Grün ist die Zukunft der Landwirtschaft!

Grüne, also die bio-ökologische Lebensmittelproduktion, ist das Zukunftskonzept. Die gegenwärtige sogenannte „konventionelle“ Landwirtschaft – in Deutschland macht sie noch knapp 90% aus – muss umgebaut werden aus vielerlei Gründen. Einige der wichtigsten sind: Klimawandel, Ressourcenschwund der Kunstdüngergrundstoffe, Bedrohung des Trinkwassers durch landwirtschaftliche Einträge (Überdüngung), Schwund von Insekten und Bodenlebewesen. 

Gute Nachricht: Immer mehr Konsumenten lieben Bio-Produkte
In der Tat, auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) nahm es schon vor längerer Zeit wahr: Immer mehr Konsumenten wollen Bio-Lebensmittel. Der Beweis ist die 1. Auflage der Broschüre „Zukunftstrategie ökologischer Landbau – Impulse für mehr Nachhaltigkeit in Deutschland“, die der vorige BMEL-Bundesminister Christian Schmidt veranlasste; die aktuelle Ministerin Julia Klöckner zeichnet verantwortlich für die zweite Auflage vom Jahr 2019.
Die ökologische Landwirtschaft ist wie kein anderer Wirtschaftszweig auf natürliche Ressourcen angewiesen”, so die Ministerin in ihrem Grußwort, es sei „eine besonders Ressourcen schonende und umweltverträgliche Wirtschaftsform, die sich am Prinzip der Nachhaltigkeit orientiert.” Angestrebt sind seitens des Ministeriums 20 % Bio-Agrarflächen der deutschen Agrarflächen bis zum Jahr 2030.

Dieses Ziel klingt ambitioniert, ist es aber nicht wirklich, war es vielleicht noch in der Ausgabe 1 unter dem vorigen Minister Schmidt. Gegenwärtig steht Deutschland bei gut 10 % ökologischem Landbau – knapp 90 % sind somit nicht ökologisch bewirtschaftet. Immerhin ist man inzwischen soweit, die ökologische Landwirtschaft als gleichberechtigten Teil der gesamten Agrarwirtschaft zu sehen. Diese 20 % Bio-Landwirtschaft als Zwischenziel bis zur angestrebten Klimaneutralität im Jahr 2045 ist zwar eine Verdoppelung der bisherigen Menge – aber im Vergleich zu den Ambitionen der EU zu wenig – sind deren Vorstellungen doch ambitionierter: 30 % sind hier das erklärte Ziel. Noch immer ist offensichtlich beim BMEL die nichtökologische Landwirtschaft die vordringlichere und deshalb wohl auch unterstützungswürdiger.

Das BMEL definiert 5 Handlungsfelder:
– Zukunftsfähiger Rechtsrahmen,
– Zugang zur ökologischen Landwirtschaft erleichtern,
– Nachfragepotential nutzen und weiter ausbauen,
– Leistungsfähigkeit ökologischer Agrarsysteme verbessern,
– Umweltleistungen angemessen honorieren.

Ökologische Landwirtschaft ist eine wichtige Zukunftsbranche. Deshalb hat sie auch eine zentrale Position in der Nachhaltigkeits­strategie der Bundesregierung. Klingt schön – hoffentlich nicht nur. Neue Erkenntnis: Der ökologische Landbau trage zur biologischen Vielfalt bei. Das ist nicht neu, aber gut, dass dieses Wissen jetzt auch im zuständigen Ministerium angekommen ist: die Bundesregierung sieht im ökologischen Landbau eine Form der Landnutzung, der ein erhebliches Potenzial zur Bewältigung der skizzierten Herausforderungen zugeschrieben werden kann.

Der ökologische Landbau berücksichtigt:
– bei der Produktion in besonderer Weise die Belastungsgrenzen natürlicher Kreisläufe,
– trägt zu einem hohen Niveau der biologischen Vielfalt bei und
– erfüllt hohe Tierschutzanforderungen.
Die Leistungen des Ökolandbaus genieße in weiten Teilen der Bevölkerung eine hohe Anerkennung. Nicht überraschend sei die besonders hohe Wertschöpfung der Branche, auch trage sie zur Vitalisierung ländlicher Räume bei (Thünen-Institut, 2016). Der Landbau gelte deshalb als relevante Schlüsseltechnologie auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. 

Bayern ist mit Abstand die Nr. 1 im deutschen ökologischen Landbau. Rund 11.000 Ökobetriebe gibt es aktuell (Ende 2020) in Bayern, das sind 32,9 der gesamtdeutschen 35.413 Betriebe. Im vergangenen Jahr waren in Bayern wieder über 400 Betriebe mit rund 15.000 ha Fläche hinzugekommen, wodurch der Anteil an der gesamten Nutzfläche auf 12 % gestiegen sei, wie die bayerische Landwirtschafts-Ministerin Daniela Kaniber in ihrer Pressemitteilung (10.02.2021) mitteilte. Bayern ist engagierter als der Bund mit seinem 20 % Anteil für ökologisch bewirtschaftete Flächen: Bayern hat sich für 2030 immerhin 30 % der Öko-Flächen in Bayern als Ziel gesetzt – das sind 50% mehr als der Bund! Und dafür sogar auch ein eigenes Bio-Siegel ausgedacht: leicht quer oval, blau-weiß, mittig bio ganz groß in schwarz-schwarzblau, umringt von einem blauen Oval mit GEPRÜFTE QALITÄT BAYERN in weiß.

Text: Hans-Werner Bunz, Foto: Slow Food 2015

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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