Teil 2: Spazieren & wandern in Unterfrankens Schutzgebieten: Landkreis Aschaffenburg – Seite 10

Der Landkreis Aschaffenburg ist der westlichste sowohl in Bayern als auch in Unterfranken. Er ist auch der zweitkleinste mit 699,15 km2. Aber er ist nach Würzburg hinsichtlich seiner Bevölkerung von 244.735 Einwohnern, wovon der Landkreis 174.250 Einwohner beisteuert, der zweitgrößte. Die Stadt Aschaffenburg ist kreisfrei wie Würzburg und Schweinfurt, also mit eigener Politik. Erste Besiedelung ist im 3. Jahrhundert nachgewiesen, doch spricht man heute von einer Geschichte über 1.000 Jahre für die Stadt. Berühmte Bauwerke sind das Pompejanum, die um 974 erbaute Stiftskirche und das als Zweitresidenz der Mainzer Bischöfe und Kurfürsten von 1619-1614/19 erbaute Schloß. Wie auch bei Würzburg und Schweinfurt verzichten wir hier auf eine Trennung von Stadt und Landkreis bei den Schutzgebieten.

Die Naturschutzgebiete in Stadt und Landkreis Aschaffenburg
Der Begriff Naturschutz umfasst Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität, der Vielfalt der Arten, des Ökosystems und der Genetik sowie Maßnahmen zum Artenschutz & Ökosystem-Management. Naturschutz ist eine öffentliche Aufgabe, also eine Aufgabe des Staates und seiner jeweiligen Landesregierungen und deren Regionalorganisationen.

Die 14 Naturschutzgebiete in Stadt und Landkreis Aschaffenburg
Um Aschaffenburg herum
Der einstige Truppenübungsplatz am Rand von Aschaffenburg mit dem zugehörigen Altenbachgrund (1) wurde umgewidmet zum Naturschutzgebiet – ein 292,93 ha großes Gelände, zu 3/4 bestehend zu aus hügeligen Waldflächen. Der Altenbachgrund liegt in einem ca. 2,4 km langen & schmalen Waldtal und umfasst ca. 14,6 ha; teils versumpfte Bachauen beherbergen große Vorkommen von Riesenschachtelhalm & Schilfbestände und üppige Fauna mit Neuntöter, Heidelerchen, Steinkauze, Ziegenmelker und Amphibien wie Gelbbauchunken, Feuersalamander, Kreuzkröten, Laubfrösche, aber auch mit Reptilien wie Zauneidechsen & Schlingnattern. Bei Karlstein am Main, nördlich von Aschaffenburg, ist der ganze Gustavsee (2), ein Grundwassersee, Ergebnis der Aktivitäten der einstigen Zeche Gustav, ein 18,15 ha großes Naturschutzgebiet für Vögel, die hier rasten oder gar überwintern. Die Alzenauer Sande (3) – nördlich von Aschaffenburg am Ostrand von Alzenau sind ein 95,27 ha großes Naturschutzgebiet, umschlossen von den Orten Wasserlos, Hörstein, Großwelzheim und Kahl a.M. – ein dreiteiliges Gebiet im Alzenauer Unterwald östlich der Vorspessartseen. Der Gerichtsplatz liegt im Süden des Waldes am Hörsteiner See, rechts der Bundesautobahn 45, dort wo der Schützberbach versickert. Im Nordwesten befindet sich das Neufeld am Waldrand zum Prischoß (einst eine Wüstung): Die Alte Weide, die Haide und die Lange Tanne ergeben das dritte Teilgebiet im Norden.

Im Norden und Nordosten
Der bei Kahl in den Main mündende Fluß Kahl führt bergwärts zu etwas Besonderem: die Naturschutzgebiete für Amphibien: Stark gefährdete Berg- und Fadenmolche, Erdkröten, Grasfrösche, Feuersalamander und Bergeidechsen. Deshalb gibt es im Spessart zwei Freistrecken, beide in der Region nördlich und südlich von Schöllkrippen: Das nördliche Naturschutzgebiet für diese Amphibien sind die 24,8 ha im Sommergrund (4), der obere Bereich des Bachtals der Kleinen Kahl, die bei Kleinkahl in die Kahl fließt. Das andere Naturschutzgebiet ist südlich von Schöllkrippen: Der Fluß Sommerkahl, ebenfalls in die Kahl mündend, heißt erst ab dem Ort Sommerkahl so, davor heißt er Speckkahl, entstanden weit oben am Berg aus zwei Bächen. Ab deren Vereinigung sind im weiteren Lauf des Speckkahl 43,37 ha ein Amphibien-Naturschutzgebiet (5).

Im Osten
Östlich Aschaffenburg, bei Heibach ist der Dörngraben (6) ein kleines Naturschutzgebiet von 6,38 ha; der ca. 1,6 km lange Dörnbach schuf sich, tief eingegraben, steile Hangböschungen mit seltenen Pflanzen und im Bach lebenden Tieren diverser Arten. Weiter östlich, bei der Gemeinde Bessenbach mit den Orten Straßbessenbach und Waldmichelbach, gibt es den Urwald von morgen: Das 66,27 ha große Naturwald-Reservat1 Kreuzbuckel (7), ein Naturschutzgebiet um den 464 m hohen Berg Salzbuckel. Weiter östlich bei Rothenbuch liegt süd-östlich das NaturwaldReservat1 Hoher Knuck, ein 539 m hoher Berg; an seinen Osthängen befindet sich das 121,65 ha große Naturschutzgebiet (8), das an den Fürstlich-Löwensteinschen Park angrenzt. Den Wald beherrschen vorwiegend Rotbuchen und Tauben-Eichen; auch gibt es einen ehemaligen, kreisrunden Meilerplatz. Zwischen Rothenbuch und Weibersbrunn liegt im gemeindefreien Staatswald das Naturschutzgebiet Metzgergraben/Krone (9) – ein Gebiet, das seit 1928 sich selbst überlassen ist – und damit zeigt, welche Veränderungen die Natur erschafft. Ein weiteres Naturschutzgebiet, das Gebiet Rohrberg mit 9,84 ha (nicht weit von der Autobahnausfahrt Rohrbrunn): Es ist ein lichter Eichenwald (10) mit 500 bis 800 Jahre alten Bäumen, die seltenen Vögeln, Käfern und Pilzen einen Lebensraum bieten. Und nicht weit entfernt – südlich Weibersbrunn – gibt es das 71,94 ha große Naturschutzgebiet des NaturwaldReservats1 Eichhall (11) mit einem schönen Bestand 400 Jahre alter Eichen im Gebiet des Rohrbrunner Forst.
Noch östlicher ist – seit 2001 – das Naturschutzgebiet der Spessartwiesen (12) mit 73,74 ha im Bereich des Flusses Lohr und seiner Zuflüsse zwischen Heinrichstal im Norden und Heigenbrücken, wo dieser Arm des Flusses sich nach Osten wendet. Vereinzelte Gebiete im Bächlesgrund bei Heigenbrücken stehen ebenfalls unter Naturschutz. Das untere Lohrbachtal und jener Teil im Landkreis Main-Spessart bilden den Südteil des Naturschutzgebiets. Fast das komplette Tal des Aubachs und des Birklergrund fasst das Gebiet mit ein. Die östlichen Spessartwiesen liegen im Tal der Lohr – ihrem zweiten Arm um Frammersbach, der weiter nördlich entspringt. Der 10,88 ha große Auenwald mit Haunmieren und Schwarzerlen bei Erlenfurt, süd-östlich von Lichtenau, durchflossen vom Fluß Hafenlohr, ist ein weiteres Naturschutzgebiet (13) in dieser Region. Im Südosten des Landkreises, im unteren Hafenlohrtal, wo der Fluß Hafenlohr beim Ort Hafenlohr in den Main mündet, ist ein weiteres, 71,83 ha großes Naturschutzgebiet (14).

Die Flora-Fauna-Habitate – FFH-Schutzgebiete – in Stadt & Landkreis Aschaffenburg
Sie sind gleichwertig, aber anders. FFH-Schutzgebiete stehen unter dem Schutz der Europäischen Union. Sie schützen Pflanzen (Flora), Tiere (Fauna) und Lebensraumtypen (Habitate). Diese Gebiete sind Teil des europäischen Natura-2000-Netzwerks. Diese Initiative hat als Ziel ein europäisches Schutzgebietsnetz für wildlebende Pflanzen und Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen; Vogelschutzgebiete gelten darin als besondere Schutzgebiete.

Die 8 FFH-Schutzgebiete in Stadt & Landkreis Aschaffenburg
Innerhalb des Stadtgebiets gibt es drei FFH-Schutzgebiete: Das größte FFH-Schutzgebiet sind die 250 ha für die Extensivwiesen und die Ameisenbläulinge (Schmetterlinge mit hauchdünnen Flügeln) in und um Aschaffenburg (1), da auch der Landkreis sein Teil beiträgt. Ebenfalls ein großes FFH-Schutzgebiet sind die 177 ha Streuobstwiesen (2) zwischen Erbig und Bischberg. Hinzu kommt noch das FFH-Schutzgebiet des einstigen Standortübungsplatz (3) mit seinen 85 ha. Im Landkreis gibt es fünf weitere FFH-Schutzgebiete: So ist das 95 ha große Naturschutzgebiet der Alzenauer Sande (4) auch ein FFH-Schutzgebiet. Eine zweites Vorkommen der Art der Ameisenbläulinge, nämlich die Wiesenknopf-Ameisenbläulinge (5), sind im Landkreis zu finden auf einem kleinen FFH-Schutzgebiet von 12 ha. Die Stelle allerdings ist nicht öffentlich gemacht. Ein viel größeres FFH-Schutzgebiet sind die Wiesen- und Magerrasen zwischen Hösbach (östlich von Aschaffenburg) und (nördlich von Hösbach) Rottenberg mit 274,48 ha (6). Ein noch größeres FFH-Schutzgebiet sind die 363,78 ha in den Bachtälern von Lohrbach und Aubach (7), in den der Lohrbach mündet, wegen ihrer spezifischen Artenvielfalt. Daran ist auch der Landkreis Main-Spessart beteiligt. Das größte FFH-Schutzgebiet freilich ist der Hochspessart (8) mit seinen 17.415,57 ha.

Die Landschaftschutzgebiete im Landkreis Aschaffenburg
Sie sind rechtsverbindlich festgesetzt ihrer besonderen Schutzwürdigkeit, ihrer Natur und Landschaft wegen. Ihre Entwicklung und Regenerationsfähigkeit sollen gefördert werden für die nachhaltige Nutzung ihrer Naturgüter, Vielfalt, Eigenart, Schönheit und kultur-historischer und Erholungsbedeutung.

Die 7 Landschaftsschutzgebiete im Landkreis Aschaffenburg
Der Großwelzheimer Badesee (1) in der Mainschleife bei Großwelzheim, ringsum bewaldet, ist mit seinen 2.579,84 ha ein sehr großes Landschaftsschutzgebiet. Noch größer freilich ist das Landschaftsschutzgebiet des Bayerischen Odenwalds (2) mit seinen 3.0541,4 ha, an dem allerdings der Landkreis Aschaffenburg nur sehr klein mit 2,9 % beteiligt ist, die überwältigende Mehrheit gebührt dem Landkreis Miltenberg. Noch viel größer mit 136.627,09 ha ist das Landschaftsschutzgebiet innerhalb des Naturparks Spessart. Daran beteiligt sind neben den 33,4 % des Landkreises Aschaffenburg (3) auch die Landkreise Miltenberg mit 16,8 % und Main-Spessart mit 48,7 %. Viel kleiner ist das Landschaftsschutzgebiet des Lindigwald (4) in der Gemarkung Karlstein a. Main mit seinen 245, 97 ha. Ebenso gänzlich im Landkreis Aschaffenburg ist das Landschaftsschutzgebiet der 50,68 ha Mainwiesen bei Mainhausen nördlich Aschaffenburg (5) am rechten Ufer mit ihren Mohn- und Distelblüten. Südlicher und links des Mains liegt Stockstadt mit dem Oberhübnerwald (6), ein Landschaftsschutzgebiet von stattlichen 951,81 ha Größe mit großer Vielfalt. Hingegen ein kleines, durchaus interessantes Landschaftsschutzgebiet ist bei Großostheim, links des Mains, die 9,93 ha der ehemaligen Kiesgrube Höfling: ein vielfältiges, natürlich gewachsenes Stück Buschwald (7).

Text: Hans-Werner Bunz, Foto: unbekannt

1) Naturwald-Reservate sind größere Wald­gebiete, in denen weder Holz entnommen noch forstwirtschaftliche Nutzung erlaubt sind.

Hinweis: Die Texte erforderten viel Recherche. Danken möchte ich den staatlichen Veröffentlichungen der Tabellen der Schutzgebiete, ebenso Wikipedia: ohne deren Vorarbeit hätte ich das Projekt nicht realisieren können. Doch erst mit sorgfältigem und deshalb auch langwierigem Landkartenstudium gelang es, eine brauchbare und in weiten Bereichen – so hoffe ich – eine präzise Ortsbeschreibung zu vermitteln.

Kaufen Sie nur schön aussehende Lebensmittel?

♥Das BMEL – Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft – schätzt den Verlust von Lebensmitteln unmittelbar nach ihrer Ernte auf 1,4 Mio Tonnen! Weil sie offenbar nicht schön genug waren. Eigentlich eine millionenstarke Sünde.
Doch das ist noch lange nicht alles, was noch vor dem Verzehr von Lebensmitteln vernichtet wird: Auf 2,2 Millionen (2.200.000) Tonnen beläuft sich der Verlust bei der Verarbeitung von Lebensmitteln! Was für enorme Mengen:  Jedes Jahr 3,6 Millionen (3.600.000) Tonnen – bevor der Verzehr beginnt.
Doch das reicht leider immer noch nicht für die Verschwender: Geschätzte 12 Millionen (12.000.000) Tonnen Lebensmittel kommen hinzu: sie haben in Supermärkten ihr „Ansehen“ verloren und landen in der Tonne! Welch ungeheure Verschwendung!¹

Essen und Klima hängen zusammen
Wertvolle Ressourcen wie Wasser, Ackerboden, Energie werden für Produktion, Verarbeitung, Lagerung, Transport gebraucht und setzen dabei Treibhausgase frei. Jedes unbenutzte Lebensmittel ist damit eine sinnlose Verschwendung. Ideen zur Verringerung sind deshalb gefragt und werden prämiert vom BMEL mit dem Bundespreis „Zu gut für die Tonne“.

Zu gut für die Tonne!
Diese Aktion, Jahr für Jahr seit 2016, wendet sich gegen diese Lebensmittel-Verschwendung mit dem Ziel, deren Minderung durch geeignete Mittel zu ermöglichen. „Lebensmittel retten, Klima schützen“ ist das Motto für den Bundespreis 2021. Die Vorschläge dafür konnten bis 13.11.2020 eingereicht werden. Auch diese Beteiligung war erfreulicch hoch: 160 kreative Konzepte wurden dafür eingereicht für alle 5 Kategorien. Die Gewinner 2021 freilich sind nach Ansicht der siebenköpfigen Jury diese 16 Ideen von 16 Betrieben:

Landwirtschaft & Produktion:
Die Gewinner sind:
Beetgold GmbH, 88178 Heimkirchen, http://www.beetgold.com:
Vollgemüse Tortillas aus Gemüsetrester;
Dörrwerk GmbH, 12107 Berlin, http://www.doerrwerk.de: RETTERGUT – die Marke, die Lebensmittel rettet;
Fischerei Wolfgang Schröder, 14715 Havelaue/Strodehne, http://www.fischerei-schroeder.eu: Saure Bratbrasse statt Beifang für die Tonne;
Landwirtschaftliche Direktvermarktung Margit Jung: 35112 Fronhausen/Bellnhausen, http://www.camping-huehner.com: Suppenhuhn-Verarbeitung.

 Handel:
Die Gewinner sind:
Bäckerei Bergmann & Sohn GmbH, 99638 Frömmstedt, http://www.baeckerei-bergmann.de:
Gute Backwaren von gestern: Yesternday;
Picnic GmbH, 40477 Düsseldorf, http://www.picnic.app/de: Zero Waste Supply-Chain;
veggie specials by veggielutions, 92507 Nabburg, http://www.vantastic-foods.com: gerettete veggie specials.

Gastronomie:
Die Gewinner sind:
1. FC Heidenheim 1846 e.V., 89522 Heidenheim a. d. Brenz, http://www.fc-heidenheim.de: 
Mitarbeiter-Resteessen;
Frau Lose UG, 44137 Dortmund, https://frau-lose.de: Fabulose – Fair, Anders, B-Ware und Lose;
Soziokulturelles Zentrum Zora e.V., 38820 Halberstadt, relaunch.zora.de: Initiative GastroHilft.

Gesellschaft & Bildung:
Die Gewinner sind:
Essen für Alle (EfA), 64521 Gross-Gerau, http://www.essen-fuer-alle.org:
Lebensmittelrettung, Verteilung, Verarbeitung & Kochworkshops;
gelbetomaten e. V., 21357 Horburg, http://www.gelbetomaten.de: Kochen&Erleben@school;
Georgia von le Fort und Louisa Wahler, Berlin, http://www.georgiavonlefort.com/about: Kühlende Gefäße aus recyceltem Porzellan.

 Digitalisierung:
Die Gewinner sind:
DANONE GmbH, 85540 Haar, http://www.danone.de:
Online „Clearance-Sale“.
Direkt vom Beet e.V., 09130 Chemnitz, http://www.direktvombeet.de: Lebensmittel aus (Klein-)Gärten vor dem Kompost retten;
SPRK.global GmbH, 10823 Berlin, http://www.sprk.global: Digitale Distributionsplattform.

Was sind die Kriterien der Jury?
Themengenauigkeit, Kreativität, Engagement, Erfolg, Vorbildwirkung.  Die Jury sind externe, fachlich beschlagene Personen außerhalb des BMEL. Bei der Wahl für den Preis 2021 waren es die ehemalige Präsidentin der Welthungerhilfe, ein Mitglied des Deutschen Hotel & Gaststättenverbandes, ein TV-Moderator & Journalist, ein Mitglied der Bundesvereinigung Deutsche Ernährungsindustrie e.V., ein Sternekoch, ein Journalist & Dokumentarfilmer sowie eine Fernsehmoderatorin/-journalistin. Den Gewinnern steht ein Förderpreis von 15.000 € gesamtheitlich zur Verfügung.

Die nächste Bewerbungsphase
für den Bundespreis 2022 startet im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche (29.09. – 06.10.2021) unter dem Motto: Deutschland rettet Lebensmittel!

©   Hans-Werner Bunz                   Foto: Feine, einfache Speise © Restaurant Rose, Eschenau

                                                            Siehe auch Beitrag
                                        Grün ist die Zukunft der Landwirtschaft 

¹) www.bmel.de

Bio-Konsum in der EU wächst – zumindest in 17 Ländern

Die neuesten Zahlen (Jahr 2021) zum Kauf von Bio-Lebensmitteln durch die Konsumenten zeigen in der aktuellen  BÖLW-Liste (Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V.) große Unterschiede bei den einzelnen Ländern, schon deshalb, weil nur 11 der im Jahr 2019 noch 28 EU-Länder ihre Statistiken konsequent führen; vier der restlichen 17 Länder haben noch Zahlen fürs Jahr 2018 gemeldet, die 13 anderen freilich kommen dem Melden der Daten offensichtlich ungenügend nach. Dadurch ist diese Statistik als Ganzes leider nur in Teilen aussagefähig. Deshalb habe ich mir erlaubt, nur jene Länder hier vorzustellen mit den aktuell jüngsten Daten –  also dem Jahr 2019  bzw. Jahr 2018:  Ersteres repräsentieren 13 Länder, darunter auch Deutschland und Großbritannien (verließ die EU offiziell in der 1. Minute des 1. Februar 2020); die Daten für 2018 bieten 4 Länder: also nur 17 der 28 Länder der Europäischen Union sind hier versammelt.

Was ist für die Käufer wichtig?
An 1. Stelle steht die artgerechte Tierhaltung (96%), gefolgt von naturbelassene Lebensmittel (94%), dann folgen regionale Herkunft (93%), gesunde Ernährung (92%); man fordert weniger Zusatz von Verarbeitungsstoffen & keine Pflanzenschutzrückstände (beide 90%). Überraschend ist, dass die Konsumenten Wert darauf leben, dass den Erzeugern ein faires Einkommen zugebilligt wird (89%). Erstaunlich ist durchaus, dass 84 % der Befragten Wert auf die Erhaltung der Biodiversität legen, hingegen für 81 % gentechnisch veränderte Lebensmittel ein „no go“ ist. Durchaus erstaunlich ist, dass 25% der Geschmack nicht so wichtig ist, 75% aber durchaus. Ebenfalls erstaunlich ist, dass 31 % die Erreichbarkeit der Lebensmittel, die Kaufstätte also, in ungewohnter Umgebung (Kaufstätte) (69%), alte Sorten und Tierrassen (64%), so Statista 2021, Januar.

Die neuesten Zahlen (Jahr 2021) zum Kauf von Bio-Lebensmitteln durch die Konsumenten zeigen in der aktuellen  BÖLW-Liste (Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V.) große Unterschiede bei den einzelnen Ländern, schon deshalb, weil nur 11 der im Jahr 2019 noch 28 EU-Länder ihre Statistiken konsequent führen; vier der restlichen 17 Länder haben noch Zahlen fürs Jahr 2018 gemeldet, die 13 anderen freilich kommen dem Melden der Daten offensichtlich ungenügend nach. Dadurch ist diese Statistik als Ganzes leider nur in Teilen aussagefähig. Deshalb habe ich mir erlaubt, nur jene Länder hier vorzustellen mit den aktuell jüngsten Daten –  also dem Jahr 2019  bzw. Jahr 2018:  Ersteres repräsentieren 13 Länder, darunter auch Deutschland und Großbritannien (verließ die EU offiziell in der 1. Minute des 1. Februar 2020); die Daten für 2018 bieten 4 Länder: also nur 17 der 28 Länder der Europäischen Union sind hier versammelt.

9,5 Milliarden Umsatz mit Bio-Lebensmitteln
Diesen Umsatz erzielte der Bio-Lebensmittelhandel im Jahr 2020 in Deutschland, das hieße pro Kopf der Bevölkerung im Jahr Ausgaben von 144 €; da aber viele Menschen keine oder nur hin und wieder Bio-Lebensmittel kaufen und konsumieren, sind die Umsätze von kontinuierlich Bio-Produkte Kaufenen um ein vielfaches höher.
2020 bewirtschafteten 35.413 Höfe in Deutschland 1.698.764 ha Fläche ökologisch. Die überwiegende Zahl der Bäuerinnen und Bauern setzten dabei auf Produkte eines Bio-Verbands. 67.598 ha stellten die Bio-Betriebe nach den besonders hohen Öko-Standards der Verbände um. Mittlerweile wirtschaften 13,4 % aller landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland ökologisch.
3,8 % mehr Höfe kamen im Jahr 2020 hinzu. Die Bio-Flächen der Verbände summierten sich im Jahr 2020 auf 1.083.762 ha, die von 17.083 Höfen bewirtschaftet wurden. Öko-Landwirtinnen und -Landwirte, die ihre Betriebe nach der EU-Öko-Verordnung – und damit dem mit Abstand höchsten gesetzlichen Standard der Landwirtschaft – umstellten, trugen mit geschätzten 17.332 ha zu mehr enkeltauglichen Äckern, Obst- und Gemüsebau-, Wein- oder Grünlandflächen bei.

Bio-Ziele und Bio-Recht
Die EU setzte sich als Bio-Ziel von 25 % bis 2030 mit ihrer Farm-to-Fork-Strategie – ein Ziel, das erreichbar scheint. Damit in Zukunft genügend Höfe die Bio-Chance nutzen, muss allerdings die Politik ihre Signale geschlossen und entschieden auf Nachhaltigkeit stellen, so die Forderung der Verbände. Verkaufserlöse der Bio-Landwirtinnen und -Landwirte stiegen 2019 auf 2,49 Mrd. €. Insgesamt fuhren sie 5,5 % der Erlöse der gesamten Landwirtschaft ein.

Entscheidend für einen Systemwechsel ist auch,
– das neue Bio-Recht mit allen nachgelagerten Rechtsakten zukunftsfähig & fertig auszugestalten,
– die Öko-Forschung und -Entwicklung stärker auszubauen,
– die Absatzentwicklung heimischer Bio-Produkte und den Umbau der Tierhaltung insgesamt konsequent nach den Plänen der Borchert-Kommission voranzubringen.

Text: Hand-Werner Bunz, Foto: Design: Hans-Werner Bunz, Fotos: verschiedene Autoren

Grün ist die Zukunft der Landwirtschaft!

Grüne, also die bio-ökologische Lebensmittelproduktion, ist das Zukunftskonzept. Die gegenwärtige sogenannte „konventionelle“ Landwirtschaft – in Deutschland macht sie noch knapp 90% aus – muss umgebaut werden aus vielerlei Gründen. Einige der wichtigsten sind: Klimawandel, Ressourcenschwund der Kunstdüngergrundstoffe, Bedrohung des Trinkwassers durch landwirtschaftliche Einträge (Überdüngung), Schwund von Insekten und Bodenlebewesen. 

Gute Nachricht: Immer mehr Konsumenten lieben Bio-Produkte
In der Tat, auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) nahm es schon vor längerer Zeit wahr: Immer mehr Konsumenten wollen Bio-Lebensmittel. Der Beweis ist die 1. Auflage der Broschüre „Zukunftstrategie ökologischer Landbau – Impulse für mehr Nachhaltigkeit in Deutschland“, die der vorige BMEL-Bundesminister Christian Schmidt veranlasste; die aktuelle Ministerin Julia Klöckner zeichnet verantwortlich für die zweite Auflage vom Jahr 2019.
Die ökologische Landwirtschaft ist wie kein anderer Wirtschaftszweig auf natürliche Ressourcen angewiesen”, so die Ministerin in ihrem Grußwort, es sei „eine besonders Ressourcen schonende und umweltverträgliche Wirtschaftsform, die sich am Prinzip der Nachhaltigkeit orientiert.” Angestrebt sind seitens des Ministeriums 20 % Bio-Agrarflächen der deutschen Agrarflächen bis zum Jahr 2030.

Dieses Ziel klingt ambitioniert, ist es aber nicht wirklich, war es vielleicht noch in der Ausgabe 1 unter dem vorigen Minister Schmidt. Gegenwärtig steht Deutschland bei gut 10 % ökologischem Landbau – knapp 90 % sind somit nicht ökologisch bewirtschaftet. Immerhin ist man inzwischen soweit, die ökologische Landwirtschaft als gleichberechtigten Teil der gesamten Agrarwirtschaft zu sehen. Diese 20 % Bio-Landwirtschaft als Zwischenziel bis zur angestrebten Klimaneutralität im Jahr 2045 ist zwar eine Verdoppelung der bisherigen Menge – aber im Vergleich zu den Ambitionen der EU zu wenig – sind deren Vorstellungen doch ambitionierter: 30 % sind hier das erklärte Ziel. Noch immer ist offensichtlich beim BMEL die nichtökologische Landwirtschaft die vordringlichere und deshalb wohl auch unterstützungswürdiger.

Das BMEL definiert 5 Handlungsfelder:
– Zukunftsfähiger Rechtsrahmen,
– Zugang zur ökologischen Landwirtschaft erleichtern,
– Nachfragepotential nutzen und weiter ausbauen,
– Leistungsfähigkeit ökologischer Agrarsysteme verbessern,
– Umweltleistungen angemessen honorieren.

Ökologische Landwirtschaft ist eine wichtige Zukunftsbranche. Deshalb hat sie auch eine zentrale Position in der Nachhaltigkeits­strategie der Bundesregierung. Klingt schön – hoffentlich nicht nur. Neue Erkenntnis: Der ökologische Landbau trage zur biologischen Vielfalt bei. Das ist nicht neu, aber gut, dass dieses Wissen jetzt auch im zuständigen Ministerium angekommen ist: die Bundesregierung sieht im ökologischen Landbau eine Form der Landnutzung, der ein erhebliches Potenzial zur Bewältigung der skizzierten Herausforderungen zugeschrieben werden kann.

Der ökologische Landbau berücksichtigt:
– bei der Produktion in besonderer Weise die Belastungsgrenzen natürlicher Kreisläufe,
– trägt zu einem hohen Niveau der biologischen Vielfalt bei und
– erfüllt hohe Tierschutzanforderungen.
Die Leistungen des Ökolandbaus genieße in weiten Teilen der Bevölkerung eine hohe Anerkennung. Nicht überraschend sei die besonders hohe Wertschöpfung der Branche, auch trage sie zur Vitalisierung ländlicher Räume bei (Thünen-Institut, 2016). Der Landbau gelte deshalb als relevante Schlüsseltechnologie auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. 

Bayern ist mit Abstand die Nr. 1 im deutschen ökologischen Landbau. Rund 11.000 Ökobetriebe gibt es aktuell (Ende 2020) in Bayern, das sind 32,9 der gesamtdeutschen 35.413 Betriebe. Im vergangenen Jahr waren in Bayern wieder über 400 Betriebe mit rund 15.000 ha Fläche hinzugekommen, wodurch der Anteil an der gesamten Nutzfläche auf 12 % gestiegen sei, wie die bayerische Landwirtschafts-Ministerin Daniela Kaniber in ihrer Pressemitteilung (10.02.2021) mitteilte. Bayern ist engagierter als der Bund mit seinem 20 % Anteil für ökologisch bewirtschaftete Flächen: Bayern hat sich für 2030 immerhin 30 % der Öko-Flächen in Bayern als Ziel gesetzt – das sind 50% mehr als der Bund! Und dafür sogar auch ein eigenes Bio-Siegel ausgedacht: leicht quer oval, blau-weiß, mittig bio ganz groß in schwarz-schwarzblau, umringt von einem blauen Oval mit GEPRÜFTE QALITÄT BAYERN in weiß.

Text: Hans-Werner Bunz, Foto: Slow Food 2015

Ecodesign – eine Initiative des BMU*

TOO GOOD TO GO
Die Wegwerf-Unkultur der Menschen in Deutschland (und anderswo) ist gewaltig – und beschämend: 18 Millionen Tonnen, rund 30 % der Agrarflächen, landen ungenutzt in der „Tonne“ – werden weggeschmissen¹. Das war und ist auch dem BMU (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz & nukleare Sicherheit) viel zu viel. Deshalb startete man schon 2011 den „Bundespreis für ECODESIGN die höchste staatliche Auszeichnung für ökologisches Design in Deutschland“ – unter der Schirmherrschaft von Bundesumweltministerium, Umweltbundesamt und Internationales Design Zentrum Berlin.

Seitdem wird dieser Wettbewerb jährlich durchgeführt, im Jahr 2012 war die erste Prämierung der eingereichten Ideen, Konzepte und Produkte. Und in der Tat, es sind intelligente, oftmals ganz überraschend faszinierende Produkte, ungewöhnliche, mit sehr kreativem Ansatz. Aber auch immer wieder solche, die erstaunlich einfach scheinen, aber eben deshalb auch überraschen.
Doch offenbar wird darüber so gut wie nicht berichtet und gesprochen, was wahrhaftig mehr als schade ist, geradezu sträflich, zeigen doch diese Ergebnisse, dass die Welt durch menschliche Kreativität durchaus besser werden kann. Mit Ideen, die den Globus und das Klima wirklich schonen – und oftmals sogar naheliegend sind. Die besten Ideen – herausragend gestaltet, umweltverträglich und zukunftweisend (so das Motto) – werden auch prämiert: Der Bundespreis Ökodesign ist die höchste staatliche Auszeichnung für ökologisches Design in Deutschland.

Heuer ist bereits die Registrierungsphase für den Wettbewerb seit dem 12.04.2021 beendet; inzwischen auch seit dem 18.05.2021 die formale Prüfung der Einreichungen. Ein Expertengremium geht nun an die Arbeit der Bewertung und die Vorauswahl, die bis zum 2.07.2021 geschehen sein muss. Anschließend werden die Wettbewerbsteilnehmer*innen über das Ergebnis informiert. Die im Wettbewerb verbleibenden Einreicher können nun ihren Vorschlag einreichen, dabei ist unerheblich, ob als Objekt, Prototyp oder Modell, als Dienstleistung oder Konzept in geeigneter Präsentationsform (Booklet, Dokumentation, Filmtrailer). Die Jury bewertet die Einreichungen, wählt dann die Nominierten aus und bestimmt danach die Preisträger. Die Preisverleihung findet dann am 6.12.2021 im Bundesumweltministerium in Berlin statt.

Was sind die Kriterien?
Innovationsgehalt, Gestaltungsqualität, Umwelteigenschaften sind des „Pudels Kern“ bei der Bewertung. Allerdings nicht nur, sondern auch Aspekte wie die Auswirkungen auf Alltagskultur und Verbraucherverhalten spielen eine Rolle und noch eine Reihe anderer Aspekte. Dafür hat man eine Kriterienmatrix entwickelt, die allerdings keine Checkliste ist. Diese Liste, es sind eigentlich drei Listen, kann man auf der Webseite https://bundespreis-ecodesign.de/de/wettbewerb/kriterien sich herunterladen.

Weil die Umwelt-Auswirkungen der eingesetzten Materialien eine wichtige Rolle spielen, bietet diese Webseite auch Hinweise zur Material-Auswahl für Papier, Holz (inkl. Bambus, Kork), Textilien & Leder.
Für berufliche Interessenten des Bundespreis Ecodesign: Tel: +49 (0)30 61 62 321-0,
E-Mail: info@bundespreis-ecodesign.de

Text: Hans-Werner Bunz, Foto: Stadtdesign (Fotograf unbekannt)

*) BMU – Bundesumweltministerium

Der Blues dieser Tage

Die Corona-Pandemie, besonders aber der erste Lockdown ab dem späten März 2020 mit seinen weitgehend leeren Straßen bescherte eine Stille, eine ungewohnte Ruhe, zeitigte Bedrohliches. Und so kam es auch – Betriebe reduzierten, viele stoppten gar ihre Produktion, unerreichbar geworden waren die geplanten, weit entfernten Reiseziele, weil keine Flugzeuge mehr flogen, Riesenkreuzfahrtschiffe vor Anker dümpelten in ihren Heimathäfen. Täglich gesendete Zahlen der Ansteckungen und der Toten verstärkten den Schrecken. Inzwischen, es ist Dezember 2020, ist die Situation in Deutschland wieder so prekär geworden, dass ein zweiter Lockdown das Zwischenmenschliche noch rigoroser minimiert.

Zeitgleich erlebt die Menschheit erstmalig eine gleichzeitige, lebensbedrohliche Situation: Da die Seuche der Covid-19-Vieren und ihren zigtausendfachen toten Menschenopfern. Und da die „…globale Umweltkatastrophe mit ihrem ungezügelten Lauf auf den Kollaps unseres Planten und das Aussterben unzähliger Arten einschließlich unserer eigenen Gattung“.¹ Verstörend sei dies, ja quälend und fordere einen neuen kategorischen Imperativ: alles zu tun, um das anrollende Desaster in seiner Wirkung abzuschwächen; damit verglichen sei die Pandemie mit ihrer eher mittleren Mortalitätsrate eigentlich überzeichnet.¹

Fast 400 Seiten sei der aktuelle Katastrophenbericht2 (2019 – veröffentlicht November 2020) – der internationalen Rotkreuz- & Rothalbmond-Organisation (IRFC). Und dieser ist beunruhigend: weltweit 308 Naturkatastrophen mit fast 25.000 toten Menschen. Die Ursache dafür sind zu 3/4 das Wetter und das Klima – also menschengemacht. Immer häufiger sind Überschwemmungen, Stürme und Hitzewellen. In den letzten 30 Jahren, so das Deutsche Rote Kreuz, seien die Naturkatastrophen um 35 % gestiegen. Es sei wirklich dringlich, die Erderwärmung zu stoppen.

Text: Hans-Werner Bunz, Foto: Michael Geier

¹) Franz Maciejewski: Melencolia 2020, Lettre International 131, Auszüge Seiten 15-19
²) IFRC-Katastrophenbericht

WASSER! Ein knappes Gut weltweit. Verbrauchen wir zu viel?

Vielleicht. Übertreibe ich? Nein.
Sauberes, gutes Wasser können wir Menschen nicht erzeugen. Nur die Natur kann das. Zu einem gut Teil besteht auch unser Körper aus Wasser. 75 % der mageren Muskeln bestehen aus Wasser, 25 % ist der trockene Rest. Im Blutplasma hat Wasser einen Anteil von 90 – 95 %, im Körperfett von 25 %, in den Knochen von 22 % und so weiter. Ohne Wasser gäbe es keinen Menschen, ohne Wasser gäbe es an Land keine Vegetation, kein Leben1. Aber es sind wir, wir Menschen, die es geschafft haben, dass die Welt, will sagen die Landmasse, dürstet. Dramatisch ist inzwischen das Szenario, leider, in vielen Teilen der Welt.

Nichts wächst an Land ohne Süßwasser. Ohne dieses Wasser wäre das Land eine Wüste. Inzwischen klagen viele Bauern bereits über schlechtere Ernten; in einigen Regionen Deutschlands und in vielen der Welt regnet es zu wenig – obwohl die globale Regenmenge insgesamt gleich geblieben scheint, so die Experten. Die Flüchtlingswelle des Nachbar-Kontinents Afrika reißt nicht ab – Auslöser sind neben so manchen Stammesfehden und Kriegen auch Landschaften, in denen Landwirtschaft des immer weniger gewordenen Regens wegen immer geringere Ernten erzielt – und dies bei einer exponentiell wachsenden Zahl junger Menschen. Viele von ihnen verlassen ihre Heimat, sehnen sich nach Europa und – so paradox es klingt – riskieren bewusst den Wassertod beim Überqueren des Mittelmeers.

Bayern: 1 Milliarde Euro für Bayerns Wasserzukunft
In Unterfranken, so das Bayerische Umweltministerium, weisen 80 % der tiefen Grundwasserstöcke Niedrigwasser auf. Und es ist fraglich, ab wann das geplante bayerische „Wasserzukunft-Projekt 2050″ wirksam werden wird – und ob es auch den jeweiligen Landschaften im erwarteten Maße nützt. Die „Schwammstadt“ ist eine der Ideen, also eine nicht zubetonierte Stadt; doch die Frage ist, wie das „Entbetonieren“ gehen soll. Beabsichtig sind dafür diverse Aktivitäten, z.B. versiegelte Flächen mit vielen Bäumen zu bestücken, verbunden mit den zwingend notwendigen, unterirdischen Wasserspeichern, Rigole genannt. Genauer beschrieben wird das Vorhaben aber nicht; möglicherweise sind die Flächen Park- und sonstige Plätze und vielleicht auch verkehrsfrei gemachte Nebenstraßen. Auch ist die Idee erwähnt, Gebäude zu begrünen. Raschere Erfolge verspricht sicherlich der geplante Ausbau von Kläranlagen mit der vierten  Reinigungsstufe, die das Wasser dann so sauber mache, dass es als Trinkwasser dienen kann. 90 Klärbetriebe sollen so entsprechend aufgerüstet werden. Aber damit sind noch keine Wälder gesichert.

Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fordert ein Umdenken
Ein neues Konzept des Wassermanagements sei gefragt. Brachte man bisher das Wasser möglichst schnell aus der Fläche, soll es nunmehr in der Landschaft gehalten und diesen Fließgewässern mehr Raum gegeben werden. „In Deutschland sei Wasser inzwischen ein knappes Gut und die Konkurrenz ums Wasser verschärfe sich“, so der Generalsekretär der Bundesstiftung Umwelt, Alexander Bonde1. Der jährliche Wasserverbrauch in Deutschland betrage pro Person 120 – 123 Liter pro Tag (!) oder insgesamt, also aller Bewohner unseres Landes, 32 Milliarden Kubikmeter, dem ein potentielles Angebot von 188 Milliarden Kubikmeter gegenüberstehen. Andererseits: Wassersparen ist gegenwärtig nicht gefordert wegen der veralteten Infrastruktur: Die Rohre sind zu groß, weshalb immer wieder die Kanäle und Rohrleitungen gut gespült werden müssen, wodurch eine Menge Wasser verloren geht. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite
Genau besehen ist aber der Wasserverbrauch jedes in Deutschland Lebenden viel höher als die 120 – 123 Liter pro Tag: Laut WWF2 seien es 25 volle Badewannen pro Person (5.288 Liter täglich!). Dies ist die zusätzliche Wassermenge für die Herstellung und den Transport der Produkte, die wir zum Leben brauchen; 50 % davon entstehen durch die erzeugten Produkte in anderen EU-Ländern und in Übersee – plus den Transport zu uns mit der Verteilung an die Vertriebsstellen. Und obwohl Deutschland eigentlich zu den wasserreichen Gegenden unseres Globus zählt, ist dennoch Wasserknappheit in einigen Region unseres Landes inzwischen eine Tatsache. Betroffen sind Teile von Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Nordbayern, vor allem Teile aber Unter- und Oberfranken.

Text: Hans-Werner Bunz, Foto: Helga Bunz

1) Generalsekretär der Deutschen Bundestiftung Umwelt, 2) World Wide Fund for Nature

Unser Globus: gefährlich verletzt – keine Rettung in Sicht!

Wer meint, die E-Auto-Mobilität wäre eine Verbesserung für die Welt, der irrt! Sie ist eine weitere Verschlechterung: Klima, Natur und Physis unseres Planeten beschädigt diese Technik recht erheblich, vielleicht sogar dramatisch. Wesentliche Ursache dafür ist das gierige Suchen nach Seltenen Erden und speziellen Metallen; zu ihnen gehört inzwischen sogar auch Kupfer – es ist knapp geworden. Die Förderung dieser Rohstoffe erzwingt die Zerstörung immer größerer Flächen – in Südamerika, in China, aber auch in anderen Ländern. Hinzu kommt der damit verbundene, sowieso immer wachsende, immer gigantischere Strombedarf – weltweit sind es überwiegend die Kohlekraftwerke, die ihn erzeugen: Ein nicht zu unterschätzender Verursacher der klimatischen Veränderungen in Richtung Hitze. Ja, selbst die Windenergie ist bei weitem nicht so sauber und „grün“, wie man uns glauben macht.

Die Zeitschrift Lettre International, Nr. 130, veröffentlichte in ihrer Ausgabe Herbst 2020 Gedanken von 16 herausragenden Frauen und Männern der Schönen Künste zum Thema Bühnen in der Krise (durch Sars-CoV-2). Sechs von ihnen zitiere ich wortgetreu mit den –  aus meiner Sicht – wichtigsten Passagen:

Meredith Monk, Komponistin, Sängerin, USA, 09.04.2020:
,,In dieser Zeit liegt eine Möglichkeit zur Veränderung. Ich bete darum, dass wir nicht dorthin zurückkehren, wo wir vor der Pandemie waren.
Aristide Tarnagda, Regiseur, Dramatiker aus Burkina Faso, 10.04.2020:
,,Die Mehrheit der Menschen verdient ihren Lebensunterhalt von der Hand in den Mund, von Tag zu Tag. Covid 19 ruft in Erinnerung, dass das Leben zerbrechlich ist, und was wirklich zählt: Gesundheit, Bildung, Kultur. Werden wir endlich die Bindung an ein Leben kappen, das auf Gier, materiellen Werten und Kapitalismus beruht – und das uns immer weiter vom Wesentlichen entfernt?
Milo Rau, Autor, Regisseur, Schweiz, 20.04.2020:
,,Meiner Meinung nach sind wir eben in diesem Moment mit einer tragischen Situation konfrontiert und müssen neu über das System nachdenken, in dem wir leben. Es geht nicht darum, es ein wenig geschmeidiger zu machen und ein wenig grüne Energie oder was auch immer einzusetzen, damit es weitergeht. Nein. Wir müssen die Maschine ein für alle Mal anhalten oder wir sind verloren. Und wir verdienen es.“ 
Richard Schechner, Autor und Regisseur, USA, 21.04.2020:
,,Dieses Virus ist die kleine Woge, die große ist der Klimawandel. Er steckt hinter dem Virus. Es gleicht einem ersten Beben, das auf der Skala groß erscheint, es aber nicht ist. In 30, 40 oder 50 Jahren, ganz langsam, wird der große Zusammenbruch kommen. Wenn New York nicht mehr 250.000 Infektionen und 15.000 Tote zählt, sondern drei Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Wenn Amsterdamm und London verschwunden sind. Wenn Bangladesch überflutet ist und so weiter.
Peter Sellars, Regisseur, USA, 30.04.2020:
,,Die Botschaft, die wir vom Virus erhalten haben, heißt ruhig zu sein – anzuhalten. Die Welt raste in einem verrückten Tempo, sie ist außer Kontrolle geraten, und jeder war zu beschäftigt, um noch irgendetwas zu bemerken… Wir müssen anhalten, den Karren wenden, zurückgehen und von vorne anfangen.“   
Kris Verdonk, Regisseur, Belgien, 25.05.2020:
,,Wir wissen nicht, was wir anrichten. Wir haben eine Vorstellung und setzen sie um. Das liegt in der Natur der Menschheit. Wir müssen erfinden. Aber wir haben keine Ahnung von den Konsequenzen all dessen, was wir im Laufe des Lebens tun, von den Konsequenzen für unsere Kinder und Enkelkinder. Die nächste Generation wird die Folgen unseres Tuns tragen. Das ist das Gesetz.  

Der letzte Satz ist insofern beachtenswert für jede Person, die glaubt, wir könnten mit noch mehr technischen Innovationen die Probleme meistern: Welch ein Irrtum! Wer am Dienstag, 24.11.2020, ab 20:15 Uhr auf ARTE die Sendung Umweltsünder E-Auto gesehen hat, weiß, dass die Welt keineswegs an ein Weniger denkt, sondern an ein NOCH MEHR. Das E-Auto ist ebenso ein Mitwelt-Problem wie die stromerzeugenden Windräder. Beide sind keine wirklich grünen Produkte. Ob wir wollen oder nicht: Wir müssen lernen zu verzichten. In diesem Sinne ist auch die Corona-Pandemie eine Chance zur Selbstbesinnung und zur Erkenntnis: Auch mit weniger ist das Leben schön.

©   Hans-Werner Bunz, Foto: Weltkugel im All © Pixabay

KI – Die Grenzen des Äußersten

Künstliche Intelligenz ist eine auf ein Äußerstes vorstoßende wissenschaftliche Grenzdisziplin“ – so Prof. Dr. Götz Großklaus, renommierter kulturtheoretisch-kritischer Medienwissenschaftler in der aktuellen Herbst-Ausgabe der Zeitschrift Lettre International, S. 9-12, in seinem Artikel Grenzen des Äußersten. Sein Fokus ist das menschliche Gehirn und dessen zunehmende Beeinflussung: „Es geht darum, die menschlichen Wahrnehmungs- und Verstandesleistungen und die zugeordneten Handlungsmuster in künstlichen neuronalen Netzen abzubilden und entsprechende Operationen des Gehirns einer Maschine übertragen zu können“. Simuliert könne aber nur werden, was verstanden wird, also was die menschlichen Verstandeskräfte leisten. Inzwischen sei es dem Menschen möglich, „…die Steuerungsleistung der menschlichen Intelligenz an eine Maschine zu delegieren“. Dazu dienen künstliche Abbildungen der natürlichen neuronalen Netze, „eine Kopie als Grundbaustein des Nervenzellen-Systems unseres Gehirns, ein simuliertes Gehirn“ also.

KI-Systeme kontaktieren über Sensoren die Außenwelt, vermessen Daten und lesen sie in den Rechenspeicher ein. Diese Wirklichkeit „…kann ein Algorithmus in genau festgesetzten Schritten als Handlungsvorschriften formulieren“ für eine rationale Problemlösung. „Schon längst ist unser Leben“, so Prof. Dr. Götz Grossklaus, „in den unterschiedlichsten Feldern wie etwa Verkehr, Börse, Medizin, Recht, Märkte, Militär, Waffen etc., beherrscht von Entscheidungsprozessen und Handlungssteuerungen über sog. domänespezifisch-künstliche Intelligenzen und Algorithmen – ohne dass uns dies wirklich bewusst ist, ohne unsere Zustimmung“. Gelänge eine totale Simulation des menschlichen Gehirns, ein „Äußerstes“ also, „…würde in diesem Falle die Maxime der Leistung, die Optimierung in Zeiteinheit“ wirksam werden und damit „…das humanum (das menschliche) zur Disposition gestellt werden“.

Denn die Maschine wäre tausend-, wenn nicht millionenfach schneller. Der Mensch betreibe mit „… der Installation einer solchen Superintelligenz seine Selbstabschaffung“. Götz Großklaus: „Die äußerste Freiheit in der Herrschaft der Natur (des Menschen) wird sich für den einzelnen und den Staat in nichts Anderes umwandeln, als in die äußerste Knechtschaft: die Unterwerfung unter die algorithmischen Systeme“.  Und er fügt hinzu ein Zitat des Philosophen Nietzsche: „Die wahre Welt haben wir abgeschafft: welche Welt bleibt übrig? die scheinbare vielleicht? … Aber nein! mit der wahren Welt haben wir auch die scheinbare abgeschafft“.

Der mehr als drei Seiten lange Text in der großformatigen Zeitschrift (Satzspiegel 22,8 x 33,3 cm) endet mit der wenig tröstlichen Vision: Es sei nicht der Leviathan der Zukunft (das Supergehirn des Quantencomputers), der die Macht ergreife, sondern der „... alte Leviathan“ der Biomacht: Der „Volkskörper …“, dem mit rigiden Disziplinierungstechniken und Regulierungsverfahren zu Leibe gerückt werde, immer mit der Vorgabe „…das Recht auf Leben, auf den Körper, auf die Gesundheit auf Dauer garantieren zu können“.

Text: Hans-Werner Bunz, Foto: Sars Covid 2019


Über die Pandemie/Pandämonie SARS-CoV-2 (COVID 19)

In der unmittelbaren Vergangenheit gab es mehrere verwandte Ereignisse: Aids, Ebola, Vogelgrippe, Sars, Schweinegrippe, Rinderwahnsinn. Davor schon die ’normalen‘ Grippewellen, die wenige Jahre davor nicht normal waren mit tausenden Opfern, so der renommierte Schweizer Dr. phil. Dieter Bachmann (geb. 1940) in seinem umfangreichen Beitrag „Was man sagen kann“ in der Sommerausgabe 2020 (Seiten 123-125) der voluminösen (37 x 27 cm), 142 Seiten starken Zeitschrift  „Lettre International“.

Seit Jahrhunderten, ja, seit Jahrtausenden begleiten Seuchen die Menschheit. Pars pro toto ständen zwei – sie alle aufzuzählen führe zu weit, so Bachmann: Die Pest und die Pocken. Die Pest „hätte zwischen 1347 und 1351 ein Drittel der Bevölkerung Europas ausgelöscht; die Pocken über die Jahrhunderte gar über eine Milliarde Menschen.
In der unmittelbaren Vergangenheit gab es mehrere verwandte Ereignisse: Aids, Ebola, Vogelgrippe, Sars, Schweinegrippe, Rinderwahnsinn. Davor schon die „normalen“ Grippewellen, die wenige Jahre zuvor keineswegs normal waren mit ihren tausenden Opfern, so der renommierte Schweizer Dr. phil. Dieter Bachmann (geb. 1940) in seinem umfangreichen Beitrag „Was man sagen kann“ in der Sommerausgabe 2020 (Seiten 123-125) der voluminösen, 142 Seiten starken Zeitschrift Lettre International.

Ist es die Natur, fragt Bachmann, die ihren Abkömmling Mensch mit Krankheiten schlägt? Auffällig sei, wie oft die Pandemie mit Krieg, Armut, Verwüstung und Unterdrückung einhergehe. Bewirke sie diese oder ist sie die Ursache? Gegenwärtig, so Bachmann, schlage die Natur zurück! Das sei keine Vermutung, unbestritten sei, also eine Tatsache, dass das Co-19-Virus vom Tier auf den Menschen übertragen wurde. Und diese Tatsache leite sich ab, so Bachmann, von Vorgängen, die man zusammenfassend als Zerstörung der Natur durch den Menschen bezeichnen könne. Die Folge sei der Klimawandel mit den daraus folgenden Überschwemmungen, Erdbewegungen, Bränden und der Massen-Völkerwanderung. Es sei Menschenwerk mittels Industrie, Verkehr (fossile Brennstoffe) und Tourismus. Letzterer sei nicht nur indirekt klimaschädlich, sondern umfassend & flächendeckend mitweltschädlich. Kein Krieg habe die Welt so tiefgreifend und umfassend beschädigt wie der Tourismus der letzten 50 Jahre. Jeder war dabei – auch ich.

Fakt: Die Forscher der Leopoldina-Akademie sehen einen Zusammenhang zwischen Mitweltzerstörung und aktueller Pandemie: „Die Lebensräume der Natur, des Tieres in ihr, sind so beschränkt, so eng geworden, dass das Tier immer öfter die Grenze zum Menschen überschreiten muss. Das Tier infiziere den Menschen, wo es neben ihm lebe.“

Text: Hans-Werner Bunz

Dr. phil. Dieter Bachmann: Literatur- & Theaterkritiker, Redakteur, Chefredakteur, Autor von Romanen, Erzählungen, Essays, Reportagen und Portraits bekannter Persönlichkeiten.