Teil 2: Spazieren & wandern in Unterfrankens Schutzgebieten: Landkreis Aschaffenburg – Seite 10

Der Landkreis Aschaffenburg ist der westlichste sowohl in Bayern als auch in Unterfranken. Er ist auch der zweitkleinste mit 699,15 km2. Aber er ist nach Würzburg hinsichtlich seiner Bevölkerung von 244.735 Einwohnern, wovon der Landkreis 174.250 Einwohner beisteuert, der zweitgrößte. Die Stadt Aschaffenburg ist kreisfrei wie Würzburg und Schweinfurt, also mit eigener Politik. Erste Besiedelung ist im 3. Jahrhundert nachgewiesen, doch spricht man heute von einer Geschichte über 1.000 Jahre für die Stadt. Berühmte Bauwerke sind das Pompejanum, die um 974 erbaute Stiftskirche und das als Zweitresidenz der Mainzer Bischöfe und Kurfürsten von 1619-1614/19 erbaute Schloß. Wie auch bei Würzburg und Schweinfurt verzichten wir hier auf eine Trennung von Stadt und Landkreis bei den Schutzgebieten.

Die Naturschutzgebiete in Stadt und Landkreis Aschaffenburg
Der Begriff Naturschutz umfasst Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität, der Vielfalt der Arten, des Ökosystems und der Genetik sowie Maßnahmen zum Artenschutz & Ökosystem-Management. Naturschutz ist eine öffentliche Aufgabe, also eine Aufgabe des Staates und seiner jeweiligen Landesregierungen und deren Regionalorganisationen.

Die 14 Naturschutzgebiete in Stadt und Landkreis Aschaffenburg
Um Aschaffenburg herum
Der einstige Truppenübungsplatz am Rand von Aschaffenburg mit dem zugehörigen Altenbachgrund (1) wurde umgewidmet zum Naturschutzgebiet – ein 292,93 ha großes Gelände, zu 3/4 bestehend zu aus hügeligen Waldflächen. Der Altenbachgrund liegt in einem ca. 2,4 km langen & schmalen Waldtal und umfasst ca. 14,6 ha; teils versumpfte Bachauen beherbergen große Vorkommen von Riesenschachtelhalm & Schilfbestände und üppige Fauna mit Neuntöter, Heidelerchen, Steinkauze, Ziegenmelker und Amphibien wie Gelbbauchunken, Feuersalamander, Kreuzkröten, Laubfrösche, aber auch mit Reptilien wie Zauneidechsen & Schlingnattern. Bei Karlstein am Main, nördlich von Aschaffenburg, ist der ganze Gustavsee (2), ein Grundwassersee, Ergebnis der Aktivitäten der einstigen Zeche Gustav, ein 18,15 ha großes Naturschutzgebiet für Vögel, die hier rasten oder gar überwintern. Die Alzenauer Sande (3) – nördlich von Aschaffenburg am Ostrand von Alzenau sind ein 95,27 ha großes Naturschutzgebiet, umschlossen von den Orten Wasserlos, Hörstein, Großwelzheim und Kahl a.M. – ein dreiteiliges Gebiet im Alzenauer Unterwald östlich der Vorspessartseen. Der Gerichtsplatz liegt im Süden des Waldes am Hörsteiner See, rechts der Bundesautobahn 45, dort wo der Schützberbach versickert. Im Nordwesten befindet sich das Neufeld am Waldrand zum Prischoß (einst eine Wüstung): Die Alte Weide, die Haide und die Lange Tanne ergeben das dritte Teilgebiet im Norden.

Im Norden und Nordosten
Der bei Kahl in den Main mündende Fluß Kahl führt bergwärts zu etwas Besonderem: die Naturschutzgebiete für Amphibien: Stark gefährdete Berg- und Fadenmolche, Erdkröten, Grasfrösche, Feuersalamander und Bergeidechsen. Deshalb gibt es im Spessart zwei Freistrecken, beide in der Region nördlich und südlich von Schöllkrippen: Das nördliche Naturschutzgebiet für diese Amphibien sind die 24,8 ha im Sommergrund (4), der obere Bereich des Bachtals der Kleinen Kahl, die bei Kleinkahl in die Kahl fließt. Das andere Naturschutzgebiet ist südlich von Schöllkrippen: Der Fluß Sommerkahl, ebenfalls in die Kahl mündend, heißt erst ab dem Ort Sommerkahl so, davor heißt er Speckkahl, entstanden weit oben am Berg aus zwei Bächen. Ab deren Vereinigung sind im weiteren Lauf des Speckkahl 43,37 ha ein Amphibien-Naturschutzgebiet (5).

Im Osten
Östlich Aschaffenburg, bei Heibach ist der Dörngraben (6) ein kleines Naturschutzgebiet von 6,38 ha; der ca. 1,6 km lange Dörnbach schuf sich, tief eingegraben, steile Hangböschungen mit seltenen Pflanzen und im Bach lebenden Tieren diverser Arten. Weiter östlich, bei der Gemeinde Bessenbach mit den Orten Straßbessenbach und Waldmichelbach, gibt es den Urwald von morgen: Das 66,27 ha große Naturwald-Reservat1 Kreuzbuckel (7), ein Naturschutzgebiet um den 464 m hohen Berg Salzbuckel. Weiter östlich bei Rothenbuch liegt süd-östlich das NaturwaldReservat1 Hoher Knuck, ein 539 m hoher Berg; an seinen Osthängen befindet sich das 121,65 ha große Naturschutzgebiet (8), das an den Fürstlich-Löwensteinschen Park angrenzt. Den Wald beherrschen vorwiegend Rotbuchen und Tauben-Eichen; auch gibt es einen ehemaligen, kreisrunden Meilerplatz. Zwischen Rothenbuch und Weibersbrunn liegt im gemeindefreien Staatswald das Naturschutzgebiet Metzgergraben/Krone (9) – ein Gebiet, das seit 1928 sich selbst überlassen ist – und damit zeigt, welche Veränderungen die Natur erschafft. Ein weiteres Naturschutzgebiet, das Gebiet Rohrberg mit 9,84 ha (nicht weit von der Autobahnausfahrt Rohrbrunn): Es ist ein lichter Eichenwald (10) mit 500 bis 800 Jahre alten Bäumen, die seltenen Vögeln, Käfern und Pilzen einen Lebensraum bieten. Und nicht weit entfernt – südlich Weibersbrunn – gibt es das 71,94 ha große Naturschutzgebiet des NaturwaldReservats1 Eichhall (11) mit einem schönen Bestand 400 Jahre alter Eichen im Gebiet des Rohrbrunner Forst.
Noch östlicher ist – seit 2001 – das Naturschutzgebiet der Spessartwiesen (12) mit 73,74 ha im Bereich des Flusses Lohr und seiner Zuflüsse zwischen Heinrichstal im Norden und Heigenbrücken, wo dieser Arm des Flusses sich nach Osten wendet. Vereinzelte Gebiete im Bächlesgrund bei Heigenbrücken stehen ebenfalls unter Naturschutz. Das untere Lohrbachtal und jener Teil im Landkreis Main-Spessart bilden den Südteil des Naturschutzgebiets. Fast das komplette Tal des Aubachs und des Birklergrund fasst das Gebiet mit ein. Die östlichen Spessartwiesen liegen im Tal der Lohr – ihrem zweiten Arm um Frammersbach, der weiter nördlich entspringt. Der 10,88 ha große Auenwald mit Haunmieren und Schwarzerlen bei Erlenfurt, süd-östlich von Lichtenau, durchflossen vom Fluß Hafenlohr, ist ein weiteres Naturschutzgebiet (13) in dieser Region. Im Südosten des Landkreises, im unteren Hafenlohrtal, wo der Fluß Hafenlohr beim Ort Hafenlohr in den Main mündet, ist ein weiteres, 71,83 ha großes Naturschutzgebiet (14).

Die Flora-Fauna-Habitate – FFH-Schutzgebiete – in Stadt & Landkreis Aschaffenburg
Sie sind gleichwertig, aber anders. FFH-Schutzgebiete stehen unter dem Schutz der Europäischen Union. Sie schützen Pflanzen (Flora), Tiere (Fauna) und Lebensraumtypen (Habitate). Diese Gebiete sind Teil des europäischen Natura-2000-Netzwerks. Diese Initiative hat als Ziel ein europäisches Schutzgebietsnetz für wildlebende Pflanzen und Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen; Vogelschutzgebiete gelten darin als besondere Schutzgebiete.

Die 8 FFH-Schutzgebiete in Stadt & Landkreis Aschaffenburg
Innerhalb des Stadtgebiets gibt es drei FFH-Schutzgebiete: Das größte FFH-Schutzgebiet sind die 250 ha für die Extensivwiesen und die Ameisenbläulinge (Schmetterlinge mit hauchdünnen Flügeln) in und um Aschaffenburg (1), da auch der Landkreis sein Teil beiträgt. Ebenfalls ein großes FFH-Schutzgebiet sind die 177 ha Streuobstwiesen (2) zwischen Erbig und Bischberg. Hinzu kommt noch das FFH-Schutzgebiet des einstigen Standortübungsplatz (3) mit seinen 85 ha. Im Landkreis gibt es fünf weitere FFH-Schutzgebiete: So ist das 95 ha große Naturschutzgebiet der Alzenauer Sande (4) auch ein FFH-Schutzgebiet. Eine zweites Vorkommen der Art der Ameisenbläulinge, nämlich die Wiesenknopf-Ameisenbläulinge (5), sind im Landkreis zu finden auf einem kleinen FFH-Schutzgebiet von 12 ha. Die Stelle allerdings ist nicht öffentlich gemacht. Ein viel größeres FFH-Schutzgebiet sind die Wiesen- und Magerrasen zwischen Hösbach (östlich von Aschaffenburg) und (nördlich von Hösbach) Rottenberg mit 274,48 ha (6). Ein noch größeres FFH-Schutzgebiet sind die 363,78 ha in den Bachtälern von Lohrbach und Aubach (7), in den der Lohrbach mündet, wegen ihrer spezifischen Artenvielfalt. Daran ist auch der Landkreis Main-Spessart beteiligt. Das größte FFH-Schutzgebiet freilich ist der Hochspessart (8) mit seinen 17.415,57 ha.

Die Landschaftschutzgebiete im Landkreis Aschaffenburg
Sie sind rechtsverbindlich festgesetzt ihrer besonderen Schutzwürdigkeit, ihrer Natur und Landschaft wegen. Ihre Entwicklung und Regenerationsfähigkeit sollen gefördert werden für die nachhaltige Nutzung ihrer Naturgüter, Vielfalt, Eigenart, Schönheit und kultur-historischer und Erholungsbedeutung.

Die 7 Landschaftsschutzgebiete im Landkreis Aschaffenburg
Der Großwelzheimer Badesee (1) in der Mainschleife bei Großwelzheim, ringsum bewaldet, ist mit seinen 2.579,84 ha ein sehr großes Landschaftsschutzgebiet. Noch größer freilich ist das Landschaftsschutzgebiet des Bayerischen Odenwalds (2) mit seinen 3.0541,4 ha, an dem allerdings der Landkreis Aschaffenburg nur sehr klein mit 2,9 % beteiligt ist, die überwältigende Mehrheit gebührt dem Landkreis Miltenberg. Noch viel größer mit 136.627,09 ha ist das Landschaftsschutzgebiet innerhalb des Naturparks Spessart. Daran beteiligt sind neben den 33,4 % des Landkreises Aschaffenburg (3) auch die Landkreise Miltenberg mit 16,8 % und Main-Spessart mit 48,7 %. Viel kleiner ist das Landschaftsschutzgebiet des Lindigwald (4) in der Gemarkung Karlstein a. Main mit seinen 245, 97 ha. Ebenso gänzlich im Landkreis Aschaffenburg ist das Landschaftsschutzgebiet der 50,68 ha Mainwiesen bei Mainhausen nördlich Aschaffenburg (5) am rechten Ufer mit ihren Mohn- und Distelblüten. Südlicher und links des Mains liegt Stockstadt mit dem Oberhübnerwald (6), ein Landschaftsschutzgebiet von stattlichen 951,81 ha Größe mit großer Vielfalt. Hingegen ein kleines, durchaus interessantes Landschaftsschutzgebiet ist bei Großostheim, links des Mains, die 9,93 ha der ehemaligen Kiesgrube Höfling: ein vielfältiges, natürlich gewachsenes Stück Buschwald (7).

Text: Hans-Werner Bunz, Foto: unbekannt

1) Naturwald-Reservate sind größere Wald­gebiete, in denen weder Holz entnommen noch forstwirtschaftliche Nutzung erlaubt sind.

Hinweis: Die Texte erforderten viel Recherche. Danken möchte ich den staatlichen Veröffentlichungen der Tabellen der Schutzgebiete, ebenso Wikipedia: ohne deren Vorarbeit hätte ich das Projekt nicht realisieren können. Doch erst mit sorgfältigem und deshalb auch langwierigem Landkartenstudium gelang es, eine brauchbare und in weiten Bereichen – so hoffe ich – eine präzise Ortsbeschreibung zu vermitteln.

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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