Bauernproteste: Was die Verbände sagen

Bauernverband:
Michael Horper, Präsident Bauern- & Winzerverband Rheinland-Nassau: Politik muss endlich Sachverstand walten lassen. „Die Bauern und Winzer sind es leid, dass nur noch der Populismus und der sogenannte Mainstream die Politik bestimmen und nicht mehr der Sachverstand. Seit Jahren kämpft der bäuerliche Berufsstand gegen dieses Verhalten der politischen Entscheidungsträger an. Ebenso ist seit Jahren der Insekten- und Bienenschutz ein wichtiger Schwerpunkt in der landwirtschaftlichen Arbeit. Die bedarfsgerechte Ausbringung von Düngemitteln gehört zur guten fachlichen Praxis.“

Detlef Kurrek, Präsident Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern: Agrarpaket gefährdet Wirtschaft. Dieser Bauernverband fordert daher seine Landwirte dazu auf, sich an den Protesten gegen das Agrarpaket zu beteiligen, „es gefährdet nicht nur unsere landwirtschaftlichen Betriebe, sondern ist auch eine Gefahr für die Lebensmittelproduktion und den Erhalt unserer ländlichen Räume.“

AbL – Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V:
Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer: Agrarpolitische Strategie muss auf den Tisch. „Über Jahrzehnte gab es von Politik, Wissenschaft und Verbänden die Ansage, dass wir es richtig machen, wenn wir die internationale Kostenführerschaft mit billigen Preisen anstreben und dafür schnelle und große Wachstums- und Intensitätsschritte vollziehen. Dieses Agrarmodell der Rationalisierung stößt jetzt immer deutlicher an wirtschaftliche, ökologische, gesellschaftliche und politische Grenzen.“

BUND e.V.:
Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND e.V.: Landwirte sollen gegen Bauernverbände demonstrieren. „In diesen Verbänden wurde maßgeblich dafür gesorgt, dass es einen enormen Reformstau zu Lasten der bäuerlichen Strukturen gibt. Beispielsweise wurden der Umbau der Nutztierhaltung und eine Änderung des Düngerechts jahrelang blockiert. Verbesserung an der EU-Agrarpolitik werden ebenfalls abgelehnt. Dabei wären genau diese Fördermittel geeignet, die gestiegenen gesellschaftlichen Erwartungen an die Agrarbetriebe zu finanzieren.“*¹

BÖLW – Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V.:
Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V.: Alle müssen ihre Hausaufgaben machen. „Die Verbraucher erwarten von den Bauern einen besseren Umgang mit den Tieren und mehr Rücksicht auf die Umwelt – wollen aber am liebsten billig einkaufen. Die Bauern verlangen von der Politik Klarheit darüber, wo die Reise hingehen soll – tun sich aber schwer, Veränderungsbedarf zu benennen. Und die Politik fordert die Kunden auf, mehr Geld für ihre Ernährung auszugeben – scheut sich aber vor der erforderlichen Rahmensetzung.“

NABU – Natuschutzbund Deutschland e.V.:
Jörg-Andreas Krüger, NABU-Präsident: Umweltprobleme nicht leugnen. „Bestäuber verschwinden in Rekordtempo, die typischen Feldvogelarten sind dramatisch eingebrochen. Unser Grundwasser ist mit Nitrat belastet und die Klimabilanz der Landwirtschaft unverändert schlecht. Darüber müssen wir einen Dialog führen… Rund 60 Milliarden Euro stehen hierfür pro Jahr in Brüssel bereit. Dieses Geld darf keine Turbo-Landwirtschaft mehr fördern“.

DNR – Deutscher Naturschutzring e.V.:
Kai Niebert, DNR-Präsident: Neustart in der Agrarpolitik unaufschiebbar. Die Landwirtschaft steckt in einer tiefen Krise. Doch weder das Aktionsprogramm Insektenschutz, noch die Auflagen zum Schutz unseres Grundwassers haben die Landwirte in diese Krise gebracht, sondern eine Agrarpolitik, die seit Jahrzehnten auf maximale Intensivierung und Exportorientierung setzt. Die Fortsetzung einer solchen Politik kann daher keine Option sein.“

Bundestag: Die Linke:
Kirsten Tackmann, Agrarsprecherin: Landwirtschaft nicht länger zu billiger Rohstofflieferantin degradieren. „Dass das Produktionsrisiko allein bei den Erzeugerbetrieben liegt, war schon Ergebnis einer Sektoruntersuchung des Bundeskartellamts, der leider keinerlei Konsequenzen gefolgt sind. Dabei kennt die Bundesregierung das Dilemma. Die Landwirtschaft als Primärerzeugerin macht den kleinsten Teil der Bruttowertschöpfung in der Lebensmittelkette: durchschnittlich 13,6 Prozent, der nachgelagerte Wirtschaftsbereich durchschnittlich über 86 Prozent. Landwirte dürfen nicht länger Verlierer dieses absurden Systems sein.“

Zitatauswahl: Hans-Werner Bunz

Zitate: Alle aus dieser Webseite: www.topagrar.com/management-und-politik

                                                     Siehe auch diesen Beitrag
                                     BESH – und ihre Bauern- & Bürgerprojekte

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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