Teil 2: Spazieren & wandern in Unterfrankens Schutzgebieten: Landkreis Kitzingen – Seite 6

Der Landkreis Kitzingen ist in Unterfranken der südöstlichste, gleichzeitig östlicher Nachbar des Landkreis Würzburg, im Norden auch Nachbar des Landkreis Schweinfurt, nah bei Kolitzheim endet der Landkreis Kitzingen. Östlichster Ort ist Geiselwind, südlichster das Dorf Martinsheim-Gnötzheim, westlichster der Ort Theilheim. Der Landkreis Kitzingen bevölkern 91.155 Bewohner (31.12.2019); die Kreisstadt Kitzingen
Die Volkacher Mainschleife beherrscht der Landkreis Kitzingen, rechtsmainisch freilich begleitet der Landkreis Würzburg ein Stück weit den Fluß. Der schiffbare Main ist gewissermaßen eine Art Lebensader auch dieses Landkreises – und beglückt nach Volkach auch Dettelbach, die Kreisstadt Kitzingen, trennt die Orte Segnitz (rechtsmainisch) und Marktbreit (linksmainisch) – südlichster Punkt des Mains. Kurz nach Marktbreit beginnt der Landkreis Würzburg.

Naturschutz – was heißt das im Detail?
Der Begriff umfasst Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität, der Vielfalt der Arten, des Ökosystems und der Genetik sowie Maßnahmen zum Artenschutz & Ökosystem-Management. Naturschutz ist eine öffentliche Aufgabe, also eine Aufgabe des Staates und seiner jeweiligen Landesregierungen und deren Regionalorganisationen.

Die 15 Naturschutzgebiete im Landkreis Kitzingen
Im Norden
Der Altmain-Bogen zwischen Volkach und Schwarzach – ein Naturschutzgebiet von 63,02 ha – vereint Fließgewässer, Stillwasserzonen, Buhnenfeldern, Gehölze, Mähwiesen (1) zu einem Lebensraum bedrohter Pflanzen– und wassergebundenen Vogelarten; vom 15.12. – 15.8. ist das Verlassen der Wege verboten, Der Dürringswasen bei Astheim in der Mainschleife ist ein Naturschutzgebiet von 11,3 ha – ein Lebensraum (2) trockener, nährstoffarmer Sandböden für Moose, Flechten, gefährdete Blütenpflanzen, aber auch für Wildbienen, Zauneidechsen und Schlingnattern. 3. Der Wald an der Hallburg, ein Naturschutzgebiet von 9,42 ha (3), umfasst weitgehend den nach Norden geneigten Hangwald mit hohem Artenreichtum an Frühlingsgeophyten (Erdpflanzen, mehrjährige krautige Pflanzen); sie bewältigen ungünstige Lebensbedingungen mittels unterirdischer Organe. Am Elgersheimer Hof, östlich vom Dorf Fahr an der Mainschleife, ist das mit 3,46 ha kleine Naturschutzgebiet (4) für die Relikte der Sandgrasheiden, Lebensraum für Trockenheit und Hitze liebende, seltene Tier- und Pflanzenarten. Die 26,38 ha am Mainhang an der Vogelsburg sind neben dem Halbtrockenrasen (aufwändig zu pflegen) und dem Hangwald (5) ein Naturschutzgebiet; betreten außerhalb gekennzeichneter Wege vom 20.03. – 31.07. verboten.
Am rechten Altmainufer bei Sommerach sind die Buhnenfelder mit Auwaldresten, Hangwäldern und Wiesen (6) ein 19,48 ha großes Naturschutzgebiet. Ein weiteres Naturschutzgebiet von 93,10 ha ist die Mainaue (7) zwischen Sommerach und Köhler ein Mosaik aus Wiesen, Auwald, Weidengebüschen, Buhnenfeldern und Verlandungsflächen. Zugleich ist es auch ein Vogelschutzgebiet, das von 15.12. – 31.07. nur auf gekennzeichneten Wegen begangen werden darf. Die 105,58 ha großen Sandfluren (8) bei Volkach, Schwarzach a.M. und Sommerach sind ein Naturschutzgebiet – auch für Sandmagerrasen, –heiden und andere Flugsandflächen in Ihrer Verzahnung mit lichten Wäldern, Streuobstbeständen und Wasserläufen und vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten.
Der Belkers (9) bei Großlangheim, ein 31,26 ha großes Naturschutzgebiet im Steigerwaldvorland – ein seltener Waldtyp mit Erlen-Eschen-Auwald une Eichen-Hainbuchenwald und typischen Bewohnern wie der Bechsteinfledermaus oder waldrandabhängigen Schmetterlingsarten; von 1.3. – 15.5. darf man nur die gekennzeichneten Wege benutzen. Das 7,87 ha kleine Naturschutzgebiet Kranzer (10) in der Gemarkung Großlangheim sind seltene Feuchtbiotope mit oft sehr seltenen Pflanzenarten, weshalb sie auch Wiesenbrüter anziehen. Bei Kleinlangheim und Haidt ist das 37,80 große Naturschutzgebiet Sande am Tannenbusch (11) – trockene Sandstandorte, vernetzt mit Feuchtgebieten, Wiesen und Waldrändern.

Im Süden
Der 472 m hohe Schwanberg am Steigerwaldrand nahe Rödelsee bietet ein kleines Naturschutzgebiet von 9,27 ha (12) mit Resten eines einst ausgedehnten Kalk-Magerrasens. Beweidung bewahrt allerlei Pflanzenarten vor der Verbuschung; vielfältige Insektenarten tummeln sich, aber auch Schlingnattern. Wenige Kilometer südlich von Kitzingen ist linksmainisch das 73,67 ha große Naturschutzgebiet des Markstefter Tänning (13). Bei Markteinersheim – südlich Iphofen am Steigerwaldrand – ist der Schloßbergsattel ein 78 ha großes Naturschutzgebiet (14) auf dem Höhenrücken vom Rand des Maintals bis nach Sickerhausen nahe Kitzingen; die strukturreiche Kulturlandschaft wechselt von extensivem Ackerbau über Streuobst-Anlagen mit Waldparzellen, Feuchtflächen, Sandmagerrasen – und vielfältiger Tierweld: Amphibien, Reptilien, Vögel, Insekten, Säugetiere. Das 76,28 ha große Naturwald-Reservat1 Wolfsee ist ebenfalls ein Naturschutzgebiet (15) ohne forstliche Nutzung für einen Wald reich an Totholz: gut für eine Vielzahl an Arten wie Pilze, Moose und Tiere.

Die 10 FFH-Schutzgebiete – Flora-Fauna-Habitate – im Landkreis Kitzingen
Sie sind gleichwertig, aber anders. FFH-Schutzgebiete stehen unter dem Schutz der Europäischen Union und schützen Pflanzen (Flora), Tiere (Fauna) und Lebensraumtypen (Habitate). Diese Gebiete sind Teil des europäischen Natura-2000-Netzwerks. Diese Initiative hat als Ziel ein europäisches Schutzgebietsnetz für wildlebende Pflanzen und Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen; Vogelschutzgebiete gelten darin als besondere Schutzgebiete.

Im Norden
Die Main-Aue zwischen Grafenrheinfeld (südlich Schweinfurt) und Kitzingen ist großes, weil langes ein FFH-Schutzgebiet von 1.380,10 ha (1); südlich Stammheim a.M. endet der Anteil des Landkreis Schweinfurt, danach ein kurzes Stück durch den Landkreis Würzburg, danach bis Kitzingen im gleichnamigen Landkreis: Es ist Schutzgebiet mit Auwaldresten, Baggerseen, Sandterrassen, Altwässern und freifließendem Flussabschnitten. Bei Prosselsheim, westlich von Escherndorf, ist das Gebiet des Prosselsheimer Holz (2) mit 223 ha ein durchaus stattliches FFH-Schutzgebiet, an dem auch der Landkreis Würzburg beteiligt ist.Die Sandgebiete weiter südlich bei Schwarzach und noch weiter südlich bei Klein- & Großlangheim mit zusammen 223 ha (3) bilden ein FFH-Schutzgebiet.

Im Süden
Der Flugplatz Kitzingen (4), so seltsam es klingen mag, ist ein 119,71 ha großes FFH-Schutzgebiet mit basenreichem Sandrasen; gelegen bei Kitzingen-Etwashausen ist er heute nur genutzt vom örtlichen Luftsportclub. Die Labkraut- & Sternnieren-Eichen-Hainbuchenwälder zwischen Mainbernheim, Willanzheim und Tiefestockheim (5) sind ein FFH-Schutzgebiet, 301,74 ha groß, mit Bewohnern wie die Gelbauchunke, den großflügeligen Nachtfalter „Spanische Flagge“ und den Hirschkäfern. Ein weiteres FFH-Schutzgebiet, 25 ha klein, liegt zwischen Willanzheim und Markteinersheim (6): Es sind die Kalkluftquellen. Die Trockentalhänge im südlichen Maindreieck (7) sind mit ihren 511,77 ha ein stattliches FFH-Schutzgebiet, an dem auch der Landkreis Würzburg beteiligt ist. Ein sehr großes FFH-Schutzgebiet ist die Region Vorderer Steigerwald (8) mit dem 472 m hohen Schwanberg: riesige 8.350,89 ha! Daran beteiligt ist auch der Landkreis Neutstadt/Aisch-Bad Windsheim.

Eine Besonderheit sind die streng geschützten Mausohr-Kolonien (9), eine Fledermaus-Art, die im Steigerwald-Vorland als FFH-Schutzgebiet bis in den Landkreis Haßberge zu finden sind. Gleiches gilt auch für die 4,74 ha der Fledermaus-Winterquartiere im FFH-Schutzgebiet von Steigerwald & Frankenhöhe (10), daran auch die Landkreise Ansbach un Neutstadt/Aisch-Bad Windsheim partizipieren.

Die 4 Landschaftsschutzgebiete
Sie sind rechtsverbindlich festgesetzt ihrer besonderen Schutzwürdigkeit, ihrer Natur und Landschaft wegen. Ihre Entwicklung und Regenerationsfähigkeit sollen gefördert werden für die nachhaltige Nutzung ihrer Naturgüter, ihrer Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie wegen ihrer kultur-historischen Bedeutung und wegen ihrer Bedeutung für die Erholung der Menschen.

Die Volkacher Mainschleife ist als Ganzes ein 5326,45 ha großes Landschaftsschutz-Gebiet, an dem der Landkreis Kitzingen den größten Anteil hat mit 3.297,63 ha (1). Ebenfalls ein Landschaftsschutz-Gebiet sind verschiedene Landschaftsteile der Gemeinde Reupelsdorf plus dem zugehörigen Staatswald Revier (2), beachtliche 210,6 ha. Beteiligt ist der Landkreis Kitzingen beachtlich mit 12.375,2 ha am Landschaftsschutz-Gebiet Naturpark Steigerwald (3), der insgesamt 88.488,44 ha (!) groß ist. Sehr groß ist auch das Landschaftsschutz-Gebiet des Naturpark Haßberge mit insgesamt 56.347,57 ha, woran der Landkreis Kitzingen den größten Teil verantwortlich betreut: 37.526,49 ha (4).

Text: Hans-Werner Bunz, Foto: unbekannt

Hinweis: Die Texte erforderten viel Recherche. Danken möchte ich den staatlichen Veröffentlichungen der Tabellen der Schutzgebiete, ebenso Wikipedia: ohne deren Vorarbeit hätte ich das Projekt nicht realisieren können. Doch erst mit sorgfältigem und deshalb auch langwierigem Landkartenstudium gelang es, eine brauchbare und in weiten Bereichen – so hoffe ich – eine präzise Ortsbeschreibung zu vermitteln.

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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