteigen der Artenvielfalt fest beim Nutzen von Atrazin, was in Deutschland seit 1991 und EU-weit seit 2003 verboten ist seiner Toxität wegen. Fakt ist inzwischen: Zahlreiche Beikräuter sind schon nach 3 Jahren resistent. Um sie in den Griff zu bekommen, wird inzwischen Hochgiftiges gespritzt.

© Hans-Werner Bunz                                     Foto: © Alexandra Herterich, Erntedank-Wagen

¹) Umwelt Bundesamt         ²) Bildungsserver Hamburg          ³) Ökolandbau Marktinformationen
) Mainpost, 21.12.19, Seite 8      ) BUND: Herbizidresistente Gentechpflanzen

                                               Siehe auch diesen Beitrag                                                                                                    BESH & ihre Bauern- & Bürgerprojekte

 

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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