Teil 2: Spazieren & wandern in Unterfrankens Schutzgebieten: Landkreis Main-Spessart – Seite 8

Der Landkreis Main-Spessart schließt sich an die unterfränkischen Landkreise Bad Kissingen im Norden, Schweinfurt im Osten und Würzburg im Süd-Osten (alle in Bayern) und bildet den Übergang nach Westen – ein kleines Stück auch zum baden-württembergischen Landkreis Main-Tauber – danach auch an die unterfränkisch-bayerischen Landkreise Miltenberg und Aschaffenburg. Die Grenze des hessische Main-Kinzig-Landkreis im Norden ist gewissermaßen ein Stück weit die Klammer zwischen den bayerischen Landkreisen Bad Kissingen und Aschaffenburg. Die „Hauptstadt“ des Landkreis Main Spessart ist Karlstadt am Main, eine Kreisstadt mit 15.004 Einwohnern (Jahr 2018); der Landkreis selbst hat 126.158 Einwohner (31.12.2019).

Naturschutz – was heißt das im Detail?
Der Begriff umfasst Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität, der Vielfalt der Arten, des Ökosystems und der Genetik sowie Maßnahmen zum Artenschutz & Ökosystem-Management. Naturschutz ist eine öffentliche Aufgabe, also eine Aufgabe des Staates und seiner jeweiligen Landesregierungen und deren Regionalorganisationen.

Die 15 Naturschutzgebiete des Landkreis Main-Spessart
Dieser Landkreis ist in der Fläche mit Abstand der größte mit 1.321,42 km2 in Unterfranken. Karlstadt a. Main als Kreis- und Verwaltungsstadt dieses Landkreises – nur 30 km mainabwärts von Würzburg. 14.948 der 121.158 Einwohner des Landkreises leben in Karlstadt, eine Stadt mit 12 Gemeindeteilen im Umkreis. Karlstadt selbst ist eine sehenswerte Stadt mit interessanten historischen Datails wie die einstige Karlsburg am gegenüberliegenden Ufer des Mains, aber auch das Maintor, die Altstadt mit dem historischen Rathaus sind sehens- und besuchenswert.

Im Norden
Ein stattliches Naturschutzgebiet von 379,14 ha, ganz im Norden des Landkreises, ist der Sinngrund bei Obersinn (1): Hier gibt es – im Frühjahr – die seltene, violette Schachblume zu bewundern in erstaunlicher Menge – es ist das größte Vorkommen in Deutschland; die Feuchtwiesen der Sinn sind offenbar ideal dafür. Deutlich kleiner mit 32,26 ha ist das Naturschutzgebiet des Naturwald-Reservat1 Gansbrunn am Nordwesthang (2) des 485 m hohen Einertsberg oberhalb der Quelle des Leitenbachs (bereits Teil der Rhön; die Sinn grenzt Spessart und Rhön). Das mit 19,46 ha kleine Naturschutzgebiet des Naturwaldreservat1 Schubertswald (3) ist rechts der Sinn wenige Kilometer südwestlich der Einmündung des Fluß Jossa in die Sinn.

Weiter westlich im Spessart, südwestlich von Partenstein beim Ort Krommenthal, liegt an dessen höchster Erhebung, dem 388 m hohen Mittelrain, das beachtliche, 268,94 ha große Naturschutzgebiet der Spessartwiesen (4). Im Osten des Landkreises, süd-östlich Gemünden ist bei Gössenheim a.d. Wern lockt das 612,32 ha große, wildromantische Naturschutzgebiet rund um die Ruine des einstigen Schlosses Homburg (5) mit ihren Trockenwiesen, deren seltene Pflanzen plus schöner Aussicht. Weiter südlich, Wern aufwärts, gibt es bei Eußenheim a.d. Wern das 26,84 ha kleine Naturschutzgebiet Giebel (6) – ein ehemahliger Weinberg, gekrönt von Wald, der wohl an der Nordseite sich fortsetzt. Es gibt darin an die 56 verschiedene Pflanzenarten.
Nach Gemünden wendet sich der Main wieder nach Süden bei Lohr, einer besuchens-werten, schönen Stadt links des Main; südlich des Ortsteils Sendelbach gibt es das 55,65 ha große Naturschutzgebiet Romberg (7). Nur wenige Kilometer nördlich der Kreisstadt Karlstadt liegt Karlburg, allerdings links des Mains: zwischen diesem Ort und – flußabwärts – Wiesenfeld ist das 273,76 ha umfassende Naturschutzgebiet Mäusberg-Rammersberg-Ständelberg (9) zu finden. Geprägt von relativ geringen Niederschlagsmengen sind hier seltene Pflanzenarten zu finden wie Diptam, Adonisröschen und Orchideen, aber auch allerlei Schmetterlingsarten. Direkt bei Karlstadt, aber auch beim nordöstlich gelegenen Eußenheim a.d. Wern befindet sich die Naturschutzgebiete Grainberg (einstiger Steinbruch)-Kalbenstein (Muschelkalk) & Saupurzel (Flugsande); es ist ein Trockengebiet2-Verbund (10).

Im Süden
Südwestlich von Karlstadt und nordwestlich von Marktheidenfeld fließt südöstlich der Heinrichsbach; sein Oberlauf – entstanden beim höchsten Berg des Spessart, dem 546 m hohen Geiersberg – sind 42,52 ha das Naturschutzgebiet Weihersgrund (11).
Genauer: im Südwesten östlich bei Marktheidenfeld a.M. sind 36,58 ha des fast an der Stadt befindlichen Kreuzberg ein Naturschutzgebiet (12). Weitere 158,09 ha dieses Kreuzbergs sind ein Vogelschutzgebiet für eine Graureiher-Kolonie (13). Südlich davon liegt das kleine Naturschutzgebiet Kallmuth mit 18,11 ha (14) im Triefensteiner Tal. Bei Homburg a.M. sind 18,11 ha des Hangs oberhalb des Weinbergs ein Naturschutzgebiet (15).

Die FFH-Schutzgebiete im Landkreis Main-Spessart
Sie sind gleichwertig mit den Naturschutzgebieten aber anders. Als Initiative der Europäischen Union verfolgen sie das Ziel, ein Schutzgebietsnetz aufzubauen fürs Erhalten wildlebender Pflanzen und Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen.

Die 21 FFH-Schutzgebiete im Landkreis Main-Spessart
Im Norden
Der Einertsberg (östlich von Mittelsinn) & der südlichere Schondraberg mit angrenzenden Wäldern – zusammen ein großes Wald und FFH-Schutzgebiet (1) von 2.379,83 ha östlich und südlich von Burgsinn, an dem auch der Landkreis Bad Kissingen partiziert; es sind vielfältige Wälder: Schlucht- & Hangmischwälder mit Erlen, Eschen und Weichholz-Auenwälder und vielen anderen Baumarten und seltenen Bewohnern, wie Bechstein-Fledermaus und das Große Mausohr, aber auch mit Kammmolchen in den Gewässern. Ein kleiner Anteil im Norden des Gramschatzer Wald – ein FFH-Schutzgebiet von 4.241,08 ha mit nur wenig Wiesentälern – ist Teil des Landkreis Main-Spessart (2) beim Treffen mit dem Arnsteiner Stadtwald (Main-Spessart).
Ein noch viel größeres FFH-Schutzgebiet ist der Hochspessart (3) mit 17.415,57 ha; freilich partizipieren daran auch die Landkreise Miltenberg & Aschaffenburg. Die 363,78 ha des Lohrbachtals mit seinen Schwingrasenmooren, artenreichen Borstgrasrasen, Hochstaudenfluren, Weichholz-Auenwäldern plus seines Zuflusses Aubach sind ein FFH-Schutzgebiet (4) mit Bibern, den Fischen Grotte & Bachneunauge; der Landkreis Aschaffenburg partizipiert auch daran. Ein vergleichsweise kleiner Anteil am FFH-Schutzgebiet Sodenberg-Gans (5) mit seinen 493 ha gehört auch zum Landkreis Main-Spessart.
Hingegen ist das lange Talsystem des Flusses Schondra (6), bei Gräfendorf in die Fränkische Saale mündend, mit 304 ha ein FFH-Schutzgebiet, an dem auch der Landkreis Bad Kissingen partizipiert. Das tief eingeschnittene Tal rahmen steile Laubwald-Hänge, der Talgrund der mäandernden Schondra begleiten Ufergehölz, Auenwaldflächen, Hochstaudenfluren und Feuchtwiesen. Ganz anders beim 409 ha großen FFH-Schutzgebiet des Sinngrund (7) mit seinen Hochstaudenfluren, Erlen-, Eschen- & Weichholz-Auenwäldern, in den Gewässern Biber und Bachneunauge sowie 2 Arten der Ameisnbläulinge. Ganz anders ist die Landschaft beim Truppen-Übungsplatz Hammelburg mit seinen 3.591 ha: ein sehr großes FFH-Schutzgebiet mit 80 m Höhenunterschieden (8), den Erlen-, Eschen- & Weichholzauenwäldern, den Buchenwäldern mit Waldmeister und Orchideen, diversen Fledermausarten, Gelbbauchunken, Kammmolchen, Hirschkäfern & Ameisenbläulingen & der Orchidee Frauenschuh.
Weiter westlich, nördlich von Lohr, ist ein seltenes FFH-Schutzgebiet beim 370 m hohen Salzberg nördlich von Halsbach: eine Graureiher-Kolonie (9), der eine Fläche von 158,32 ha zusteht; es sind vor allem Erlen-, Eschen- & Weichholz-Auenwälder. Südlich von Lohr sind 56 ha des überwiegend bewaldeten Romberg ein FFH-Schutzgebiet (10) für Reste von Sandmagerrasen, mageren Wiesen, Streuobstbeständen, sandigen Äckern plus feuchtem Waldbereich mit Tümpel. Weiter südlich sind die Trockengebiete (11) der Hänge von Karsbach bis nach Stetten (süd-östlich von Karlstadt) mit ingesamt 748,43 ha ein vielgestaltiges FFH-Schutzgebiet.
Eine Besonderheit sind die beiden FFH Schutzgebiete der Winterquartiere für die Mopsfledermaus im Spessart mit 7 ha (12) und bei Karlstadt (13). Ebenso die Mausohr-Wochenstuben (14) weiter westlich (auch im Gebiet Landkreis Miltenberg).

Im Süden
Von Gambach, ca. 6 Kilometer nördlich der Kreisstadt Karlstadt, bis mainaufwärts Veitshöchheim (südlich Retzbach beginnt der Landkreis Würzburg) sind die 866,15 ha der Maintalhänge (15) ein vielfältiges FFH-Schutzgebiet. Gewissermaßen parallel ist auf der anderen Uferseite des Mains bei Zellingen der Gemeindewald (16) mit seinen 842,13 ha ein FFH-Schutzgebiet, an dem auch ein Stückweit der Landkreis Würzburg partizipiert. Ein interessantes FFH-Schutzgebiet sind, 8 km nordwestlich Karlstadt bei Wiesenfeld, linksmainisch der Mäusberg & Rammersberg & Ständelberg (17), ein Wanderweg von 2,2 km bietet schöne Ausblicke. Weiter im Westen, südlich vom Markt Heidenfeld, sind bei Homburg a.M. die Prallhänge von Kallmuth & Hübschenberg oberhalb des Weinanbaus ein 18 ha FFH-Schutzgebiet (18): besonders steile grasbewachsene, großflächige Trockengebiete mit Gamander-Blaugrashalden. Ganz im Südwesten des Landkreis Main-Spessart, zwischen Kreuzwertheim (rechtsmainisch) und – im Landkreis Miltenberg linksmainisch – Bürgstadt sind die 617,09 ha Maintalhänge (19) ein interessantes und vielfältiges FFH-Schutzgebiet; 45 km entlang des Mains ein Radweg im malerischen Flußtal mit romantischer Natur.
Ein weiteres FFH-Schutzgebiet von Magerstandorten (20) – Trockenrasen, bei denen Trockenheit die Ursache der Ertragsarmut ist – gibt es mit 168,26 ha bei Markt Heidenfeld und beim südlich anschließenden Triefenstein. Ein kleines FFH-Schutzgebiet mit nur 3,13 ha ist das Naturdenkmal Unterer Klingelbachgraben (21).

Die Landschaftsschutzgebiete im Landkreis Main-Spessart
Sie sind rechtsverbindlich festgesetzt ihrer besonderen Schutzwürdigkeit, ihrer Natur und der Landschaft wegen. Ihre Entwicklung und Regenerationsfähigkeit sollen gefördert werden für die nachhaltige Nutzung ihrer Naturgüter, ihrer Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie wegen ihrer kulturhistorischen Bedeutung und wegen ihrer Bedeutung für die Erholung der Menschen.

Die 2 Landschaftsschutzgebiete im Landkreis Main-Spessart
Den Naturpark Spessart in seiner ganzen Größe mit insgesamt 136.408,90 ha teilen sich viele Landkreise; der Anteil des Landkreises Main-Spessart sind rund ein Sechstel: nämlich 22.869,50 ha (1). Einen viel größeren Anteil hat der Landkreis Main-Spessart an den 30.468,20 ha des Bayerischen Odenwalds: nämlich 29.590,77 ha (2).

Text: Hans-Werner Bunz, Foto: unbekannt

Hinweis: Die Texte erforderten viel Recherche. Danken möchte ich den staatlichen Veröffentlichungen der Tabellen der Schutzgebiete, ebenso Wikipedia: ohne deren Vorarbeit hätte ich das Projekt nicht realisieren können. Doch erst mit sorgfältigem und deshalb auch langwierigem Landkartenstudium gelang es, eine brauchbare und in weiten Bereichen – so hoffe ich – eine präzise Ortsbeschreibung zu vermitteln.

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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