Bienen – vielleicht die zweitwichtigsten Nutztiere

Sie sind klein, aber viele. Sie sind ungeheuer vielfältig, aber keinesfalls einfältig. Sie sind wesentlich für die Existenz von – uns Menschen. Aber wir kennen sie nicht, diese kleinen, so vielfältigen Nützlinge, 580 Arten sollen in Deutschland summen: Doch wir nennen sie entweder Biene, oder wir nennen sie Hummel. Der Fachmann freilich teilt sie ein in Echte Bienen (Familie Apidae – wozu auch Hummeln gehören) und in Wildbienen (vier Familien: Andrenidae, Colletidae/Urbienen, Halictidae/Schmalbienen, Megachilidae, Melittidae). Sie alle gehören zur Ordnung der Hautflügler. Winzig klein bis relativ groß können sie sein: von 1,3 mm bis 3 Zentimetern¹.

Im Kollektiv lebende Bienen sind Hummeln und domestizierte Honigbienen. Nur letztere sind Brutpfleger, leben in hierarchischen Gemeinschaften, agieren als Volk mehrere Jahre. Hummeln hingegen existieren als Volk nur während der Vegetationszeit, danach sterben alle – ausgenommen begattete Königinnen; die suchen sich ein neues, wintersicheres Heim und sorgen im Frühjahr für ihre Nachkommen. Allein lebende Einsiedlerbienen, 95 % aller Bienen, sind Einzelgänger, überwintern – männliche wie weibliche – verpuppt oder als junge „Imagines“ (geschlechtsreife Bienen) in einer Puppenhülle. Weil sie nur kurze Zeit leben, beginnen die Weibchen im Frühjahr sofort nach der Begattung mit dem Nestbau und sammeln Nektar und Pollen für die Brutzelle. Ist genug vorgesorgt, legt sie das Ei ab, verschließt die Röhre (Gänge im Boden, in Pflanzenstängeln & Holz) mit einer Trennwand für weitere Brutröhren – je nach Art 10 bis 30. Die Larve nährt sich vom Gesammelten und entwickelt sich zur Biene. Es gibt aber auch „Kuckucksbienen“, die in fremde Nester ihr Ei ablegen bei abwesender Inhaberin.

Bienen erwirtschaften Milliarden € pro Jahr
Wildbienen leben vom Nektar und den Pollen blühender Pflanzen; ihr Aktionsradius sind max. 300 Meter. Honigbienen hingegen bestäuben Blüten im Umkreis von 500 – 2000 Metern, ja, selbst 10 km sind keine Seltenheit. Wildbienen leben meist nur vier bis sechs Wochen. Mit langlebigen Winterbienen überleben Honigbienen als Volk den Winter. Und wohl als einzige Art kommunizieren sie mit einer Tanzsprache. Schlechtes Wetter lieben weder Honig- noch Wildbienen, jedoch Hummeln und stark behaarte Wildbienen: tiefere und feuchte Temperaturen hindern sie nicht am Blüten befruchten und dabei Pollen und Nektar sammeln. Die Wildbienenvielfalt ergibt sich auch durch vielgestaltige Blütenformen: sehr viele Wildbienenarten sind speziell dafür passgenau gestaltet.

Ganz anders freilich entsteht der Waldhonig. Honigtau ist seine Grundlage, eine Ausscheidung von Blattläusen, Blattflöhen, Zikaden und gesammelt von den Honigbienen. Sie vermischen den Honigtau mit Nektar. Dieser Honig schmeckt sehr verschieden, je nach dem jeweiligen Insekt und ob von Laub- oder Nadelbäumen. Und er ist wertvoll, auch weil reich an Mineralstoffen und Enzymen.²

Allein die Honigbienen erwirtschaften deutschlandweit ca. 3 Milliarden € jährlich. Rechnet man nun noch die Befruchtungsleistung der vielfältigen Wildbienen dazu auf Wiesen, Äckern, Rainen und in Wäldern sind Bienen nicht das drittwichtigste, sondern vielleicht sogar das zweitwichtigste Nutztier. Allerdings: Wildbienen sind stark bedroht! Von den in Bayern verbreiteten 520 Arten sind der größte Teil mehr oder weniger existenziell gefährdet: 327 Arten; 40 davon sind wohl schon ausgestorben. Damit nicht noch mehr Arten aussterben: als Gartenbesitzer/in, als Landwirt/in können Sie, wir, ich etwas beitragen! Eine Fülle von Vorschlägen dazu bietet die LfL-Broschüre „Bienen in der Kulturlandschaft“.

©   Hans-Werner Bunz                                            Foto: Helga Bunz, Kirschblüte – da summt’s!

Hinweis: Der Artikel basiert weitgehend auf der Broschüre „Bienen in der Kulturlandschaft“, LfL-Information, Herausgeber: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft 2018.      ¹) Wikipedia       ²) Entstehung Waldhonig

 

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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