Besser essen tut gut – auch unserem Planeten

Was Sie essen und trinken beeinflusst nur Sie und ihren Körper? Das ist zu kurz gedacht: Alles, was Sie essen beeinflusst auch unseren Planeten – mit allem, was drauf, drin und darüber (Atmosphäre) ist. Zum Guten oder zum Schlechten: je nachdem, was Sie essen. Sie lachen? Nein, es ist kein Witz. Das, was Sie essen, hat jemand irgendwo hergestellt – und diese Herstellung plus der vor- und nachgelagerten Aktivitäten bis Sie das Produkt kaufen können, sind mehr oder weniger gut für den Planeten.
Und mittelbar auch noch für Sie – entweder zum Guten oder zum Schlechten. Ist nur Wohlschmeckendes Gesundes? Geschmack alleine ist kein guter Ratgeber hinsichtlich Gesundheit: was dem einen schmeckt, schmeckt dem anderen noch lange nicht. Erst recht unwichtig ist der Geschmack im Hinblick auf unseren Planeten, für ihn ist vor allem wichtig was, wie, wo, womit das Produkt erzeugt wurde.

Ein Lebensmittel soll, so Wikipedia, den menschlichen Körper ernähren mittels Nahrungsmitteln – wozu auch Trinkwasser gehört. Von einem guten Lebensmittel wird auch Genuss erwartet. Ob allerdings das Lebensmittel an sich ein gutes ist, ist eine ganz andere Frage, verlangt die Antwort doch erhebliche Voraussetzungen: Satt werden und guter Geschmack alleine reichen nicht aus, sind beide doch kaum mehr als eine individuelle Beurteilung. Ein gutes Lebensmittel muss weit mehr bieten als guten Geschmack, der natürlich dennoch dazu gehört. Das fängt schon beim Werden des Produktes an – wie geschah das?
 Ist es ein Hybrid-Produkt? Also eine moderne Gemüsesorte, gentechnisch manipuliert, nicht vermehrbar, vom Bauern/Gärtner jährlich neu zu kaufen?
♥♥ Oder ist es eine samenfeste Sorte, deren Samen der Bauer/Gärtner selbst ernten kann, läßt er eine gewisse Menge Pflanzen blühen für die Samenbildung? Auch so manchem Bio-Bauer ist dies zu aufwändig; außerdem sind oft erwünschte Arten nicht lieferbar oder nicht in ausreichender Menge, weshalb auch die weiter unten gelisteten Zertifizierungs-Vereine Hybrid-Saatgut bislang zulassen.
⇒ Wächst das Produkt auf einem Acker, angereichert mit Kunstdünger und mit Pestiziden besprüht?
♥♥ Oder wächst es auf einem fruchtbaren Boden ohne Kunstdünger und Pestizid-Einsatz?
Stehen die Hühner engst gepfercht?
♥♥ Oder haben sie Auslauf, wodurch es zwar weniger von ihnen gäbe, aber mit schmackhafterem und gesünderem Fleisch – vom Tierwohl ganz zu schweigen.
 Lebten die Schweine auf Spaltenböden über ihrer Jauche, sind die Muttersauen in enger Käfighaltung, wo sie nur stehen oder liegen können?
♥♥ Auf Stroh mit Auslauf haben die Tiere mehr Bewegungsfreiheit, können tollen, ihre Muskeln bewegen und sauber bleiben; denn sie sind im Grunde reinliche Tiere.
Stehen Rinder beengt in engen Ställen?
♥♥ Dürften sie weiden, wie es natürllich wäre, gäbe es weniger von ihnen inklusive ihrer klimaschädlichen Methan-„Rülpser“; auch ihre Milch wäre besser, das Fleisch genussreicher, ihre Weiden fruchtbarer mit erheblich mehr gespeichtem CO2 – gut fürs Klima.

Mit anderen Worten: ökologisch erzeugte Produkte haben viele Vorteile für Mensch, Tier, Pflanze, die Mitwelt und den Globus. Ihr Geldbeutel allerdings würde stärker geplündert werden – doch ist verantwortungsbewusster Konsum auch ein Wert, der dem Einzelnen, der Allgemeinheit und der Zukunft unseres Globus gut tut. Und eigentlich ist es gar nicht schwer, das Gute vom weniger Guten zu trennen: Es sind die Mitglieder der nachstehenden Vereine mit stringenten Regeln für eine ökologische und damit mitweltverträgliche Lebensmittelproduktion. Regelmäßig mindestens einmal – manche sogar zweimal – im Jahr werden die einzelnen Erzeuger nach den strengen Vorschriften der Vereine, denen sie angehören, von spezialisierten Unternehmen kontrolliert.

Nachstehende Bio-Verbände gelten als die strengsten:
Demeter e.V. ist das älteste (seit 1928) und strengste Bio-Siegel. Es garantiert die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise entlang der ganzen Wertschöpfungskette – sogar weltweit; Prüfung erfolgt jährlich; in Deutschland sind 845 Betriebe Demeter-Mitglieder. Viele produzieren neben Rohstoffen auch Fertigprodukte (www.demeter.de).
 Naturland e.V., 1982 gegründet, versammelt über 65.000 Bauern in 58 Ländern unter seinem Bio-Siegel; Sozialrichtlinien (seit 2005) gewährleisten eine faire Erzeugung und Verarbeitung. Man zertifiziert auch ökologische Waldnutzung bzw. Aquakultur. Prüfung erfolgt mindestens 1 x jährlich (https://naturland.de/de/).
Bioland e.V., 1971 im Schwäbischen als „Bio-Gemüse e.V.“ gegründet, 1979 in Bioland e.V. umbenannt, verweigert eine Bio-Zertifizierung, wenn Gentechnik, Massen-Tierhaltung, chemisch-synthetische Stickstoff-Dünger und Pflanzenschutzmittel genutzt werden. Anfang 2020 waren Mitglieder 8.154 bäuerliche Betriebe, die über 451.000 Hektar bewirtschaften (www.bioland.de/richtlinien).
Der Biokreis e.V., 1979 entstanden in Bayern, vereint rund 1.200 Landwirte deutschlandweit mit mehr als 60.000 Hektar Fläche. Tierwohl, ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft, regionale Zusammenarbeit sowie handwerkliche Lebensmittelverarbeitung sind die Ziele (www.biokreis.de)
Biopark e.V. – Ökologischer Landbau, gegründet 1991 in Güstrow, Mecklenburg-Vorpommern, vertreten in 13 Bundesländern: 300 Betriebe wirtschaften in Naturschutzgebieten; rund 500 Landwirtschaftsbetriebe,  über 100 Verarbeiter und Händler sind Mitglieder (www.biopark.de).
Gäa e.V., noch in der DDR entstanden, heute in 11 Bundesländern und in Südtirol vertreten: Ökolandbau mit sozialer Gerechtigkeit ist das Programm. Der Verband zählt 400 Partner aus Erzeugung, Verarbeitung und Handel, meist Familienbetriebe und Genossenschaften (www.gaea.de).
Ecovin – Ökologischer Weinbau e.V.,1985 gegründet vereint aktuell rund 200 zertifizierte Weinbau-Betriebe vor allem aus Deutschland, die gemeinsam 2.390 ha bewirtschaften, ca. 25 % der deutschen Weinbauflächen  (www.ecovin.de).

Gut für uns ist, was artgerecht, die Mitwelt und den Planeten schonend entstand. Durch diese Organisationen zertifizierte Lebensmittel sind besser ihrer inhaltlichen Qualität und der die Mitwelt – Klima, Tierwohl, Bodenfruchtbarkeit – schonenden Produktion wegen. Diese Erzeuger sind praktisch in allen Bundesländern vielfach vertreten. Das ermöglicht Bio-Lebensmittel zu kaufen mit wesentlich weniger klimaschädlichen Transportkilometern im Vergleich zu Transporten aus Europas Süden, Afrika, vorderer Orient oder gar aus Übersee und Fernost. Und da inzwischen viele Gemüse und Früchte, einst nur wachsend in EU-Staaten mit Landschaften südlich unserer Grenzen, längst seit vielen Jahren, Jahrzehnten gar, in vielen Teilen Deutschlands wachsen, sollte man diese bevorzugen – nicht aus patriotischen, sondern aus Mitwelt-, Klima- und unseren Globus schützenden Gründen.

Übrigens: Selbstvermarktende Lebensmittel-Erzeuger der Region ohne Bio-Zertifikat – Land- und Tierwirte, Brauer, Winzer, Käser, Metzger, Bäcker, Konditoren usw., die nachweislich Produkte der Region verwenden, sind die zweitbeste Entscheidung für den Einkauf. Manche sind auf den Wochenmärkten zu finden, alle aber in ihren Dörfern. So manches Landratsamt publiziert auch Broschüren mit den jeweiligen Adressen und Angeboten. Ebenso gibt es regionale Initiativen wie beispielsweise „Mainbogen“ mit Sitz in Grafenrheinfeld oder die „Dachmarke Rhön GmbH“.

Siehe auch Bio-Bauernhöfe & andere Bio-Betriebe in
Unterfranken
Oberfranken
Tauberfranken
Hohenlohe/Schwäb. Haller Land

©   Hans-Werner Bunz                             Foto: Ausschnitt, © http://www.regional-saisonal.de/Kalender/Gemüse

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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