Teil 2: Spazieren & wandern in Unterfrankens Schutzgebieten: Landkreis Rhön-Grabfeld – Seite 5

Der Landkreis Rhön-Grabfeld ist der nördlichste in Unterfranken und bildet zugleich die Grenze Bayerns zu Thüringen und im Westen ein Stück weit zu Hessen. Mit einer Fläche von 1.021,77 km2 ist er von mittlerer Größe. Seine 79.635 Einwohner (Dez. 2019) sind vor allem in Dörfern und kleinen Städten zuhause, die „Haupt- und Verwaltungsstadt“ des Landkreises, Bad Neustadt a.d. Saale, freilich zählt 15.358 Einwohner (Jahr 2019). Die Stadt ist zugleich das Kulturzentrum des Landkreises.

Naturschutz – was heißt das im Detail?
Der Begriff umfasst Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität, der Vielfalt der Arten, des Ökosystems und der Genetik sowie Maßnahmen zum Artenschutz & Ökosystem-Management. Naturschutz ist eine öffentliche Aufgabe, also eine Aufgabe des Staates und seiner jeweiligen Landesregierungen und deren Regionalorganisationen.

Die 20 Naturschutzgebiete des Landkreis Rhön-Grabfeld

Das Bergland der Hochrhön und dessen Vorland
Sie ist das größte Naturschutzgebiet dieses Landkreises: Die Lange Rhön (1)- ein riesiges Gebiet von 3.288,52 ha, auch Hohe Rhön genannt, entlang der Grenze zu Hessen nördlich von Bischofsheim bis weit in den hessischen Landkreis Fulda hineinreichend. Der Anteil des Landkreises Rhön-Grabfeld endet nördlich Fladungen, der nördlichsten Stadt Bayerns; der weiter südlich sich erhebende höchste Berg der bayerischen Rhön, der Kreuzberg, gehört natürlich auch dazu. Das Naturwald-Reservat1 Eisgraben (2), auch Aschelbach genannt, ist ein Naturschutzgebiet von 29,89 ha ganz im Norden dieses Landkreises; ein Bach, entsprungen der Langen Rhön, das Schwarze Moor streifend, und nach einer Fließstrecke in einem Wasserfall in einem tief eingeschnittenen Kerbtal in der Fladunger Mulde in das Flüßchen Streu mündend. In der gleichen Region, nördlich der über 710 m hohen Rother Kuppe, findet man beim Weiler Hillenberg das 28,71 ha große Naturschutzgebiet (3) des Naturwald-Reservat1 Schloßberg, gekrönt von einer Kapelle.
Interessant ist auch das Sinn-Quellgebiet plus dem Südhang des 843 m hohen Arnsberg (4), ein 161,05 ha großes Naturschutzgebiet, gelegentlich mit Sicht weit ins Land. Ein anderer Bach, der Elsbach, mündend südlich in die Streu, vereint zwei Zuflüsse beim Markt Oberelsbach; nordwestlich davon erstreckt sich das Naturschutzgebiet Mühlwiesen mit 69,59 ha (5) entlang der Els. Direkt anschließen bietet der 737 m hohe Gangolfsberg ein 179,50 ha großes Naturschutzgebiet (6) mit Basaltsäulen & Basaltprismenwänden und einem Buchenmischwald, reich an Eiche & Edellaubholz. Direkt anschließend ist das 75,31 ha große Naturschutzgebiet Dünsberg (7).
Etwas süd-westlicher, nordöstlich von Bischofsheim zwischen den Weilern Bauersberg und Weisbach ist das 302,42 ha große Naturschutzgebiet des Steinberg & Weinberg (8). Ein anderes interessantes Naturschutzgebiet sind, nordwestlich von Bischofsheim, die 98,94 ha der Feuchtbereiche am Steizbrunngraben (9). Ganz im Norden der Hochröhn, nördlich von Ostheim v.d. Rhön gibt es das Naturschutzgebiet Weyhershauk (10) mit 26,27 ha – wohl eines der wertvollsten im Biosphärenreservat Rhön. Es bietet sogar einen naturkundlichen Lehrpfad. Ein Sprung nach Osten: Nahe der thüringischen Grenze gibt es bei Mühlfeld das 26,81 ha große Naturschutzgebiet Hubholz (11).

Das Grabfeld und das Henneberger Hügelland
Nördlich von Bad Königshofen im Grabfeld, nah der Grenze zu Thüringen, liegt nordöstlich von Ottelmannshausen und südöstlich von Irmelshausen das recht stattliche Natur-schutzgebiet Poppenholz mit seinen 210,20 ha (12) – ein bewaldetes Gebiet mit Trocken-hängen (mit geringen Wassermengen im Boden) und mit vorgelagerten Hecken. Östlich von Bad Königshofen i.G., bei Trappstadt, ist ein weiteres Naturschutzgebiet, Altenberg (13) genannt; es erstreckt sich mit seinen 254,17 ha nordöstlich, östlich und südöstlich um Trappstadt entlang der Landesgrenze zu Thüringen. Ebenso sehenswert sind die 268,28 ha großen Trockengebiete* (14) nordwestlich von Mittelstreu – ein interessantes Naturschutzgebiet.

Die nördlichen Haßberge
In der Gemarkung Alsleben, sind die Trocken- und Halbtrockenrasen mit Gebüschen, Einzelbäumen und Gehölzgruppen ein Naturschutzgebiet von 26.86 ha (15). Auch das 9,87 ha kleine Naturschutzgebiet Nesselgrund (16) liegt im nördlichen Teil der Haßberge, ca. 8 km südlich der Stadt Bad Königshofen i.G. zwischen der Einöde Sambachshof (inzwischen auch ein Ausflugsziel) und nord-westlich von Bundorf (Landkreis Haßberge). In dieser Region ist auch das Naturschutzgebiet des 51,5 ha großen Naturwald-Reservat1 Nesselsee (17) zu finden. Südlich von Bad Neustadt im Bereich des Vororts Salz (und südlich davon) sind die Saalewiesen ein mit 152,7 ha stattliches Naturschutzgebiet (18) und zweifellos ein Erlebnis. Nur wenige Kilometer nördlich von Bad Neustadt bietet die Gemeinde Unsleben neben dem Wasserschloss als zweite Attraktion: das Naturschutzgebiet der 40,85 ha Unslebener Trockenhänge (19).
Gewissermaßen außer der Reihe sind die bayerischen Biosphären-Kernzonen ein großes Naturschutzgebiet von 1.376,06 ha (20). Sie erstrecken sich auch auf den Landkreis Bad Kissingen. Geschützt werden sollen die natürlich ablaufenden Prozesse ohne Einfluss des Menschen.
1) Verbot von Holzentnahme & sonstige forstwirtschaftliche Nutzungen)

Die Flora-Fauna-Habitate – FFH-Schutzgebiete – im Landkreis Rhön-Grabfeld
Sie sind gleichwertig, aber anders. FFH-Schutzgebiete stehen unter dem Schutz der Europäischen Union. Sie schützen Pflanzen (Flora), Tiere (Fauna) und Lebensraumtypen (Habitate). Diese Gebiete sind Teil des europäischen Natura-2000-Netzwerks. Diese Initiative hat als Ziel ein europäisches Schutzgebietsnetz für wildlebende Pflanzen und Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen; Vogelschutzgebiete gelten darin als besondere Schutzgebiete.

Die 19 FFH-Schutzgebiete im Landkreis Rhön-Grabfeld
Das Bergland der Hochrhön und ihr Vorland
Die ganze Bayerische Hohe Rhön (1) ist mit enormen 19.260,59 ha ein FFH-Schutzgebiet, an dem im Süden auch der Landkreis Bad Kissingen beteiligt ist; es sind Hochlagen mit weiträumigen, mosaikartig verzahnten, vielgestaltigen Wiesengesellschaften, großflächigen Borstgrasrasen sowie wertvollen Moorgebieten, darüber hinaus strukturreiche Wälder. In den Bächen gibt es u. a. das seltene Bachneunauge, aber auch den Kammmolch, in der Luft flattern der Goldene Schneckenfalter und der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling; am Boden wachsen Frauenschuz und firnisglänzendes Sichelmoos. Östlich von Bischofsheim a.d.Rhön entspringt die Brend als Bach, wendet sich nach Bischofsheim Richtung Süd-Osten, passiert nach den 460 m hohen Bergen Debachsberg (rechts) und Lembachsberg (links) den Ort Schönau und mündet bei Bad Neustadt in die Fränkische Saale; 424,23 ha dieses Tales (2) sind ein FFH-Schutzgebiet. Bei Schönau gibt noch ein 3 ha kleines FFH-Schutzgebiet (3): einige Teiche. Ebenso ein FFH-Schutzgebiet, ein sehr großes sogar mit 1.275,52 ha, ist das Bachsystem des Flüßchens Streu (4). Ein durchaus stattliches FFH-Schutzgebiet sind die Trockengebiete mit 789,74 ha (5) vor der Rhön zwischen Mellrichstadt und Fladungen; hier findet man Kalk-Trockenrasen und viele Orchideenarten, auch Waldmeister-Buchenwälder und Wacholderbestände, Gelbbauchunken und den Goldenen Schneckenfalter. Ganz im Osten des Landkreises – und aus Osten kommend fließt die Milz zwischen Irmelshausen und Kleineibstadt, wo sie die Fränkische Saale verstärkt; beide, Milz- & oberes Tal der Fränkischen Saale sind mit 757,51 ha ein FFH-Schutzgebiet (6). Der Trockenverbund (7) vom Gebiet Rhön zum Gebiet Grabfeld zwischen Oberelsbach und Bastheim ist ein 616,49 ha großes FFH-Schutzgbiet mit Trockenrasen, allerlei Orchideen, Hainbuchen- und Buchenwäldern, Wachholderbeständen; hier fühlt sich auch die Bechsteinfledermaus heimisch. Westlich von Bad Neustadt bilden zwei Täler, das Schmalwassertal mit dem Bach Schmalwasser & das Premichtal mit dem Bach Premich (nach dem Ort Premich), zwischen beiden ein bewaldeter 455 m hoher Berg, ein FFH-Schutzgebiet von 343,12 ha (8), an dem auch Landkreis Bad Kissingen einen Anteil besitzt. Südlich von Mellrichstadt erstreckt sich linksseitig vom Ort Oberstreu das Tal des Bahra-Bachs: 65,62 ha lang (9) ist es ein FFH-Schutzgebiet. Einen relativ kleinen Anteil an den 4.421,81 ha der Wälder und Trockenstandorte von Münnerstadt – jener bis zur Grenze zum benachbarten Landkreis Bad Kissingen – des insgesamt am 4.421,81 ha großen FFH-Schutzgebiet der Wälder und Trockenstandorte (10), dessen Hauptanteil im Landkreis Bad Kissingen sich fortsetzt. Es sind Erlen-, Eschen- und Weichholzauenwälder sowie Hainbuchen- & Eichenwälder, Wälder mit Waldmeister und Orchideen – und mit seltenen Fledermäusen, mit Unken und Wassermolch, Hirschkäfer und der Pflanze Frauenschuh.
Eine Besonderheit als FFH-Schutzgebiet sind die vielen Mausohrkolonien (11) im Teil der Rhön dieses Landkreises – und auch südlicher im Landkreis Bad Kissingen. Ebenso eine Besonderheit – und deshalb ein FFH-Schutzgebiet – sind in der Rhön die Winterquartiere der Mopsfledermaus (12), eine weitere Besonderheit ist ihr Vorkommen und überwintern in den Winterquartieren ein FFH-Schutzgebiet bei Bad Neustadt (13).

Das Grabfeld mit Henneberger Land
Das Kilometer lange Flusstal der Fränkischen Saale ab Heustreu, vorbei an Bad Neustadt, an Salz, dann nach Westen wendend wie eine Schlange, vorbei am 365 m hohen Palmsberg und am 431 m hohen Mehlberg bis Steinach (Landkreis Bad Kissingen) ist ein FFH-Schutzgebiet von 296,45 ha (14). Auch die Mittel-Laubwälder (15) bei Bad Königshofen sind ein FFH-Schutzgebiet, ein sehr großes von 1.874 ha mit 91 % Wald (auch in den Landkreis Bad Kissingen reichend), offenes Land ist der Rest. Besondere Aufmerksamkeit gilt hier der Tierwelt dieser Laubwälder. Eine Begutachtung (2019) ergab, dass erhebliche Verbesserungen zu unternehmen sind für Totholz oder dem Stehenlassen von Biotop-Bäumen. Ganz östlich von Bad Königshofen gibt es nördlich, östlich und südlich von Trappstadt entlang der Grenze zu Thüringen das 304 ha große FFH-Schutzgebiet Altenburg (16). Ein ungewöhnliches FFH-Schutzgebiet, weil ein See, ist der 12 ha große Reutsee (17) direkt bei Sulzfeld a.d. Lederhecke.

Die nördlichen Haßberge
Der Bundorfer Forst ist ein 18,06 qkm großer Wald nordwestlich von Bundorf (Landkreis Bad Kissingen). Dieser Wald und seine beiden Baunach-Quellbäche, letztere entstanden im Gebiet des Landkreis Rhön-Grabfeld, bilden zusammen ein sehr großes FFH-Schutzgebiet von 1.541 45 ha (18). Eine Zusammenfassung verschiedener Trockenhänge im Saale-, Streu-, Löhnrieter Tal mit zusammen 149 ha bilden ein weiteres FFH-Schutzgebiet (19).

Im Landkreis Rhön-Grabfeld gibt es bislang keine Landschaftsschutz-Gebiete.

Text: Hans-Werner Bunz, Foto: unbekannt

Hinweis: Die Texte erforderten viel Recherche. Danken möchte ich den staatlichen Veröffentlichungen der Tabellen der Schutzgebiete, ebenso Wikipedia: ohne deren Vorarbeit hätte ich das Projekt nicht realisieren können. Doch erst mit sorgfältigem und deshalb auch langwierigem Landkartenstudium gelang es, eine brauchbare und in weiten Bereichen – so hoffe ich – eine präzise Ortsbeschreibung zu vermitteln.

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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