Teil 2: Spazieren & wandern in Unterfrankens Schutzgebieten: Landkreis Miltenberg – Seite 9

Der Landkreis Miltenberg schließt sich unmittelbar an die unterfränkischen Landkreise Main-Spessart (im Osten) und Landkreis Aschaffenburg (im Norden) sowie an baden-württembergische und hessische Landkreise. Mit einer Fläche von 715,86 km2 ist er einer der kleineren Landkreise in Unterfranken, hinsichtlich der Bevölkerung von 128.743 Bürgern und Bürgerinnen aber einer der großen. Die dem Landkreis namensgebende Kreisstadt Miltenberg mit ihren Behörden liegt direkt am Main, der hier sich wieder nach Norden wendet Richtung Aschaffenburg. Bei Miltenberg lockt gegenüber, rechtsmainisch also, der Spessart, links des Mains südlich Miltenberg der Odenwald, an dem der Landkreis erheblich beteiligt ist.

Naturschutz – was heißt das im Detail?
Der Begriff umfasst Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität, der Vielfalt der Arten, des Ökosystems und der Genetik sowie Maßnahmen zum Artenschutz & Ökosystem-Management. Naturschutz ist eine öffentliche Aufgabe, also eine Aufgabe des Staates und seiner jeweiligen Landesregierungen und deren Regionalorganisationen.

Die 10 Naturschutzgebiete im Landkreis Miltenberg
Im Norden
Beim rechtsmainischen Sulzbach im äußersten Norden des Landkreises mündet der Sulzbach in den Main. Seine mäandrierenden Bachläufe mit denen des Leidersbach bilden ein Feuchtwiesenbiotop im Sulzbachtal (1) sind ein 25,34 ha großes Naturschutzgebiet für seltengewordenen Tier- und Pflanzenarten. Und gleich daneben, allerdings entlang des Mains, sind die Mainauen bei Sulzbach & flußaufwärts bei Kleinwallstadt (2) ha 89,05 ha großes Naturschutzgebiet – es sind die letzten Mainauen am Untermain. Ein weiteres Bachtal, das Aubachtal bei Wildensee (östlich von Sommerau & Eschau), wo der Aubach auf 370 m Höhe entspringt, sind 62,87 ha entlang des Bächleins (3) ein Naturschutzgebiet; Ziel ist eine Wiederherstellung dieses Bachtals mit einer bedeutenden Population von Bachneunaugen & Groppen. Ein kleines Stück flußabwärt von Miltenberg liegt rechts des Mains Großheubach mit viel Wald im Hintergrund: Vom Wald am Busigberg (4) sind 27,64 ha ein Naturschutzgebiet, ebenso ein Naturschutzgebiet von 17,35 ha bietet der Wald an der Maihölle (5).
Nördlich von Miltenberg flußaufwärts, fast schon ein Vorort, liegt Bürgstadt, ein besuchenswerter Ort; die einstigen Buntsandstein-Brüche, bzw. 24,55 ha davon, sind ein Naturschutzgebiet (6). Ein weiteres Naturschutzgebiet ist – weiter stromaufwärts – der rechts des Mains befindliche Buntsandstein-Bruch bei Reistenhausen (7). Noch weiter östlich Main aufwärts sind beim rechtsmainischen Dorfprozelten die 16,45 ha der Bundsandsteinbrüche ein Naturschutzgebiet (8. Und noch weiter östlich, rechts des Mains, sind zwischen Faulbach a.M. und Breitenbrunn sind 38,62 ha des Grohberg (9) ein Naturschutzgebiet.

Im Süden
Direkt an der westlichen Grenze des Landkreis Miltenberg, die zugleich auch die bayerische Grenze ist, liegt westlich der Eutergrund bei Bullau, ein hessischer Ort auf 515 m Höhe. Der Eulerbach entspringt nördlich davon, läuft strikt nach Süden, passiert gleich den Eulergrund und touchiert die dortige Grenze zu Bayern und zum Landkreis Miltenberg: ein kurzes Stück von 3,97 ha ist ein Miltenberger Naturschutzgebiet (10).

Die Flora, Fauna-Habitate – FFH-Schutzgebieteim Landkreis Miltenberg
Sie sind gleichwertig, aber anders. FFH-Schutzgebiete stehen unter dem Schutz der Europäischen Union. Sie schützen Pflanzen (Flora), Tiere (Fauna) und Lebensraumtypen (Habitate). Diese Gebiete sind Teil des europäischen Natura-2000-Netzwerks. Diese Initiative hat als Ziel ein europäisches Schutzgebietsnetz für wildlebende Pflanzen und Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen; Vogelschutzgebiete gelten darin als besondere Schutzgebiete.

Die 9 FFH-Schutzgebiete im Landkreis Miltenberg
Im Norden
Der Hochspessart – damit sind die Berge ab 500 m Höhe gemeint – 15 insgesamt – im Norden vom Schwarzen Berg mit 521 m bis im Süden zur gleichhohen Geishöhe. Als höchster Berg gilt der Geiersberg mit 586 m im Süden des Gebirges. Das damit verbundene, 17.415,57 ha umfassende, riesige FFH-Schutzgebiet (1) teilen sich einige Landkreise: neben den bayerischen Miltenberg, Aschaffenburg und Main-Spessart auch hessische.
Ein interessantes FFH-Schutzgebiet sind – hoch im Nordwesten des Landkreises – die 301 ha der Maintal-Hänge (2) zwischen dem rechtsmainischen Sulzbach und Kleinwallstadt; hier findet man feuchte Hochstaudenfluren und Erlen-, Eschen- & Weichholz-Auenwälder, heimisch ist hier der seltene dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Der Bach Aubach entspringt ca. 6 km Luftlinie nördlich von Dorfprozelten a.M. bei Wildensee; von dort ist das Aubachtal (3) für 66,54 ha ein FFH-Schutzgebiet und der Bach bevölkert mit den Fischen Groppe und Bachneunauge.
Ein besonderes FFH-Schutzgebiet sind auch die Mausohrwochenstuben im Spessart (4); an diesem partizipiert auch der Landkreis Main-Spessart.

Im Süden
Nahe Miltenberg ab Bürgstadt sind 617,9 ha der Maintalhänge (5) flußaufwärts bis zum baden-württembergischen Wertheim ein FFH-Schutzgebiet, auch der Landkreis Main-Spessart ist beteiligt; hier gibt es artenreiche Borstgrasrasen, Erlen, Eschen, Weichholz-Auenwälder, Laabkraut-Eichen-Hainbuchenwälder und Buchenwälder und als Seltenheit die Nachtfalterart „Spanische Flagge“, den Ameisenbläuling Dunkler Wiesenknopf sowie die Schmale Windelschnecke. Ganz im Südwesten des Landkreis Miltenberg, dicht an der Grenze Bayerns, sind drei Seen (6) im oberen Breitenbachtal bei Breitenbuch ein schönes und besuchenswertes 39,59 ha großes FFH-Schutzgebiet, das Arten und Lebensräume beheimatet, die mittlerweile selten sind. Östlich von Miltenberg bei Umpfenbach ist ein ehemaliges Steinbruchgelände ein 46,65 ha großes FFH-Schutzgebiet (7) in dem die Gelbbauchunke vorkommt – in einem Maße, dass diese Region dafür als wichtigste des Odenwalds gilt. Südlich von Miltenberg sind um Amorbach die Täler der Odenwald-Bäche (8) mit 547,71 ha ein stattliches FFH-Schutzgebiet, in dem neben Weichholz-Auenwälder auch allerlei kleine & schützenswerte Tiere wie die Fische Groppe & Bachneunauge, aber auch zweierlei Falter der Art Ameisenbläuling zuhause sind. Im äußersten Südosten des Landkreises sind die Steinbrüche (9) nördlich von Kirchheim ein 82,81 ha großes FFH-Schutzgebiet.

Die Landschaftsschutzgebiete im Landkreis Miltenberg
Sie sind rechtsverbindlich festgesetzt ihrer besonderen Schutzwürdigkeit, ihrer Natur und der Landschaft wegen. Ihre Entwicklung und Regenerationsfähigkeit sollen gefördert werden für die nachhaltige Nutzung ihrer Naturgüter, ihrer Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie wegen ihrer kulturhistorischen Bedeutung und wegen ihrer Bedeutung für die Erholung der Menschen.

Die 2 Landschaftsschutzgebiete im Landkreis Miltenberg

Das Landschaftsschutzgebiet des Naturpark Spessart (1) ist als Ganzes 136.408,90 Hektar groß, der Landkreis Miltenberg hat daran Anteil einen Anteil von 22.869,50 ha, was in etwas ein Sechstel ist. Weitere Anteile haben der Landkreis Aschaffenburg und der Landkreis Main-Spessart. Der Bayerische Odenwald (2) umfasst als Landschaftsschutzgebiet 30.486,20 ha; der Anteil des Landkreis Miltenberg sind daran fast das Ganze: 29.590,77 ha. Der Odenwald insgesamt freilich ist mehr als doppelt so groß: 65.000 ha. Geologisch ist der Odenwald größtenteils eine Formation des Buntsandsteins. Der höchste Berg ist 626,8 m hoch, der höchste im bayerischen Teil erhebt sich südwestlich von Amorbach bei Dürsbach auf 539 m.

Text: Hans-Werner Bunz, Foto: unbekannt

Hinweis: Die Texte erforderten viel Recherche. Danken möchte ich den staatlichen Veröffentlichungen der Tabellen der Schutzgebiete, ebenso Wikipedia: ohne deren Vorarbeit hätte ich das Projekt nicht realisieren können. Doch erst mit sorgfältigem und deshalb auch langwierigem Landkartenstudium gelang es, eine brauchbare und in weiten Bereichen – so hoffe ich – eine präzise Ortsbeschreibung zu vermitteln.

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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