Teil 2: Spazieren & wandern in Unterfrankens Schutzgebieten: Landkreis Bad Kissingen – Seite 4

Der Landkreis Bad Kissingen hat im Süden als Nachbarn den Landkreis Schweinfurt, im Westen den Landkreis Main-Spessart, im Norden den Landkreis Rhön-Grabfeld und im Osten den Landkreis Haßberge. Der größte Fluss ist die Fränkische Saale, die den Landkreis teilt in Nord und Süd. Das Verwaltungs- und Kulturzentrum, die Stadt Bad Kissingen, liegt im südlichen Teil; die Fränkische Saale teilt auch sie. Die Stadt, eine Große Kreisstadt und ein Bayerisches Staatsbad, ist ein weit bekanntes Kurzentrum, eingebettet in ein Hügelland, das der Fluß im Tal durchschneidet. 22.403 Einwohner (Jahr 2020) hat die Stadt, der Landkreis hingegen 103.218 (Jahr 2018). Er ist damit der zweitgrößte in Unterfranken. Im nördlichen Teil hat der Landkreis einen respektablen Anteil an den Südausläufern des Gebirgzugs Rhön und den Nordostausläufern des Spessartberge. Der Süden hingegen ist relativ flach mit Erhebungen bis 380 m*.

Die Naturschutzgebiete und was sie auszeichnet:
Die Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität, der Vielfalt der Arten, des Ökosystems und der Genetik sowie Maßnahmen zum Artenschutz & das Ökosystem-Management.

Die Naturschutzgebiete im Süden
Nahe Nüdlingen, nur wenige Kilometer nordöstlich von Bad Kissingen, liegt das kleine, nur 2,32 ha große Naturschutzgebiet Grundwiese (1), auch Hornwiese genannt. Noch 14 km weiter im Nord-Osten, südlich von Münnerstadt, lockt das attraktive und 100,74 ha große Naturschutzgebiet der Wacholderheiden (2). Südlich von Bad Kissingen liegt der Vorort Reiterswiesen mit dem 405,15 ha großen Naturschutzgebiet (3) des Reiterswiesener Höhe-Häuserlohwäldchens – eine ehemalige US-Panzer-Übungsbahn. Östlich von Bad Kissingen und westlich von Poppenlauer erstreckt sich das 201,61 ha große Naturschutzgebiet Wurmberg-Possenberg (4). Das Naturschutzgebiet der Waldwiesen im Neuwirtshauser Forst (5), immerhin 158,21 ha groß, liegt nord-westlich vom Obertulba rechter Hand der Autobahn, linkerhand von Hassenbach. Noch weiter nord-westlich, näher an der Straße 27, liegt das Naturschutzgebiet Feuerbachmoor (6), 25,19 ha groß. Das Naturschutzgebiet des Naturwald-Reservats1 Dianensruh, 21,31 ha groß, (7) ist westlich von Münnerstadt, wohl bei Burghausen. Hingegen liegt das Naturschutz-gebiet des Naturwald-Reservats1 Dachsbau, 26,98 ha groß (8), westlich Poppenlauer, jenseits der Autobahn.

Weiter im Süd-Westen, am Ostende von Euerdorf, ist linksseitig das steile Naturschutz-gebiet Haarberg mit 23,77 ha (9). Noch weiter im Süden, bei Machtilshausen, links der Autobahnauffahrt, gibt es das Naturschutzgebiet der Trockengebiete2 mit ihren Pflanzen (10) zu bewundern, immerhin stolze 252,01 ha groß. Noch ein Stück weiter südlich, vorbei an Hammelburg auf der B 27, am Bergtal vorbei am Dorf Obereschenbach, dann oben nach dem Wald rechts abbiegen und die erste Einfahrt in den Wald nutzen, bis zum Bauernhof am Ende fahren, wo es einige Parkplätze gibt: Sie sind auf dem 506 m hohen Sodenberg-Gans (11) mit seinem 492,22 ha großen Naturschutzgebiet, das sowohl den Sodenberg selbst und das rechterhand tiefer liegende Gebiet Gans umfasst. Der Sodenberg-Gipfel ist bewaldet, den aufgelassenen, sehr tiefen Basaltbruch kann man via ehemaliger Straße besichtigen. Zum Gebiet Gans zweigt nach der Schranke ein Fahrweg ab, dem man folgen sollte. Im Frühling blühen hier viele Küchenschellen (violett-blau) und Adonisröschen (gelb) – es soll mitteleuropaweit das größte Gebiet dafür sein. Auch ein ehemaliger Basalt-Steinbruch gehört dazu, den viele seltene Pflanzen bevölkern.

Die Naturschutzgebiete im Westen
Ganz im Westen, gewissermaßen an der Grenze des Landkreises, gibt’s beim Ort Zeitlofs ein 19,23 ha großes Naturschutzgebiet für Schachblumenwiesen (12). Nicht weit von Zeitlofs hinter dem Dorf Rosbach am 477 m hohen Berg Windbühel entspringt der Fluß Schondra, der nach vielen km in die Fränkische Saale mündet; der lange Unterlauf ist ein Naturschutzgebiet (13), an dessen oberen Teil der Landkreis Bad Kissingen mit 70,93 ha beteiligt ist.

Die Naturschutzgebiete im Norden
Im Norden des Landkreises Bad Kissingen ist es sehr bergig. Das größte Naturschutzgebiet sind hier die Kernzonen im bayerischen Teil des Biosphärenreservat Rhön: 2.104,22 ha (14) sind zu betreuen und werden auch gerne besucht. Ein noch größeres Naturschutz-gebiet sind die 832 m hohen Schwarzen Berge (15) mit 3.166,79 ha, südwestlich der Kreuz-berge. Ein besonders typisches Beispiel für die eichenreichen Buchenwälder der Vorrhön ist das Naturschutzgebiet der Naturwald-Insel1Buchwald (16), freilich nur 4,13 ha klein.

Die 17 Flora-Fauna-Habitate – FFH-Schutzgebiete im Landkreis Bad Kissingen
FFH-Gebiete stehen unter dem Schutz der Europäischen Union. Sie schützen Pflanzen (Flora), Tiere (Fauna) und Lebensraumtypen (Habitate). Diese Gebiete sind Teil des europäischen Natura-2000-Netzwerks.

Im Nordwesten
Das FFH-Schutzgebiet der Hohen Rhön (1)- ein großes Gebiet, an dem Bayern einen großen Anteil verwaltet: enorme 19.260,59 ha insgesamt, an dem auch der unterfränkische Landkreis Rhön-Grabfeld beteiligt ist. Im äußersten Nordwesten am Fuß des Kreuzbergs, nahe dem Markt Wildflecken, entspringt im Landkreis Rhön-Grabfeld der Sinn, ein 70 km langer Fluss. Zuerst verläuft sein Weg süd-westwärts bis Zeitlofs, wo die Schmale Sinn (aus dem Landkreis Main-Spessart) zustößt. Verstärkt fließt der Fluß, nun im Landkreis Main-Spessart, strickt südwärts; kurz vor Gemünden verstärkt er noch die Fränkische Saale, die kurz darauf den Main erreicht. Viel kleiner ist das FFH-Schutzgebiet des Einertsberg plus Schondraberg mit den angrenzenden Wäldern (2), immerhin aber 2.379,83 ha groß (inklusive des Anteils des unterfränkischen Landkreis Main-Spessart). Recht nahe bilden zwei aufgelassene Steinbrüche – der Berg Lindenstumpf (500 m) & der Rudelberg (465 m), beide nahe Markt Schondra (3), ein 16 ha kleines FFH-Schutzgebiet. Ein großes FFH-Schutzgebiet gibt es für die Mausohren (eine Fledermausart) – so groß, dass neben dem Landkreis Bad Kissingen (4) auch der Landkreis Rhön-Grabfeld dabei ist. Süd-östlich des 528 m hohen Kreuzberg befinden sich die beiden FFH-Schutzgebiete Schmalwasser & Premichtal (5) mit 343,12 ha in der südlichen Rhön. Das Schondra-Talsystem ist mit 304 ha (6) durchaus ein stattliches FFH-Schutzgebiet, in dessen Bachlauf es Perlmuschelvorkommen gibt und offene Talabschnitte mit lückigen Auwaldresten sowie extensive Magerwiesen.
Der Sinngrund (7) im Norden des Sinntals ist ein 4,09 ha großes FFH-Schutzgebiet; die naturnahe Sinn durchfließt ein breites Wiesental mit größeren Feuchtwiesen, im Talgrund gibt’s Altwasser- und Auwaldreste; etwas sehr Besonderes ist hier Deutschlands größter Bestand von Schachblumen & – einzig in Bayern – der Wuchsort des Haarstrangblättrigen Wasserfenchels.

Im Nordosten
Ein abwechslungsreiches FFH-Schutzgebiet ist die vielfältige Flusslandschaft mit 296,45 ha des Flusses Fränkische Saale (8) vom Ort Steinach am äußersten östlichen Ende des Landkreises Bad Kissingen flußaufwärts bis zum Städtchen Heustreu im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld. Ganz anders geartet ist das große FFH-Schutzgebiet (1.874 ha) jener Laubwälder im Landkreis Bad Kissingen (9), die aus der Richtung Bad Königshofen im Osten (Landkreis Rhön-Grabfeld) landkreisüberschreitend sind mit seltenem Trockenrasen2, orchideenreicher Verbuschung sowie mit Labkraut-Eichen-Hainbuchen- & mit Waldmeister- und Orchideen-Kalk-Buchenwälder.

In der Mitte
Im Westen des Landkreises Bad Kissingen, südlich des 472 m hohen Feuerbergs, entspringt der gut 3 km kurze Bach Sippach, durchmessend das romantische Sippachtal, passierend
ca. 1 km vor der Mündung in den Oberlauf der Schondra die Sippachsmühle und nach ihr auch ein 1,52 ha kleines FFH-Schutzgebiet (10). Das Schondra-Talsystem mit 304 ha ist eine komplexe Verbindung des Flusses Schondra im Westen des Landkreises Bad Kissingen. Ein kleineres FFH-Schutzgebiet sind im Westen in der Südrhön beim Dorf Neuwirtshaus die 184 ha Waldwiesen & Moore (11) im Neuwirtshauser Forst. Ein riesiges FFH-Schutzgebiet von 4.421,81 ha sind hingegen die Wälder & Trockenstandorte2 bei Bad Kissingen & Münnerstadt (12), hier auch in den Landkreis Rhön-Grabfeld reichend.

Im Südwesten
Auch hier gibt es ein FFH-Schutzgebiet (13) für eine Mausohrkolonie (Fledermausart) um Hammelburg herum, vor allem um die Orte Machtilshausen (westlich Hammelburg) und Diebach (östlich Hammelburg. Nicht weit entfernt, nahe der Grenze zum Landkreis Main-Spessart, ragt südwestlich von Hammelburg der 506 m hohe Berg Sodenberg-Gans, ein FFH-Schutzgebiet von 493 ha (14). Es enthält den bewaldeten Gipfel des Sodenbergs inkl. eines tiefen, ehemaligen Basaltbruchs; darüber hinaus auch das tiefer liegende Gebiet Gans, das neben seltenen Adonisröschen und Küchenschellen auch einen ehemaligen Basalt-Steinbruch enthält mit vielerlei Pflanzen. Ein riesiges FFH-Schutzgebiet sind 3.591 ha des 4.000 ha großen aktiven Truppenübungsplatz südlich von Hammelburg (15), auch ein gutes Stück in den Landkreis Main-Spessart hineinreichend, eine weit gewellte Ebene mit 40-80 m Höhenunterschieden; 40 % bewaldet, 60 % sind Wiesenflächen, vorwiegend als Kalkmager- und Trockenrasen2. Ein weiteres, großes FFH-Schutzgebiet von 1.317,10 ha sind östlich von Hammelburg entlang des Saale-Tals die Wälder und Trockengebiete2 (16). Im Südosten des Landkreises südlich Rannungen und Volkershausen ist das ehemalige amerikanische Militär-gebiet des Brönnhof mit seiner Umgebung, beides auch im Landkreis Schweinfurt, ein FFH-Schutzgebiet mit 2.333,95 ha (17), in dem es neben Wildpferden und Wildschweinen viele andere Tiere und auch seltene Pflanzen und Baumarten gibt.

Die 2 Landschaftsschutzgebiete
Sie sind rechtsverbindlich festgesetzt ihrer besonderen Schutzwürdigkeit, ihrer Natur und Landschaft wegen. Ihre Entwicklung und Regenerationsfähigkeit sollen gefördert werden für die nachhaltige Nutzung ihrer Naturgüter, ihrer Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie wegen ihrer kultur-historischen Bedeutung und wegen ihrer Bedeutung für die Erholung der Menschen.

Der Landkreis Bad Kissingen hat nur zwei Landschaftsschutz-Gebiete:
Die ganze Bayerische Rhön ist ein Landschaftsschutzgebiet mit 95.976,24 ha; der Landkreis Bad Kissingen hat daran einen mehrheitlichen Anteil (1) von 53.821,06 ha. Geradezu winzig erscheint dabei in der Gemarkung Arnshausen das Landschaftsschutzgebiet Höret und Zückberg (2) mit 62,24 ha, wenige Kilometer südlich Bad Kissingen.

Text: Hans-Werner Bunz, Foto: unbekannt

1) Naturwald-Reservaten ist das Entnehmen von Holz sowie sonstige forstwirtschaftliche Nutzungen verboten.
2) Trockengebiete sind Gebiete mit geringen Wassermengen im Boden, wenig Regenfall, hohen Lufttemperaturen und starker Verdunstung.


Hinweis: Die Texte erforderten viel Recherche. Danken möchte ich den staatlichen Veröffentlichungen der Tabellen der Schutzgebiete, ebenso Wikipedia: ohne deren Vorarbeit hätte ich das Projekt nicht realisieren können. Doch erst mit sorgfältigem und deshalb auch langwierigem Landkartenstudium gelang es, eine brauchbare und in weiten Bereichen – so hoffe ich – eine präzise Ortsbeschreibung zu vermitteln.

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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