Ackergifte verpesten unsere Atemluft

Keineswegs Harmloses belegte eine neue Studie, vorgestellt durch Bundes-Umweltministerin Svenja Schulze, veranlasst vom Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft e.V. und dem Umweltinstitut München e.V., zum Thema „Eingesetzte Pestizide durch die konventionelle Landwirtschaft“: 138 (!) verschiedene Pestizide wurden gefunden! Durchgeführt wurde die Studie zwischen März und September 2019.

Ihre Ergebnisse aus Messungen an 163 Standorten in Deutschland sind durchaus erschreckend (siehe Standorte auf der Karte bei www.enkeltauglich.bio):
1. Kilometerweit durch die Luft verbreiten sich die Pestizide und ihre Abbauprodukte.
2. Bei rund 75 % der Standorte wurden jeweils zwischen fünf (5) und 34 Pestizidwirkstoffe sowie deren Abbauprodukte gefunden. Die Messstellen waren zwischen weniger als 100 Meter bis zu einem Kilometer von potentiellen „Quellen“ entfernt. Gemessen wurde in Städten und auf dem Land, in konventionellen und in Bio-Agrarlandschaften sowie in unterschiedlichen Schutzgebieten.
3. Die Daten seien mittels neu entwickelter Passivsammelgeräten, aus Filtermatten in Gebäude-Be- und -Entlüftungsanlagen sowie durch analysierte Bienenstöcke, insbesondere des „Bienenbrots“ für die Ernährung der Brut, und Baumrinden erhoben worden. Hinzu kamen Proben, eingeschickt von Landwirten, Imkern und Privatpersonen.
4. Glyphosat wurde, so die Studie, überall in Deutschland und weit entfernt potentieller Ursprungsäcker nachgewiesen. Selbst auf der Spitze des Brockens im Nationalpark Harz seien zwölf Pestizide nachweisbar.
5. Insgesamt wies man deutschlandweit 138 Stoffe nach; 30 Prozent (!) waren zum jeweiligen Messzeitpunkt nicht mehr oder noch nie zugelassen gewesen.
6. Nachgewiesen wurde auch, dass sich viele giftige Pestizide bis in die Städte und Nationalparks verbreiten.*
7. Ebenso wurde nachgewiesen, dass biologisch bewirtschaftete Äcker kontaminiert werden, was für die Ökolandwirte nicht unerhebliche Verluste bedeutet. Einen Fond dazu sollten die deutschen Pestizidhersteller durch 10 % ihrer deutschen Umsätze füllen, so die Agrarexperten Karl Bär (Umweltinstitut München) und Boris Frank (Vorsitzender „Bündnis enkeltaugliche Landwirtschaft e.V.“).
8. Das Umweltbundesamt (UBA) sieht in der Studie wertvolle und deutschlandweite Daten zur Verbreitung der Pestizide über die Luft. Gegenwärtig würden Pestizide nur auf Abstände bis 20 Meter in der Zulassung untersucht; weiter entfernt gefundene Konzentrationen wären zumindest unmittelbar keine Gefahr für Tiere und Pflanzen, da sie überwiegend deutlich unter dem lägen, was im Nahbereich zugelassen sei. Aber es sei durchaus denkbar, so UBA-Präsident Dirk Messner, „dass sich Wirkstoffe an anderen Orten kombinieren und als Cocktail auf Tiere und Pflanzen wirken.“

Der IVA (Industrieverband Agrar) als Vertreter der agrochemischen Industrie versuchte, die Ergebnisse kleinzureden: „künstlich aufgebauscht werde das Thema“, die Funde „offenbar selten“ und die nachgewiesenen Mengen „so minimal, dass sie für Mensch und Umwelt unbedenklich sind“.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hingegen sagte: „Wir wissen noch nicht, wie dieser Cocktail verschiedener Pflanzenschutzmittel wirkt,“  die Verbreitung kritischer Substanzen einzudämmen könne u.a. bei der Zulassung plus deutlich reduziertem Pestizideinsatz beginnen.

©.  Hans-Werner Bunz                                     Foto: Rapsfeld © Pixabay/Hans Braxmeier

Quellen: ZEIT ONLINE 29.09.2020, proplanta, http://www.enkeltauglich.bio

*) Der Autor ließ sich vor Jahren auf Glyphosat testen: Es wurde im Blut nachgewiesen, obwohl er weitestgehend Bio-Produkte verzehrt und Städter ist.
) Diese Aussage des Umweltbundesamtes ist für mich ein Stück weit zynisch: Für mitweltschädlichen Pflanzenschutz sollen Mensch, Tier und Pflanze die Pestizide goutieren, sie lägen ja unter ihrer Zulassungsschwelle!?

                                                             Siehe auch den Beitrag
                                                Kohlekraftwerke – die Klima-Killer

 

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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