Teil 2: Spazieren & wandern in Unterfrankens Schutz-Gebieten: Landkreis Haßberge – Seite 3

Der Landkreis Haßberge ist mainaufwärts unmittelbarer Nachbar des Landkreises Schweinfurt. Im Gegensatz zu diesem ist der Landkreis Haßberge überwiegend bergig und auch reich bewaldet. 84.363 Einwohner (6/2020) beleben ihn. Die „Haupftstadt“, also das Verwaltungs- und Kulturzentrum des Landkreises, ist die Stadt Haßfurt mit 13.501 Einwohnern (12/2019). Der Landkreis schließt im Norden – zugleich als Grenze Bayerns – an den thüringischen Landkreis Hildburghausen, im Osten an die oberfränkischen Landkreise Bamberg und Coburg, im Süden an den Landkreis Bamberg, im Westen an die Landkreise Schweinfurt und Rhön-Grabfeld.

Naturschutz – was heißt das im Detail?
Der Begriff umfasst Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität, der Vielfalt der Arten, des Ökosystems und der Genetik sowie Maßnahmen zum Artenschutz & Ökosystem-Management. Naturschutz ist eine öffentliche Aufgabe, also eine Aufgabe des Staates und seiner jeweiligen Landesregierungen und deren Regionalorganisationen.

Die 15 Naturschutzgebiete des Landkreis Haßberge
Die Mainlandschaft
Der Hohe Wann (1) ist ein Berg – rechtsmainisch östlich Hassfurt – von 387 m Höhe und gänzlich ein stattliches, 1.028 ha großes Naturschutzgebiet. Die Main-Aue (2) flußaufwärts beim rechtsmainischen Augsfeld ist mit 615,79 ha nicht nur ein großes, sondern auch sehr vielgestaltiges Naturschutzgebiet, das allerdings recht zerstückelt ist und den Haßfurter Flughafen als westlicher Nachbar hat. Rechtsmainisch folgt – östlich von Zeil a.M. – das Naturschutzgebiet Pfaffenberg (3), 20,13 ha groß, beginnend mit Ostflanke des 376 m hochen Schmachtenbergs und den folgenden Hanglagen bis Steinbach. Auf der linksmainischen Seite, südlich Knetzgau, sind 49,6 ha des 445 m hohen Ebersberg (4) ein Naturschutzgebiet. Ebenfalls am Ebersberg, aber nun westlich gelegen, ist das des Naturwaldreservat „Mordgrund“ (5) mit 24,75 ha ein Naturschutzgebiet. Ebenfalls linksmainisch, hinter dem 317 m hohen Spitzberg sind die 273,30 ha Altmain & Sandmagerrasen (6) bei Limbach ein Naturschutzgebiet. Noch weiter flußaufwärts lockt für Vogelfreunde das Naturschutzgebiet & Vogelfreistätte bei Dippach mit 143,75 ha (7) für die Heimat einer Graureiher-Kolonie.

Die Haßberge
Sie sind das Bergland nördlich des Mains, an dem auch die oberfränkischen Landkreise Bamberg und Coburg teilhaben, ebenso wie der thüringische Landkreis Hildburghausen. Aber auch der unterfränkische Landkreis Rhön-Grabfeld.
Ein Naturschutzgebiet im südlichen Teil der Hassberge sind die 132,24 ha Trockenhänge1 & die Urwiese (8) nördlich von Königsberg bei Junkersdorf. Ein kleineres Nauturschutzgebiet ist das Naturwald-Reservat2 Stachel (9) mit 23,26 ha weiter im Osten bei Kirchlauter, südöstlich von Ebern. Das Naturschutzgebiet Simonsberg-Fuchsrannen mit 14,2 ha bei Pfarrweisach (10) liegt im Osten des Landkreises, jenseits Burgpreppach und der Baunach. Im hohen Norden des Landkreises, süd-östlich von Maroldsweisach und nördlich von Junkersdorf und Rabelsdorf lockt das Naturschutzgebiet Galgenberg-Goßberg (11) mit 45,52 ha, als südlicher Teil eines Bergzugs. An der Westgrenze des Landkreises Haßberge südöstlich des Ellertshäuser Sees ist bei Reichmannshausen ist das 24,30 ha große Naturschutzgebiet des Urlesbachtals (12) eine Besichtigung wert.

Der Steigerwald
Der Anteil des Landkreis Haßberge im Norden des Berggebiets Steigerwald ist im Vergleich zum Anteil an den Haßbergen vergleichsweise klein; neben dem oberfränkischen Landkreis Bamberg verwalten auch die unterfränkischen Landkreise Schweinfurt (siehe dort) – dieser allerdings nur ein relativ kleines Gebiet im Westen des Gebirgszugs – ein großes Gebiet. Der höchste Berg des Steigerwalds, der 498 m hohe Scheinberg, befindet sich östlich von Ippesheim im Gebiet des Landkreises Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Auch die anderen höchsten Berge sind im Westen des Steigerwalds – Berge bis nahezu 500 m -, nach Osten werden sie niedriger, zumeist weniger als 400 m hoch.
Das 57,10 ha große Naturschutzgebiet des Weilersbachtals (13) – nahe Rauhenebrach und Obersteinbach – hat eine Atraktion: den Ahornbrunnen. Sein Wasser speist etwas später die nach Osten fließende Raue Ebrach. Ebenfalls bei Rauenebrach liegt das 34,38 ha große Naturschutzgebiet Schulterbachtal (14) mit dem Schulterbach, eines der wenigen, noch offen gebliebenen Wiesentäler des Steigerwalds und ein Rückzugsraum hoher Artenvielfalt. Bei Oberaurach-Tretzendorf ist das Naturschutzgebiet des Tretzendorfer Weihers (15) mit immerhin 202,44 ha, ein Weiher, der von der jungen Aurach gespeist wird. Ein Erlebnispfad erhöht beim Wandern das Vergnügen.

Die 21 FFH-Schutzgebiete des Landkreis Haßberge
FFH-Schutzgebiete stehen unter dem Schutz der Europäischen Union. Sie schützen Pflanzen (Flora), Tiere (Fauna) und Lebensraumtypen (Habitate). Diese Gebiete sind Teil des europäischen Natura-2000-Netzwerks.

Die Mainlandschaft
Ein ziemlich großes FFH-Schutzgebiet ist die Mainaue von Eltmann flussabwärts bis Haßfurt (1) mit immerhin 950,24 ha. Deutlich kleiner hingegen ist das FFH-Schutzgebiet der Maintalhänge flussabwärts zwischen Stettfeld & der Stadt Zeil a.M. (2) mit 196,91 ha. Noch kleiner ist das FFH-Schutzgebiet des Spitzberg & der Gänsleite (3) mit 104,14 ha beim linksmainischen Limbach östlich von Knetzgau. Für Vogelfreunde ist interessant die Vogelfreistätte der Graureiher-Kolonie (4) bei Dippach a.M. mit 32 ha.

Die Haßbergeregion
Die Aue der Alster (sie entspringt in Thüringen im südlichsten Zipfel des Landkreises Hildburghausen) ist ein FFH-Schutzgebiet (5) von 132 ha ab der Landesgrenze bei Dürrenried im Nordosten bis zur Vereinigung mit der Rodach. Hinter der bayerischen Grenze verläßt die Alster den Landkreis Haßberge, passiert die Stadt Sesslach (Landkreis Coburg), durchmisst den äußersten Westen des Landkreis Bamberg, um dann beim bayerisch-haßbergischen Memmelsdorf sich mit der coburgisch-bambergischen Rodach zu vermischen. Das Flußtal der Itz ist ein großes FFH-Schutzgebiet von 1.452 ha, das ein kurzes Stück zwischen Untermerzbach und Gleusdorf (6) auch am äußersten Rand den Landkreis Haßberge durchfließt. Nicht weit entfernt ist bei der Stadt Ebern der einstige Standortübungsplatz plus Umgebung ein FFH-Schutzgebiet von 109,32 ha (7).

Ganz im Norden des Landkreis Haßberge liegt das 1.541.45 ha große FFH-Schutzgebiet (8) des Bundorfer Wald mit den Quellbächen des Flußes Baunach. Südöstlich davon ist die Weisach-Aue mit den Nebenbächen (9) um die Stadt Maroldsweisach ein 109,32 ha großes FFH-Schutzgebiet. Auch die Wälder um Maroldsweisach, Königsberg und Rentweinsdorf mit Schloß sind ein stattliches FFH-Schutzgebiet (10) von 1.381,24 ha. Nur ein Bruchteil davon ist bei Ostheim am westlichen Haßbergtrauf das FFH-Schutzgebiet Geißleraue & Aurachwiese (11) mit 159,48 ha. Sehr viel größer freilich ist das FFH-Schutzgebiet von Königsberg nach Zeil a.M. mit 2.533,66 ha (12). Jedoch auch das FFH-Schutzgebiet des Haßbergtraufs zwischen der Stadt Königsberg und Stadtlauringen (Landkreis Schweinfurt) ist stattlich: 923,38 ha (13) groß. Mittig in den Haßbergen liegt der Ort Jesserndorf; der nordöstliche Südhang dort, Steinert genannt, ist ein FFH-Schutzgebiet von 24,38 ha (14). Das Wässernachtal im Westen des Landkreis Haßberge von der Quelle im Landkreis Schweinfurt bis zur Mündung in den Main bei Wülflingen westlich Haßfurt ist ein besonders schönes, 748,16 ha großes FFH-Schutzgebiet (15).

Viel größer jedoch ist das FFH-Schutzgebiet des Haßbergtraufs (16) zwischen der Stadt Königsberg und Stadtlauringen (Landkreis Schweinfurt) mit 923,38 ha. Und noch viel größer ist das FFH-Schutzgebiet des Haßbergtraufs von Königsberg nach Zeil a.M. mit 2.533,66 ha (17). Mittig in den Haßbergen liegt der Ort Jesserndorf; der nordöstliche Südhang dort, Steinert genannt, ist ein FFH-Schutzgebiet von 24,38 ha (18). Das Wässernachtal im Westen des Landkreis Haßberge von der Quelle im Landkreis Schweinfurt bis zur Mündung in den Main bei Wülflingen westlich Haßfurt ist ein besonders schönes, 748,16 ha großes FFH-Schutzgebiet (19).

Der Steigerwald
Die Buchenwälder & Wiesentäler des Nordsteigerwald sind insgesamt ein riesiges FFH-Schutzgebiet von 15.876,84 ha (20), an denen auch die Landkreise Coburg, Bamberg & Schweinfurt teilhaben. Im Steigerwald-Vorland, aber auch in den Haßbergen und im Itz-Baunach Hügelland sind die Gelände der Mausohr-Kolonien (21) ein FFH-Schutzgebiet.

Die 4 Landschaftsschutzgebiete im Landkreis Haßberge
Sie sind rechtsverbindlich festgesetzt ihrer besonderen Schutzwürdigkeit, ihrer Natur und Landschaft wegen. Ihre Entwicklung und Regenerationsfähigkeit sollen gefördert werden für die nachhaltige Nutzung ihrer Naturgüter, Vielfalt, Eigenart, Schönheit und kultur-historischer und Erholungsbedeutung.

Das Wässernachtal ist etwas Besonderes, denn es ist nicht nur ein FFH-Schutzgebiet, sondern auch ein Landschaftsschutzgebiet, in diesem Fall sogar zweigeteilt: das eine, wohl das obere mit Wald, ist ein Landschaftsschutzgebiet mit 362,16 ha (1), das zweite, folglich das untere Landschaftsschutzgebiet, ist mehr als doppelt so groß mit 782,99 ha (2).
Hingegen ist der ganze Naturpark Steigerwald ein Landschaftschutzgebiet mit 88.488,44 ha, an dem der Landkreis Haßberge mit 15.038,60 ha (3) beteiligt ist. Maßgeblich freilich ist der Landkreis Haßberge mit 37.526,49 ha (4) beteiligt an den 56.347,57 ha des Landschaftsschutzgebiet Naturpark Haßberge.

Text: Hans-Werner Bunz, Foto: Autor unbekannt

1) Trockenhänge sind ein Trockengebiet mit geringen Wassermengen im Boden, wenig Regenfall, hohen Lufttemperaturen und starker Verdunstung. 2) In Naturwald-Reservaten ist das Entnehmen von Holz sowie sonstige forstwirtschaftliche Nutzungen verboten 

Hinweis: Die Texte erforderten viel Recherche. Danken möchte ich den staatlichen Veröffentlichungen der Tabellen der Schutzgebiete, ebenso Wikipedia: ohne deren Vorarbeit hätte ich das Projekt nicht realisieren können. Doch erst mit sorgfältigem und deshalb auch langwierigem Landkartenstudium gelang es, eine brauchbare und in weiten Bereichen – so hoffe ich – eine präzise Ortsbeschreibung zu vermitteln.

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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