WASSER! Ein knappes Gut weltweit. Verbrauchen wir zu viel?

Vielleicht. Übertreibe ich? Nein.
Sauberes, gutes Wasser können wir Menschen nicht erzeugen. Nur die Natur kann das. Zu einem gut Teil besteht auch unser Körper aus Wasser. 75 % der mageren Muskeln bestehen aus Wasser, 25 % ist der trockene Rest. Im Blutplasma hat Wasser einen Anteil von 90 – 95 %, im Körperfett von 25 %, in den Knochen von 22 % und so weiter. Ohne Wasser gäbe es keinen Menschen, ohne Wasser gäbe es an Land keine Vegetation, kein Leben1. Aber es sind wir, wir Menschen, die es geschafft haben, dass die Welt, will sagen die Landmasse, dürstet. Dramatisch ist inzwischen das Szenario, leider, in vielen Teilen der Welt.

Nichts wächst an Land ohne Süßwasser. Ohne dieses Wasser wäre das Land eine Wüste. Inzwischen klagen viele Bauern bereits über schlechtere Ernten; in einigen Regionen Deutschlands und in vielen der Welt regnet es zu wenig – obwohl die globale Regenmenge insgesamt gleich geblieben scheint, so die Experten. Die Flüchtlingswelle des Nachbar-Kontinents Afrika reißt nicht ab – Auslöser sind neben so manchen Stammesfehden und Kriegen auch Landschaften, in denen Landwirtschaft des immer weniger gewordenen Regens wegen immer geringere Ernten erzielt – und dies bei einer exponentiell wachsenden Zahl junger Menschen. Viele von ihnen verlassen ihre Heimat, sehnen sich nach Europa und – so paradox es klingt – riskieren bewusst den Wassertod beim Überqueren des Mittelmeers.

Bayern: 1 Milliarde Euro für Bayerns Wasserzukunft
In Unterfranken, so das Bayerische Umweltministerium, weisen 80 % der tiefen Grundwasserstöcke Niedrigwasser auf. Und es ist fraglich, ab wann das geplante bayerische „Wasserzukunft-Projekt 2050″ wirksam werden wird – und ob es auch den jeweiligen Landschaften im erwarteten Maße nützt. Die „Schwammstadt“ ist eine der Ideen, also eine nicht zubetonierte Stadt; doch die Frage ist, wie das „Entbetonieren“ gehen soll. Beabsichtig sind dafür diverse Aktivitäten, z.B. versiegelte Flächen mit vielen Bäumen zu bestücken, verbunden mit den zwingend notwendigen, unterirdischen Wasserspeichern, Rigole genannt. Genauer beschrieben wird das Vorhaben aber nicht; möglicherweise sind die Flächen Park- und sonstige Plätze und vielleicht auch verkehrsfrei gemachte Nebenstraßen. Auch ist die Idee erwähnt, Gebäude zu begrünen. Raschere Erfolge verspricht sicherlich der geplante Ausbau von Kläranlagen mit der vierten  Reinigungsstufe, die das Wasser dann so sauber mache, dass es als Trinkwasser dienen kann. 90 Klärbetriebe sollen so entsprechend aufgerüstet werden. Aber damit sind noch keine Wälder gesichert.

Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fordert ein Umdenken
Ein neues Konzept des Wassermanagements sei gefragt. Brachte man bisher das Wasser möglichst schnell aus der Fläche, soll es nunmehr in der Landschaft gehalten und diesen Fließgewässern mehr Raum gegeben werden. „In Deutschland sei Wasser inzwischen ein knappes Gut und die Konkurrenz ums Wasser verschärfe sich“, so der Generalsekretär der Bundesstiftung Umwelt, Alexander Bonde1. Der jährliche Wasserverbrauch in Deutschland betrage pro Person 120 – 123 Liter pro Tag (!) oder insgesamt, also aller Bewohner unseres Landes, 32 Milliarden Kubikmeter, dem ein potentielles Angebot von 188 Milliarden Kubikmeter gegenüberstehen. Andererseits: Wassersparen ist gegenwärtig nicht gefordert wegen der veralteten Infrastruktur: Die Rohre sind zu groß, weshalb immer wieder die Kanäle und Rohrleitungen gut gespült werden müssen, wodurch eine Menge Wasser verloren geht. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite
Genau besehen ist aber der Wasserverbrauch jedes in Deutschland Lebenden viel höher als die 120 – 123 Liter pro Tag: Laut WWF2 seien es 25 volle Badewannen pro Person (5.288 Liter täglich!). Dies ist die zusätzliche Wassermenge für die Herstellung und den Transport der Produkte, die wir zum Leben brauchen; 50 % davon entstehen durch die erzeugten Produkte in anderen EU-Ländern und in Übersee – plus den Transport zu uns mit der Verteilung an die Vertriebsstellen. Und obwohl Deutschland eigentlich zu den wasserreichen Gegenden unseres Globus zählt, ist dennoch Wasserknappheit in einigen Region unseres Landes inzwischen eine Tatsache. Betroffen sind Teile von Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Nordbayern, vor allem Teile aber Unter- und Oberfranken.

Text: Hans-Werner Bunz, Foto: Helga Bunz

1) Generalsekretär der Deutschen Bundestiftung Umwelt, 2) World Wide Fund for Nature

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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