Die ökologischen Belastungsgrenzen unseres Globus, Teil 2

Die Erkenntnisse der Forscher – beschrieben in Teil 1 – zu igrnorieren, den „Kopf in den Sand zu stecken“, wie es so schön im Deutschen heißt, wäre im höchsten Maße töricht, ja, im Grunde ein Verbrechen gegenüber den Kindern und Jugendlichen unserer Zeit: sie vor allem werden mit den im Teil 1 beschriebenen Auswirkungen in der 2. Hälfte unseres Jahrhunderts konfrontiert sein. Wer aber mitwirken will am Reduzieren der Emissionen, muss wissen, was zu tun ist. Ein Versuch dazu war die im Auftrag von Slow Food International durchgeführte Studie der italienischen Meteorologischen Gesellschaft, die versuchte, herauszufinden, was hinter dem steckt, was wir essen. Dafür entwickelte man verschiedene Einstufungsmethoden für die Lebenszyklen vieler Lebensmittel, meist basierend auf freigesetzten CO2-Kilos pro Kilo Lebensmittel. Doch nach Ansicht der Meteorologischen Gesellschaft waren die ermittelten Ergebnisse aus mehreren Gründen unbefriedigend, weil vieles für den Konsumenten unverständlich, zu schwer vergleichbar und schwer zu verstehen war. Außerdem konnten nicht alle Faktoren berücksichtig werden, wie z.B. der Einfluss der Entstehungsmethoden des jeweiligen Erzeugers auf die biologische Vielfalt, der Grad der Bodenpflege, die Menge der Abfälle entlang der Produktionskette, um nur einiges zu nennen, aber auch ob und wie die Produktion die lokale Kultur und die soziale Nachhaltigkeit berücksichtigt und anderes mehr.
Komplexität erfordert umfassende Kennzahlen. Doch bis diese bestimmt und die Untersuchungen durchgeführt und bewertet sind, werden noch viele Jahre vergehen. Die Empfehlung der Autoren der oben erwähnten Studie ist daher: Wenn nur Lebensmittel aus Bio-Landwirtschaft gekauft und verspeist werden, hat dies einen positiven Einfluss auf Klima und Mitwelt. Mit anderen Worten: Das Vermeiden von Agrarchemie plus kurze Vertriebswege heißt nichts anderes, als möglichst saisonale Produkte zu wählen aus der Region, in der man lebt. Und: Nicht minder wichtig ist, den Fleischkonsum zu reduzieren, insbesondere jenen aus Massentierhaltung.

Das Agrar-Lebenmittelsystem beinflusst das Klima
– Die Landwirtschaft ist verantwortlich für 21 % der globalen Emissionen klimaschädlicher Gase. Ursache sind partikuläre Veränderungen der Landnutzung sowie die Art und Weise der Viehhaltung in hyperintensiven landwirtschaftlichen Systemen.  Das Pradox: die Landwirtschaft ist nicht nur elementarer Mitverursacher des Klimawandels, sondern auch ihr Opfer.
– Kohlenstoff, eines der wesentlichsten Lebenselemente, steckt in allen Lebensmitteln und hat wesentlichen Einfluss auf das Klima und die Ökologie; diesen Einfluss zu kennen ist zwingend.
– Kleine landwirtschaftliche Betriebe – bezogen auf Deutschland sind das  familiengeführte Betriebe – mit engen Verbindungen zur lokalen Region können die strategische Antwort sein mit positiven Wirkungen auf die Mitwelt (im Sinne von Umwelt) und auf die globale Lebensmittelsicherheit.
– Industrielle Landwirtschaftsmodelle sind nicht nachhaltig im Gegensatz zu ökologischen; letztere sind fähig, landwirtschaftliche Produktivität aufrecht zu erhalten bei gleichzeitig verwirklichter ökonomischer und sozialer Leistung – und dies bei weniger Mitweltbeschädigung.

Schlussfolgerung
• Das agro-ökologische Modell mit seinen verschiedenen agrokulturellen Techniken und deren nachhaltigen Anwendungen haben das Potential, einen größeren systematischen Ansatz zur Lebensmittelsicherheit zu erzwingen.
• Ein nachhaltiges Netzwerk ist erforderlich mit komplexen Beziehungen zwischen Phasen und Subjekten der Lebensmittelproduktion.
• Agrokulturelle Modelle sind Elemente in einem Verbundsystem ländlicher, suburbaner und urbaner Dimensionen auf lokalen, regionalen, nationalen und globalen Niveaus, die spezifische Benefits für die globale Lebensmittelsicherheit produzieren (JRC, 2015).
• Tausende Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika zeigen: Agroökologie ist eine gute wissenschaftliche, technische und methodische Basis, die  Kleinbauern unterstützt für eine nachhaltige, widerstandsfähige, landwirtschaftliche Produktion für die gegenwärtigen und zukünftigen Lebensmittelbedürfnisse (Altieri et al., 2015).
• Es sind die Kleinbauern, die eine zentrale Rolle spielen in der globalen Lebensmittelsicherheit: über 70 % der globalen Lebensmittel produzieren sie.
Aber: Politische Entscheider, Fonds und internationalen Organisationen versuchen, agroökologische Themen aus internationalen Debatten fernzuhalten; aus politischen und ideologischen Gründen favorisieren sie effizientere, sofortige und hochprofitable Lösungen – egal, was es die Landschaften, die Natur und die Menschen kostet.

Siehe auch Beitrag
Ökologische Belastungsgrenzen unseres Globus Teil 1

©   Hans-Werner Bunz                                                                Illustration: Steffen et al. 2015

 

Textgrundlage: Climate Change and Food Systems, Luca Mercalli, Alessandra Buffa, Guglielmo Ricarda; das geschützte pdf-Dokument (in Englisch) kann aufgerufen werden zum Herunterladen:

Klicke, um auf Eng_sintesi-Mercalli.pdf zuzugreifen

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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