Teil 2: Spazieren & wandern in Unterfrankens Schutzgebieten: Landkreis Würzburg – Seite 7

Hier integriert im Landkreis ist die Stadt Würzburg, was insofern ungewöhnlich ist, weil die Stadt gewissermaßen – wie auch in Schweinfurt und Aschaffenburg – ein eigenes Hoheitsgebiet ist. Hier in Würzburg ist der Regierungssitz der Region Unterfranken. Die Stadt am Main, umgeben von Weinbergen, zählt 127.934 Einwohner (31.12.2019) auf den 87,63 km2 des Stadtgebiets. Es ist eine sehr alte Stadt: Erstmals wurde sie im Jahr 704 als Befestigungsanlage „castello Virteburh“ urkundlich erwähnt. Die vielfältige Geschichte der Stadt soll hier nicht erzählt werden, nur soviel, dass ein Besuch der Innenstadt mit ihren Prachtbauten der einstigen Fürstbischöflichen Residenz lohnt. Zugleich ist die Stadt auch eine Universitätsstadt, deren Universität einen sehr guten Ruf genießt.

Naturschutz – was heißt das im Detail?
Der Begriff umfasst Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität, der Vielfalt der Arten, des Ökosystems und der Genetik sowie Maßnahmen zum Artenschutz & Ökosystem-Management. Naturschutz ist eine öffentliche Aufgabe, also eine Aufgabe des Staates und seiner jeweiligen Landesregierungen und deren Regionalorganisationen.

Die 13 Naturschutzgebiete von Stadt und Landkreis Würzburg

Nördlich Würzburg
In nord-östlicher Richtung an der Volkacher Mainschleife hat auch der Landkreis Würzburg einen kleinen Anteil: Der Mainhang an der Vogelsburg (1) ist ein Naturschutzgebiet von 26,66 ha. Gewissermaßen über den Main gegenüber bei Margretshöchheim ist das scheren-förmige, 15,30 ha kleine Naturschutzgebiet Bährnthal-Hüttenthal (2): Der südliche Teil des Hüttenthals (gegenüber der Weinlage Margretshöchheimer Bärnthal) ist ein Scherenteil, der nördlich/nordwestliche Hangbereich des Bärentals der andere. Das Naturschutzgebiet von 16,5 ha ist der Edelmanns Wald (3) nördlich Veitshöchheim: Ein Waldrand an der Hangkante mit Buchen und Eichen in Nord-Südrichtung der rechtsmainischen Weinberge. Hinzu kommen noch die Naturschutzgebiete der Blaugrashalden (4) unterhalb der Kalkhänge und in den Weinbergen mit 9,42 ha, ebenfalls in Nord-Südrichtung – beide umringen gewissermaßen die Ruine der Ravensburg. Noch weiter nördlich bei Thüngersheim ist rechts des Mains das 34,19 ha große Naturschutzgebiet der Höhfeldplatte & des Scharlachberg (5). Gegenüberliegend, linksmainisch, ist bei Unterleinach ein kleines Teilstück von 9,46 ha (6) des Volkenberg ein Naturschutzgebiet.

Im Stadtgebiet Würzburg
Der Bromberg-Rosengarten (36,76 ha), nahe dem Stadtbezirk Heuchelhof, gilt als ältestes Naturschutzgebiet der Stadt (7). Im ehemaligen Steinbruch wachsen an der Hangkante Wildrosen wie Hunds-, Wein- und Ackerrose. In Würzburgs Süden, zwischen der Ortsteil Heidingsfeld und Markt Reichenberg lockt das Naturschutzgebiet des Naturwald-Reservats1 Waldkugel (8) mit seinen 73,24 ha (ein Waldparkplatz gibt’s ca. 1 km vor Reichenfeld rechts via Forststraße nach 400 m, wo der Rundweg beginnt).

Südlich Würzburg
Teilweise, nämlich nur 67,12 ha, des steilen Marsberg-Wachtelberg, nörd-/nordöstlich von Randersacker, ist ein Naturschutzgebiet (9) mit Bäumen, Verbuschungen, auch Wegen, und entsprechender Pflanzen & Kleintierwelt. Ein natürliches und wildes Naturschutzgebiet ist das 5,79 ha kleine Blutsee-Moor (10), rechts der Autobahn zwischen Kist im Norden und Gerchsheim im Süden.

Ebenso ein Moor und Naturschutzgebiet ist das Zeubelrieder Moor, 5,09 ha klein (11), beim Dorf Zeubelried rechts des Mains nördlich vom sehenswerten Ort Ochsenfurt. Zugleich lockt da auch das 28,57 ha Naturschutzgebiet des Maintalhangs am 285 m hohen Klein-Ochsenfurter Berg (12). Südwestlich von Würzburg und südlich Neubrunn gibt es ein großes Naturschutzgebiet bei Böttigheim: Die 150,08 ha Trockenhänge des Rainberg bei Böttigheim (13).

Die 15 Flora-Fauna-Habitate – FFH-Schutzgebiete – im Landkreis Würzburg
Sie sind gleichwertig, aber anders. FFH-Schutzgebiete stehen unter dem Schutz der Europäischen Union. Sie schützen Pflanzen (Flora), Tiere (Fauna) und Lebensraumtypen (Habitate). Diese Gebiete sind Teil des europäischen Natura-2000-Netzwerks; dieses hat als Ziel ein europäisches Schutzgebietsnetz für wildlebende Pflanzen und Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen; Vogelschutzgebiete gelten darin als besondere Schutzgebiete.

Im Norden
Die viele Kilometer lange Main-Aue im Osten zwischen Grafenrheinfeld (Landkreis Schweinfurt), der Volkacher Mainschleife bis zur Stadt Kitzingen (Landkreis Kitzingen) ist ein FFH-Schutzgebiet von 1.380,10 ha (1); der Anteil des Landkreises Würzburg ist dabei gering im Vergleich zu den beiden anderen. Das Proselsheimer Holz, ein 233 ha großes FFH-Schutzgebiet an der Volkacher Mainschleife (2), östlich von Escherndorf, ein kleines Stück davon gehört auch zum Landkreis Kitzingen. Ebenfalls nördlich Würzburgs liegt das mit 4.241,08 ha riesige FFH-Schutzgebiet des Gramschatzer Wald (3). Er ist so vielgestaltig, dass man im Internet sich 20 interessante Wandertouren aussuchen kann. Nordwestlich Würzburg mainabwärts liegt links des Main das stattliche, 842,13 ha große FFH-Schutzgebiet des Gemeindewalds (4) von Zellingen; ein Stückerl des Schutzgebiets gehört sogar zum Nachbarkreis Main-Spessart. Etwas flußaufwärts locken beim Ort Leinach ihn umschlingende Trockenstandorte; mit ihren typischen Pflanzen und Tieren sind sie ein 511,77 ha großes FFH-Schutzgebiet (5); diese 159 Seiten starke, wissenschaftliche Broschüre lohnt zu lesen für’s Verständnis dieser einzigartigen Pflanzen und Tierwelt. Die Maintal-Hänge zwischen Veitshöchheim flussabwärts bis Gambach (Landkreis Main-Spessart) sind ein 866,15 ha großes FFH-Schutzgebiet (6). Ein noch größeres FFH-Schutzgebiet mit 1.033,43 ha sind die vielfältigen Laubwälder rings um Würzburg (7). Das Prosselsheimer Holz, nordöstlich nahe der Volkacher Mainschleife und westlich von Escherndorf, ist als Waldstück von 233 ha (8) ein FFH-Schutzgebiet, an dem auch der Landkreis Kitzingen partizipiert.

Eine Besonderheit als FFH-Schutzgebiet von 6 ha sind die Fledermaus-Quartiere in der Festung Marienberg (9), stattliche 100 m oberhalb des Mains in Würzburg. Im ganzen Main-Dreieck zwischen Schweinfurt im Nord-Osten, Ochsenfurt im Süden und Thüngersheim im Nord-Westen haben die Mausohren – eine Fledermausgattung der Familie „Glattnasen“ (Vespertilionidae) – ihre „Wochenstuben“ – auch das ein FFH-Schutzgebiet (10); sie dürfen nicht gestört werden.

Die 6 Landschaftsschutzgebiete im Landkreis Würzburg
Sie sind rechtsverbindlich festgesetzt ihrer besonderen Schutzwürdigkeit, ihrer Natur und Landschaft wegen. Ihre Entwicklung und Regenerationsfähigkeit sollen gefördert werden für die nachhaltige Nutzung ihrer Naturgüter, ihrer Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie wegen ihrer kultur-historischen Bedeutung und wegen ihrer Bedeutung für die Erholung der Menschen

Ganz im Nordosten des Landkreis Würzburg ist die ganze Volkacher Mainschleife ein Landschaftsschutzgebiet mit 5326,45 ha (1), woran der Landkreis Würzburg seinen Anteil von 1.154,94 ha verantwortet, ebenfalls Anteile haben der Landkreis Schweinfurt, vor allem aber der Landkreis Kitzingen. Südöstlich von Würzburg – am Ende des Maindreiecks – mündet bei Ochsenfurt links des Mains der Thierbach in den Main; das ganze Thierbach-Tal (2) ist mit seinen 139,07 ha ebenfalls ein Landschaftsschutzgebiet, berühmt auch durch große Aufkommen von Bärlauch & Märzenbecher. Ein interessantes Landschaftsschutzgebiet ist rechts des Mains bei Ochsenfurt innerhalb des Maindreiecks der auf 300 m Höhe sich erstreckend Ochsenfurter Forst plus dem Hübner Holz (3) ein Landschaftsschutzgebiet von 146,30 ha Größe. Der Übergang vom Flußbett auf die Höhe ist steil, was etwas Mühe macht, die Hochfläche mit den Wäldern zu erreichen. Flußabwärts, östlich von Würzburg sind 282,85 ha beim rechtsmainischen Thüngersheim ein Maintal-Landschaftsschutzgebiet (4). Ein weiteres Landschaftsschutzgebiet im Maintal, ca. 10 km lang mit 80,03 ha vom linksmainischen Markt Zell a.M. bis zur Landkreis-Grenze (5), ca. 2 km vor Zellingen im Landkreis Main-Spessart. Ein unübersehbares Landschaftsschutzgebiet von 400 ha ist der linksmainische, 355 m hohe Volkenberg (6) mit der Burgruine Falkenberg und seinem Schwarzkieferwald.

Text: Hans-Werner Bunz, Foto: unbekannt

1) In Naturwald-Reservaten sind Holzentnahmen & sonstige forstwirtschaftliche Nutzung verboten.

Hinweis: Die Texte erforderten viel Recherche. Danken möchte ich den staatlichen Veröffentlichungen der Tabellen der Schutzgebiete, ebenso Wikipedia: ohne deren Vorarbeit hätte ich das Projekt nicht realisieren können. Doch erst mit sorgfältigem und deshalb auch langwierigem Landkartenstudium gelang es, eine brauchbare und in weiten Bereichen – so hoffe ich – eine präzise Ortsbeschreibung zu vermitteln.

Veröffentlicht von hwbunz

Als professioneller Texter sind meine Themen: 1. Die Mitwelt, das sind wir Menschen in der damit verbundenen Naturvielfalt. Dazu gehören unsere Verhaltensweisen und unsere Aktivitäten zum Schaden wie zum Nutzen der Ökosysteme und ihrer Vielfalt. Dieses Spektrum umfasst Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 2. Regionale Ess- und Lebensmittelkultur. Methoden der Lebensmittelerzeugung und der Lebensmittelnutzung. Die ethischen Grundlagen. Genuss und Lebensfreude. 3. Zivilisiertheit, also Bildung, Benehmen und Bewusstheit für Kulturerbe; Sinn für gutes Deutsch, Toleranz und sachliche Diskussionskultur. 4. Verantwortung übernehmen: die Mitwelt - wir Menschen sind ein Teil davon - schützen durch Achtsamkeit. Was letztlich heißt, sich selbst zurücknehmen.

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